Nachnutzung des Flughafens

Museum im Tower soll Tempelhof-Geschichte zeigen

Die Deutsche Flugsicherung und Tempelhof Aviators wollen im Tower ein Museum zur Geschichte des Flughafens Tempelhof einrichten. Ihre Idee ist weit fortgeschritten – die Reaktionen aus der Politik und seitens des Flughafenvermieters sind jedoch verhalten.

Foto: Stiftung Flughafen Berlin-Tempelhof

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) will im Tower des stillgelegten Flughafens Tempelhofs ein Museum zur Geschichte des legendären Airports einrichten. Partner bei der Projektidee ist die Flugschule Tempelhof Aviators AG, die ihren Sitz im Flughafengebäude hat. Die Idee ist nach Angaben der Initiatoren bereits soweit fortgeschritten, dass sie innerhalb von drei Monaten umgesetzt werden könnte. Von Seiten der Politik und des Flughafenvermieters aber gibt es bislang nur zögerliches Interesse.

Anlässlich der Schließung des Flughafens Tempelhof Ende Oktober 2008 gab es vom Senat immer wieder das Versprechen, an die historische Bedeutung der „Mutter aller Flughäfen“ zu erinnern. Bislang reagierte der Senat nur mit einer temporären Ausstellung sowie Führungen vor Ort, ein langfristiges Konzept für beispielsweise ein Museum aber blieb er schuldig.

In diese Lücke stößt nun der gemeinsame Vorschlag der DFS und der Tempelhof Aviators. Im Tower des Flughafens und dem darunter liegenden Geschoss im Flughafengebäude wollen beide Partner ihre Museumsidee umsetzen und Themenräume zur Geschichte Tempelhofs, zur Luftbrücke, zur Historie der Luftfahrt und zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Deutschen Flugsicherung einrichten. Auch ein kleiner Shop und Fortbildungsveranstaltungen der DFS sind geplant.

„Die Idee hatten wir aufgrund der Bedeutung Tempelhofs für unsere Lotsen schon länger“, sagt der Pressesprecher der DFS, Stefan Jaekel. Schließlich habe die DFS jahrzehntelang von Tempelhof aus für die Sicherheit am Boden und in der Luft gesorgt. Wegen fehlender Ressourcen aber habe man die Museumsidee zunächst wieder verworfen.

Erst der Zufall brachte die DFS mit der Tempelhof Aviators AG zusammen und den Stein ins Rollen. Als die Filmfirma Monaco Film Hamburg im September 2009 für RTL die 1978 tatsächlich stattgefundene Entführung einer polnischen Maschine nach Tempelhof verfilmte, war der Tower wichtiger Drehort. Die Tempelhof Aviators AG in Person ihres Gesellschafter Jens Rosenow hatte im Auftrag der Filmproduktion die Drehgenehmigung eingeholt, die Deutsche Flugsicherung den Tower im Stil der 70er-Jahre ausgestattet.

Rosenow und Jaekel liefen sich über den Weg und die Idee eines Tower-Museums wurde geboren. „Der Tower war so eingerichtet worden, wie er damals war. Es wäre doch schade, wenn man alles wieder abbauen müsste“, sagt Jaekel. „Man könnte Radarsimulationen ablaufen lassen, Funksprüche erlebbar machen und etwas aufbauen, wovon jeder Berliner etwas hat. Auch wenn nicht mehr geflogen werden darf, so wäre der Tower wie der Blick von dort aufs Flugfeld noch originalgetreu.“

Inzwischen ist die Idee so weit gediehen, dass die Tempelhof Aviators AG nach eigenen Angaben Ende Oktober 2009 eine Stiftung „Flughafen Tempelhof“ gegründet hat. „Das Stiftungskapital beträgt 500.000 Euro. Die Stiftung soll dazu beitragen, den Flughafen so zu erhalten, dass eine würdige Erinnerung an seine Bedeutung möglich ist“, sagt Rosenow, der als Stiftungs-Geschäftsführer fungiert. „150.000 Euro würden wir zunächst für das Museum in der 34 Quadratmeter großen Towerkanzel und auf weiteren 300 Quadratmetern in der Etage darunter investieren.“

Die Deutsche Flugsicherung würde ihrerseits für die Miete der Räume aufkommen. Sie ist aufgrund des ehemaligen Flugverkehrs und der erst 2009 erfolgten Flughafen-Entwidmung bereits und immer noch Mieter. Ihr Mietvertrag mit der für Tempelhof zuständigen Berliner Immobilien Management GmbH (BIM) aber läuft nun Ende März aus. „Wir sind bereit die Räume bis zur Eröffnung des BBI im nächsten Jahres weiterzumieten, um das Projekt zum Laufen zu bringen“, sagt Jaekel. „Auch stellen wir Exponate zur Verfügung und würden einen Kollegen für das Museum abstellen.“

Doch bei der zuständigen Berliner Immobilienmanagement GmbH reagierte man trotz einer gemeinsamen Begehung im November bislang zurückhaltend auf das Konzept. Bis zur Geschäftsführung jedenfalls ist das Konzept nach Angaben von BIM-Prokurist Klaus Gendner noch nicht durchgedrungen. Die Senatskanzlei allerdings forderte die DFS und die Stiftung jetzt mit einem Schreiben vom vergangenen Mittwoch auf, Kontakt mit Kulturstaatssekretär André Schmitz aufzunehmen.