ZLB-Pläne

Senat will neue Bibliothek für 300 Millionen Euro

Die Berliner Zentral- und Landesbibliothek leidet seit Jahrzehnten unter baulichen Mängeln und Raumnot. Bisher sind die Bestände in der Breiten Straße in Mitte und in der Amerika-Gedenkbibliothek untergebracht. Bald könnten sie in Tempelhof sein. Dort plant der Senat einen Neubau.

Foto: Sven Lambert

Der Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) in direkter Nachbarschaft des Tempelhofer Flughafengebäudes wird nach Angaben der Senatskulturverwaltung zwischen 250 bis 300 Millionen Euro kosten. „Das sind Kosten für das Land Berlin. Wir haben sie bereits für die Beratung des Doppelhaushalts 2010/11 angemeldet, so dass sie in die mittelfristige Finanzplanung einfließen könnten, sofern das Parlament zustimmt“, sagte Torsten Wöhlert, Sprecher der Senatskulturverwaltung, gestern. Ob es allerdings noch in dieser Legislaturperiode, die 2011 endet, zum ersten Spatenstich kommt, sei noch unklar.

Klar ist offenbar dagegen, dass sich die rot-roten Koalitionsfraktionen und der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) über einen Bibliotheksneubau am Tempelhofer Damm in der südwestlichen Ecke des Tempelhofer Feldes einig sind. Pläne, die jetzt überraschend an die Öffentlichkeit kamen. Die Generaldirektorin der ZLB, Claudia Lux, nannte das Projekt „sehr in unserem Sinne“. „Ein Neubau ist aus unserer Sicht am besten, da er bessere Chancen für die neuen Medien und die IT-Technik bietet“, sagte Lux.

Fertigstellung in sechs bis acht Jahren

Den Nettoflächenbedarf bezifferte Lux mit 63.000 bis 65.000 Quadratmetern. Damit könnten fünf Millionen Medien untergebracht werden. Derzeit hat die ZLB 3,3 Millionen. Ungeachtet des Neubaus blieben die Pläne für ein Schaufenster auf 4000 Quadratmetern im künftigen Humboldtforum bestehen. Lux geht davon aus, dass der Bau in sechs bis acht Jahren fertiggestellt werden könnte. Eine Nutzung im Flughafengebäude lehnt Lux ab.

Bei der Opposition sorgte die Nachricht gestern für Überraschung und Verwunderung. „Wir wundern uns schon sehr über den Investitionssegen jenseits aller Konjunkturpakete“, sagte gestern die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Alice Ströver. Doch wenn dem Senat der in der Tat wichtige Neubau für die Bibliothek als wichtigstes Thema aufgefallen sei, würden die Grünen das nur begrüßen. Fraglich sei nur, woher angesichts steigender Kosten für Staatsopersanierung, Kosten für einen Kunsthallenbau und Umbaukosten für das Schillertheater nun der Geldsegen für einen Bibliotheksneubau kommen solle.

Bei der CDU geht man mit den Plänen härter ins Gericht. „Stückwerk und Schwachsinn“ nannte es der Bauexperte der CDU, Rainer Ueckert. „Wie kann man etwas Neues bauen, wenn das Flughafengebäude leer steht? Das ist nicht im Interesse der Stadt“, sagte Ueckert. Und die FDP? Sie ist sprachlos. „Wir kennen kein Konzept und wundern uns, dass in der Finanzkrise plötzlich überall Geld hervorsprudelt“, sagte der FDP-Abgeordnete Klaus-Peter von Lüdeke. Verwundert sei man auch, dass von Neubau die Rede sei, obwohl große Teile des Flughafengebäudes leer stünden.

Die Fraktionschefin der Linke, Carola Bluhm, verteidigte gestern die Pläne. Schon lange hätte die Linke die Idee eines Bibliotheksumzugs nach Tempelhof verfolgt, allerdings sei es damals um den Umzug in die Haupthalle gegangen. Durch die Entscheidung Wowereits, Hangars und Haupthalle an die Modemesse Bread and Butter zu vermieten, sei diese Umzugsvariante nun erledigt gewesen. Auch hatte sich ZLB-Direktorin Lux bereits gegen die Haupthalle als neuen Bibliotheksstandort unter anderem wegen schlechter Lichtverhältnisse ausgesprochen. „Die Idee der Linke für einen Neubau hat Wowereit jetzt aufgegriffen“, sagte Bluhm. „Wir denken, dass in Zeiten der Finanzkrise die Einflussnahme der öffentlichen Hand Sinn macht und die Bibliothek mit ihrem Publikumsverkehr als Ankernutzer für die Entwicklung des Flughafengebäudes dient.“

„Tempelhof ist ein guter Standort“

Auch SPD-Fraktionschef Michael Müller begrüßt es, wenn neben der Polizei weitere öffentliche Institutionen in Tempelhof angesiedelt werden. „Mit seiner hervorragenden Lage und seiner guten Verkehrsanbindung ist der Tempelhofer Flughafen ein guter Standort. Die öffentliche Nutzung führt auch dazu, dass Gelände und Gebäude für die Allgemeinheit geöffnet werden. Klar ist auch, dass die ZLB einen neuen Standort braucht“, sagte Müller gestern. Mitarbeit: -ker