Dokumentation des Prüfberichts

Das ging bei der S-Bahn schief

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Der Prüfbericht zur S-Bahn-Krise listet auf 61 Seiten die Ursachen auf. Morgenpost Online dokumentiert das Gutachten im Wortlaut.

Organisationsmängel

„Im Ergebnis haben wir erhebliche Organisationsmängel bei der S-Bahn festgestellt, vor allem im Bereich der Fahrzeuginstandhaltung, dort vor allem in den Werkstätten.“

Fehler im System

„Die frühere Aufdeckung dieser Organisationsmängel wurde im Wesentlichen dadurch verhindert, dass es weder eine ordnungsgemäße Dokumentation durchgeführter Instandhaltungsarbeiten noch ein flächendeckendes System der fachgerechten Qualitätssicherung gab.“

„Die Prüfung, ob ein Teil zu tauschen war, erfolgte nicht nach vorgegebenen Kriterien, sondern allein aufgrund der subjektiven Einschätzung der Handwerker. Das lag nicht daran, dass Handwerker etwaige Kriterien nicht beachteten, es waren schlicht keine vorhanden.“

„Durchgeführte Arbeiten mussten die Handwerker nicht dokumentieren.“

„Arbeitsanweisungen waren zudem häufig inhaltlich falsch und/oder unvollständig.“

Technikmängel

„Ungeachtet dessen ist es ein Ergebnis unserer Untersuchung, dass die BR (Baureihe d. Red) 481 konstruktive Defizite aufweist, die die primäre Ursache aller Probleme der S-Bahn darstellen und vor allen Dingen für die heute noch bestehenden Betriebsstörungen allein verantwortlich sind.“

Wartungsfristen

„Die inzwischen abgeschafften Verfahren der Einzelfallverlängerung von Wartungs- und Instandhaltungsfristen und der Verlängerung der Grenzlaufleistungen bis zur Hauptuntersuchung wurden den Anforderungen an einen sicheren und zuverlässigen Eisenbahnbetrieb nicht gerecht.“

Verschleierung

„Es gibt ein Schreiben der S-Bahn vom 7. Oktober 2003, mit dem das EBA (Eisenbahn-Bundesamt d. Red.) über den Radriss (…) informiert werden sollte. Wir konnten nicht abschließend klären, ob das Schreiben abgesandt wurde und das EBA erreicht hat. (…) Nach Auskunft des EBA ist das Schreiben dort unbekannt.“

Sparkurs

„Es ist ein Ergebnis unserer Untersuchung, dass OSB (das Programm Optimierung S-Bahnen d. Red) so kontrovers begann, wie es heute noch beurteilt wird. Konzeption und Umsetzung von OSB verliefen von Beginn an nicht reibungslos. Es wird vielfach von einem Abwehrverhalten der S-Bahn gesprochen. Die Auseinandersetzungen gingen dabei bis in den persönlichen Bereich.“

„OSB hat eine vermeintliche Abteilung für Qualitätssicherung reorganisiert, ohne festzustellen, dass es diese (…) notwendige Abteilung tatsächlich nicht gab.“

„Während im Fahrbetrieb aufgrund umfänglicher Vorarbeiten die Verhältnisse genau analysiert wurden, sind die Maßnahmen im Bereich der Fahrzeuginstandhaltung allein betriebswirtschaftlich basiert.“

„In vielen Bereichen war OSB ein Erfolg. Dies gilt vor allen Dingen für die Verbesserung der Einnahmesituation.“

Unternehmenskultur

Die Befragungen von Mitarbeitern aller Ebenen und Führungskräften haben grundlegende Schwächen der Unternehmenskultur der S-Bahn ergeben. (…) Die S-Bahn war seit langem durch Prozessferne der Führungskräfte, insbesondere auch im Bereich der Fahrzeuginstandhaltung geprägt.

„Uns wurde u. a. mitgeteilt, dass Mitarbeiter, die Kritik geäußert haben, ausgebremst wurden. Insbesondere nach der Sozialauswahl 2007/2008 und dem damit einhergehenden Personalabbau habe eine ,Kultur der Angst’ geherrscht.“

Verantwortung des Mutterkonzerns

„Der Konzern ist weder für die technischen Mängel verantwortlich (…), noch ist es auf Aktivitäten, Handlungen oder Unterlassungen des DB Konzerns zurückzuführen, dass die Bremszylinder seit 2002 von Anfang an mangelhaft ausgearbeitet wurden.“

„Die vom DB-Konzern vorgenommenen Konzernrevisionen haben die erheblichen Organisationsmängel in den Werkstätten nicht aufgedeckt.“

„Die S-Bahn wurde im Wesentlichen durch ihren Gesellschafter gesteuert.“

( fal )