Prozessauftakt

Auto-Brandstiftung - Angeklagter kommt frei

Der Prozessauftakt um einen Brandanschlag in Friedrichshain endete mit einer Überraschung: Der Angeklagte ist am ersten Tag wieder auf freien Fuß gekommen - aus Mangel an Beweisen. Ein Brandgutachter hatte den 23-Jährigen entlastet.

Nach einer Serie von rund 200 Brandanschlägen auf Autos in der Hauptstadt ist es im Prozess gegen einen mutmaßlichen Brandstifter zu einer überraschenden Wende gekommen: Das Gericht hob den Haftbefehl gegen den 23-jährigen Angeklagten auf. Es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr, begründete das Berliner Landgericht seine Entscheidung und ließ den Mann frei. Die Staatsanwaltschaft legte gegen den Entscheid keine Beschwerde ein.

Auch erscheine eine Verurteilung nach bisheriger Beweisaufnahme unwahrscheinlich, sagte der Richter Ralf Fischer. Das Urteil soll am kommenden Freitag gesprochen werden, es wird mit einem Freispruch gerechnet. Dennoch werde bis dahin die Beweisaufnahme fortgesetzt, hieß es. Der Angeklagte hatte nach einer Verfügung des Kammergerichts seit Mitte Juli in Untersuchungshaft gesessen.

Zum Auftakt des streng abgeschirmten Indizienprozesses hatte der 23-jährige Angeklagte geschwiegen. Laut Anklage stand der Berliner im Verdacht, am Abend des 17. Juni in der Pettenkofer Straße im Stadtteil Friedrichshain gemeinsam mit einem 20-jährigen Komplizen ein parkendes Auto mit einem Brandbeschleuniger angezündet zu haben. Teile des Fahrzeugs waren verbrannt. Durch das Feuer wurde ein weiteres Auto beschädigt.

Der mutmaßliche Mittäter, der noch auf sein Verfahren vor einem Jugendgericht wartet, verweigerte ebenfalls die Aussage. Falls Christoph T. frei gesprochen wird, ist damit zu rechnen, dass das Verfahren gegen den 20-Jährigen eingestellt wird.

Eine Brandermittlerin der Spezialabteilung Staatsschutz hatte das Fahrzeug untersucht und einen technischen Fehler als Ursache für das Feuer ausgeschlossen. Bei den Brandanschlägen habe sie es häufig mit den als „Nobelkarossentod“ bekannten flüssigen Brandbeschleunigern zu tun gehabt, berichtete die Zeugin. Grillanzünder seien in letzter Zeit verstärkt vorgekommen.

Ein Brandgutachter beim Landeskriminalamt hatte bei seiner Spurensuche keinen Brandbeschleuniger am Auto gefunden. Auf der Kleidung und einem Rucksack des Angeklagten wurde Lampen-Öl festgestellt, das der Chemiker für eine solche Aktion aber als „eher ungeeignet“ einstufte. Anhaftungen von Öl könnten mehrere Wochen alt sein und sogar Wäsche überdauern, berichtet der Spezialist.

Das Kammergericht hatte zur Begründung der Untersuchungshaft das Lampen-Öl sowie ein auffälliges Verhalten in der Nähe des Tatortes ausgeführt. In einem ersten Prozess muss sich seit dem Vormonat eine mutmaßliche Linksextremistin wegen versuchter Brandstiftung mit einem Grillanzünder verantworten. Auch sie sitzt in Haft und schweigt.

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