Mieten

Wie teuer das Wohnen in Berlin ist

Der Trend zu Single-Wohnungen in Berlin hält an. Doch diese Entwicklung hat einen Nachteil. Die hohe Nachfrage lässt die Mieten für solche Objekte deutlich steigen. Andererseits sorgt der hohe Leerstand in der Stadt von 5,5 Prozent dafür, dass Wohnungen in allen Größen und Preislagen zu haben sind.

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Friedrichshain, Simon-Dach-Straße. Eine Gegend, in der Berlin brummt. Mit Cafés, Restaurants, Galerien, das Stadtzentrum nicht weit entfernt. Deshalb ist die Wohnlage begehrt. Viele Häuser stammen aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts, die Wohnungen haben Stuckdecken und helle Holzdielen, Wannenbäder und Wohn- oder Einbauküchen. „Singles, Künstler und Pärchen zieht es her“, sagt Denis Picker von der Lion-Immobilien GmbH.

Berlin ist und bleibt eine Mieterstadt. Und sie ist durchaus attraktiv – was die Zahl der Angebote und die Preise zeigen. Das wird auch im jüngsten Wohnungsmarktbericht 2009 der Investitionsbank Berlin (IBB) wieder deutlich. Von den 1,97 Millionen Haushalten in der Stadt sind 1,64 Millionen durch Mieter belegt. Der hohe Leerstand in der Stadt von 5,5 Prozent sorgt dafür, dass Wohnungen in allen Größen und Preislagen zu haben sind, sagte am Donnerstag Mathias Kämmer, der bei der IBB für die Betreuung der Immobilienkunden zuständig ist.

In Friedrichshain sind die Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen besonders gefragt, in allen Preislagen. Die Interessenten kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus Argentinien oder USA. „Leute, die ein paar Jahre in Berlin bleiben und die Stadt intensiv erleben wollen.“, sagt Denis Picker. „Junge Leute legen Wert auf die gute Verkehrsanbindung und eine zentrale Lage. Es muss nicht unbedingt schick sein“, so der Wohnungsvermittler. „Und sie entscheiden sich schnell.“ Ältere würden sich mehr Zeit für die Wohnungssuche nehmen und sorgfältiger vorgehen.

Hoher Leerstand in Mitte

Im Wohnungsmarktbericht 2009 sticht der Bezirk Mitte mit einem Leerstand von 7,3 Prozent hervor. Thomas Brand, Referatsleiter in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, mutmaßte, das könne daran liegen, dass die Vermieter nicht die Preise bekämen, die sie forderten und die Wohnungen dadurch dauerhaft leer stünden. „Auf jeden Fall muss man das näher untersuchen.“ Dauerhafter Leerstand sei schädlich für die Entwicklung in der Stadt. Der Senat seinerseits sei jedenfalls sehr interessiert daran, die Mietentwicklung weiter im Griff zu behalten. Alle profitierten davon, sagte Brand. „Das ist ein Standortvorteil für die Stadt. Viele kreative Menschen können hier wohnen, weil sie preiswert leben können“, sagte der Referatsleiter Wohnen bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

In der Simon-Dach-Straße sind bei Lion-Immobilien Wohnungen in den verschiedensten Kategorien zu finden. Von der 123 Quadratmeter großen Sonnen-Dachgeschoss-Wohnung mit Terrasse und Lift, die sich für Pärchen und WGs eignet und 1566 Euro Warmmiete im Monat kostet, bis zur 42-Quadratmeter-Wohnung, die erst renoviert werden muss und deshalb zwei Monate lang mietfrei zu haben ist. Die 105-Quadratmeter-Wohnung im ersten Obergeschoss eines Luxus-Altbaus kostet 985 Euro im Monat inklusive Nebenkosten. Die Ein-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss des Seitenflügels, 50 Quadratmeter groß, ist für 512 Euro Monatsmiete warm zu haben. Eine Terrasse und ein kleiner Garten gehören dazu. Vom Straßenlärm ist nichts zu hören.

Durchschnittlich liegt in Berlin der Quadratmeterpreis für die Nettokaltmiete bei 4,83 Euro. Für kleine Wohnungen werden inzwischen durchschnittlich aber bereits 5,41 Euro gefordert. In den vor allem von Kreativen besonders geschätzten Bezirken Mitte, Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg werden Mieten von bis zu 7,60 Euro aufgerufen. Nur noch in Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf verlangen die Vermieter höhere Preise.

Kleinere Wohnungen werden teurer

Von der Entwicklung sind vor allem die kleinen Wohnungen betroffen, die sich seit 2004 um durchschnittlich 16 Prozent verteuert haben. Bei den übrigen Wohnungen sind die Mieten in dieser Zeit weniger stark gestiegen, heißt es im IBB-Wohnungsmarktbericht. Und in Berlin leben allein 53 Prozent der Mieter in Ein-Personen-Haushalten. Insgesamt lag der Mietpreisanstieg 2009 bei 0,8 Prozent.

Ein weiterer Aspekt: Die Neubautätigkeit hat sich im vergangenen Jahr verlangsamt. Während Einfamilienhäuser in ähnlichem Umfang errichtet wurden wie in den Vorjahren, gibt es kaum noch neuen Mietwohnbau. Nur in Zehlendorf Eiche und nahe des Rathauses Tempelhof sind Seniorenwohnungen entstanden. „Der Mietwohnbau ist sehr punktuell und zielgerichtet“, sagte Mathias Kämmer. Stattdessen würden mehr Altbauten saniert.

Nach Ansicht des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen zeigt die Studie vor allem, dass der Berliner Wohnungsmarkt sich weiter ausdifferenziert. „20 Jahre nach der Wiedervereinigung befindet sich Berlin weiter auf dem Weg zurück zur Metropolen-Normalität“, sagte BBU-Vorstandsmitglied Maren Kern. Dieser Prozess stärke die Attraktivität der Stadt und führe dazu, dass für die unterschiedlichen Nachfragergruppen Wohnangebote bestünden. Kern: „Eine politische Einflussnahme auf die Mietenentwicklung ist vor diesem Hintergrund nicht notwendig.“

Kern mahnte allerdings eine baldige Lösung für den Sozialwohnungsbestand an, damit dieser seine Aufgabe bei der Wohnraumversorgung einkommensschwacher Haushalte wieder besser wahrnehmen könnte.