S-Bahn Berlin

Alte S-Bahnen aus Kostengründen nicht gewartet

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Markus Falkner

Foto: picture-alliance/ ZB / picture-alliance/ ZB/dpa-Zentralbild

Die S-Bahnen der Baureihe 485 sind nicht ausreichend gewartet worden. Nun stehen diese Züge alle still, bis die Sicherheitskontrollen nachgeholt worden sind. Schuld war wahrscheinlich der Sparkurs der Deutschen Bahn. Zwischen 2005 und 2009 galt für die Baureihe: "Fahren bis zum Verschleiß und dann Verschrotten."

Die Wartungsversäumnisse bei der S-Bahn-Baureihe 485 reichen offenbar mehrere Jahre zurück. Wie berichtet wurden am Sonnabend alle aus der DDR-Produktion stammende Züge aus dem Verkehr gezogen, weil Sicherheitschecks nicht in vollem Umfang erledigt worden waren. Weil die S-Bahn derzeit nur 17 Zwei-Wagen-Einheiten, sogenannte Viertelzüge, der alten Baureihe im Einsatz hat, gab es keine Einschnitte im ohnehin eingeschränkten Fahrplan-Angebot.

Die Vorgeschichte der neuerlichen Blamage für das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn reicht zurück bis ins Jahr 2002. Damals verpflichtete sich die S-Bahn gegenüber dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA), die Räder aller älteren Züge regelmäßig einer sogenannten Wirbelstrom-Prüfung zu unterziehen, bei der Risse in den Radscheiben entdeckt werden können. Hintergrund war nach Informationen von Morgenpost Online ein Unfall im März 2000. Kurz vor dem Bahnhof Zoologischer Garten war ein mit 300 Fahrgästen besetzter Zug der – kurz darauf komplett ausgemusterten – Baureihe 476 entgleist. Ursache war eine gebrochene Radscheibe. Um Gefahren zu vermeiden, so beschloss die damalige Geschäftsführung, sollten die Räder aller alten Modelle – also auch der Baureihe 485 – nach 80.000 gefahrenen Kilometern mit Wirbelstrom-Geräten untersucht werden. Eine Anordnung, die nach Angaben von altgedienten S-Bahnern zunächst auch umgesetzt wurde. Ab wann die Fristen nicht mehr eingehalten wurden, ist immer noch fraglich. Insider schließen aber aus, dass es sich um einen Fehler der neuen Geschäftsführung handelt, die seit Juli 2009 das krisengeschüttelte Unternehmen lenkt.

Nach Angaben aus S-Bahn-Kreisen gilt es als wahrscheinlich, dass die mangelhafte Umsetzung der Selbstverpflichtung in die Jahre zwischen 2005 und 2009 datiert, als die S-Bahn vom Mutterkonzern auf rigiden Sparkurs gesteuert wurde. Systematisch seien damals in der gesamten Instandhaltung „Fristen ausgereizt und überschritten“ worden, hieß es am Sonnabend. Bei der Baureihe 485 – wegen der ehemals roten Lackierung und der Aluminium-Bauweise als „Coladosen“ bekannt – habe die Devise gelautet: „Fahren bis zum Verschleiß und dann Verschrotten.“ Heute sei nicht mehr eindeutig belegbar, wann welche Fahrzeuge zuletzt geprüft worden seien. Der neue Technikchef Jürgen Konz habe umgehend reagiert, um eine Gefährdung auszuschließen.

Deshalb lautet die neue Selbstverpflichtung gegenüber dem EBA: Die Baureihe 485 bleibt stillgelegt, bis die Prüfungen nachgeholt sind. „Einige Tage, höchstens eine Woche“ werde das dauern, sagen S-Bahner. Die geplante Aufstockung des Fahrplan-Angebots am 8. März sei also nicht gefährdet. Die S-Bahn fährt wegen Sicherheits- und Wartungsmängeln an der modernsten Baureihe 481 seit Juni nur stark eingeschränkt.