Gewalt im Nahverkehr

In Kreuzberg und Mitte droht BVGlern Gefahr

| Lesedauer: 2 Minuten
Thomas Fülling
Das Video konnte nicht gefunden werden.

BVG erhöht Sicherheit in Bussen

Die Berliner Verkehrsbetriebe haben ihre gesamte Busflotte mit Sicherheitsscheiben am Fahrersitz ausgerüstet. Zudem wurden die Sicherheitskräfte aufgestockt – nun sind 170 Mitarbeiter rund um die Uhr im Einsatz.

Video: TVB
Beschreibung anzeigen

Ende Februar hatten Jugendliche erneut mehrere Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) körperlich attackiert. Solche Vorfälle sind keine Seltenheit. Obwohl die Zahl der Übergriffe im Jahr 2009 zurückgegangen ist, spricht der Personalrat der BVG von einem Gewaltproblem.

Angesichts der jüngsten Überfälle auf BVG-Mitarbeiter hat der Gesamtpersonalratschef der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Uwe Nitzgen, erneut mehr Engagement vom Berliner Senat gefordert. „Es darf nicht sein, dass mit Blick auf Tourismuszahlen ignoriert wird, dass wir in der Stadt noch immer ein Gewaltproblem haben“, sagte Nitzgen Morgenpost Online.

Am Wochenende waren gleich mehrere BVG-Mitarbeiter an unterschiedlichen Orten von Jugendlichen angegriffen und zum Teil brutal misshandelt worden. Einer der Täter hatte in Hohenschönhausen einem 36 Jahre alten Fahrkartenkontrolleur gegen den Kopf getreten, als dieser bereits wehrlos am Boden lag. „Hätten Fahrgäste nicht eingegriffen, hätte es für den Mann sehr schlimm ausgehen können“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Insgesamt, so Reetz, sei die Zahl der gewalttätigen Übergriffe auf BVG-Beschäftigte im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. 2009 haben die Verkehrsbetriebe 286 Angriffe registriert. 139 davon wurden als schwerwiegend eingestuft, weil die Betroffenen länger als drei Tage krankgeschrieben waren. 2008 hatte es noch 326 Überfälle auf BVGer gegeben, darunter 135 mit schweren Folgen.

Auch die Zahl der Attacken auf Busfahrer ist nach BVG-Angaben rückläufig: Registriert wurden 89 Angriffe. Ein Rückgang um 27 Prozent gegenüber 2008, als noch 122 Angriffe gezählt wurden. Allerdings: Die Anzahl der Übergriffe mit längerfristiger Arbeitsunfähigkeit ging nur geringfügig von 49 auf 43 zurück.

Zentrum der Gewalt war erneut der Bezirk Mitte, wo 65 Angriffe gezählt wurden. „Das hat natürlich auch etwas damit zu tun, dass sich in Mitte ein Großteil unserer Linien kreuzen“, sagte BVG-Sprecherin Reetz. In der Statistik folgen die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg (54 Vorfälle), Neukölln (31) und Charlottenburg-Wilmersdorf (28). Das geringste Risiko besteht für BVGer bei Fahrten durch Treptow-Köpenick (8 Angriffe) und Spandau (7).

Als besorgniserregend werden sowohl von der BVG-Spitze als auch den Arbeitnehmervertretern die Zunahme der Brutalität und geringe Schwelle für Gewalt eingeschätzt. Reetz sagte: „Heute sind Täter bereits bei einem ‚Streitwert’ von 2,10 Euro bereit, einen Busfahrer ernsthaft zu verletzen." Dies ist der Preis eines Einzelfahrscheins in der Zone AB.

Für mehr Sicherheit hat nach Auffassung der BVG der Einbau zusätzlicher Trennscheiben geführt, die Busfahrer gegen überraschende Angriffe von hinten schützen sollen. Entgegen einer Verlautbarung des „Runden Tischs zu Bekämpfung gewalttätiger Übergriffe gegen BVG-Mitarbeiter“ sind jedoch nicht alle der mehr als 1300 Omnibusse der BVG mit den sogenannten Hinterohrscheiben ausgerüstet worden. „Bei den etwa 100 Bussen, die noch in diesem Jahr ausgemustert werden sollen, haben wir darauf verzichtet“, sagte Reetz.