Bauarbeiten

Neuer Ärger um Lärmschutz am Ostkreuz

Die Bahn hat Lärmschutzwände am Ostkreuz getestet. Sollten diese den Baukrach deutlich reduzieren, will das Unternehmen bei der Sanierung des S-Bahnhofs wieder Nachtarbeit einführen. Anwohner sind jedoch skeptisch. Notfalls wollen sie eine Entscheidung per Gericht erzwingen.

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Die Bahn hat ihre Tests mit mobilen Lärmschutzwänden am Ostkreuz jetzt abgeschlossen. Das hat ein Sprecher am Dienstag bestätigt. Nach Informationen von Morgenpost Online wurden seit Herbst 2008 Modelle von zwei Herstellern an der Baustelle erprobt. Messungen sollen Aufschluss darüber geben, ob die von Anwohnern geforderten Wände tatsächlich den Baustellenlärm eindämmen können. Die Gutachten dazu werden in einigen Wochen vorliegen. Spätestens im Herbst, wenn große Abrissarbeiten geplant sind, soll klar sein, ob und wo die Wände aufgebaut werden.

Für die Bahn steht fest: Nur wenn eines der getesteten Modelle den Geräuschpegel so deutlich senken kann, dass die neuen Lärmprognosen Einfluss auf die nötigen Ausnahmegenehmigungen für Nacht- und Wochenendarbeit haben, lohnt sich die Investition. Sparen könnte die Bahn zudem, so die Kalkulation, weil sie bei lauter Nachtarbeit künftig weniger Anwohnern eine Hotelübernachtung bezahlen müsste. Ob die Lärmschutzwände diesen Effekt haben, sei aber derzeit ebenso offen wie die Frage, wo die Wände stehen könnten, heißt es bei der Bahn.

Die Anwohner favorisieren eine Lösung auf dem Damm der sogenannten „Nordkurve“. Sprecher Jürgen Freymann geht von einer etwa 100 Meter langen und sechs Meter hohen Wand aus. Je nach Hersteller müsste die Bahn dafür nach seinen Angaben etwa 70.000 bis 120.000 Euro investieren. „Die Wände sind teuer“, gibt Freymann zu. Da es sich aber um mobile Einrichtungen handele, könne die Bahn sie auch bei künftigen Bauprojekten nutzen.

Freymann zweifelt indes am guten Willen des Bauherren. Die Lärmtests seien „nur halbherzig“ gemacht worden, kritisiert er. Die Belastung der Anwohner sei auch abseits der extrem lauten Abbrucharbeiten nach wie vor groß. Freymann, der bereits 2008 gegen die Bahn geklagt hatte, will nun eine Mietminderung geltend machen und droht, einen sich abzeichnenden gerichtlichen Vergleich mit der Bahn „platzen zu lassen“, um ein Urteil zu erzwingen.

Der bisherige Vergleichsvorschlag sieht unter anderem die nun beendeten Tests mit mobilen Lärmschutzwänden vor. Die Bahn reagiert deshalb mit Unverständnis auf die Drohung des Anwohners. „Wir haben in allen Punkten reagiert“, sagt ein Sprecher. So sei die Information deutlich verbessert worden, durch einen Info-Punkt, ein Bürgertelefon, Handzettel und Aushänge zu den Lärmwerten. Alle Hausbesitzer seien angeschrieben worden, um den Bedarf an Schallschutzfenstern zu ermitteln. Zudem sei geplant, die Lärmschutzwand an der Türrschmidtstraße zu verlängern.

Spätestens am Wochenende nach Ostern wird es auf der Baustelle am Ostkreuz wieder laut. Dann wird nach Bahnangaben eine tonnenschwere Brücke für den neuen Regionalbahnsteig eingeschoben. Das Gesamtprojekt Ostkreuz-Umbau soll noch bis 2016 dauern und 411 Millionen Euro kosten.