Universitätsmedizin

Sanierung der Charité wird deutlich teurer als geplant

Die Modernisierung des Charité-Bettenhochhauses in Berlin-Mitte könnte nach Informationen von Morgenpost Online um 70 Millionen Euro teurer werden als geplant. Und das ist nicht die einzige schlechte Nachricht für Vorstandschef Karl Max Einhäupl. Die Not leidende Klinik steht mit ihrer Zukunftsplanung wieder am Anfang.

Foto: Michael Brunner

Der politische Druck auf den seit September 2008 amtierenden Vorstandsvorsitzenden der Charité, Professor Karl Max Einhäupl, wächst. Nach Informationen von Morgenpost Online muss die Charité-Führung ihren Wirtschaftsplan für dieses Jahr überarbeiten. Die finanzielle Lage für die fast 300 Jahre alte Einrichtung sieht prekär aus. Im vergangenen Jahr hat die Charité ein Defizit von etwa 50 Millionen Euro gemacht, in diesem Jahr droht angeblich ein Minus von 19 Millionen Euro, wie aus Kreisen des Aufsichtsrats verlautete. Alle Finanzreserven der Charité seien nahezu aufgebraucht.

Ende Februar tagten der Struktur- und der Finanzausschuss der Charité und präsentierten dem Aufsichtsrat, in dem auch Wissenschaftssenator Jürgen Zöller und Finanzsenator Thilo Sarrazin (beide SPD) vertreten sind, neue Finanzdaten. Der Vorstand der Charité wurde vom Aufsichtsrat beauftragt, einen überarbeiteten Wirtschaftsplan vorzulegen.

Auch die Sanierung des Bettenhochhauses an der Luisenstraße in Mitte könnte weitaus teurer werden als ursprünglich geplant. Die Modernisierung sollte etwa 130 Millionen Euro kosten. Zwei Architektenbüros veranschlagten die Sanierungskosten nun auf etwa 200 Millionen Euro. Diese Kostenexplosion könnte sich auf den „Masterplan 2015“, das 521 Millionen Euro schwere Sanierungsprogramm der gesamten Charité, auswirken. Nun soll der Aufsichtsrat den Vorstand um neue Finanzdaten für die Universitätsklinik gebeten haben. Diese Daten sollen bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 20. März präsentiert werden.

Dazu Kenneth Frisse, Sprecher von Zöllner: „Der Aufsichtsrat wird sich in der Sitzung über den Stand der Planungen und mögliche Modifizierungen des Masterplans unterrichten lassen.“ Charité-Sprecherin Claudia Peter bestätigt, der bisherige Masterplan werde „fortgeschrieben, wo es sinnvoll erscheint.“ Ein neuer Masterplan werde nicht erstellt. Peter weist aber darauf hin, dass die Fortschreibung des Betriebs- und Flächennutzungskonzepts ein „zentrales Thema“ sei, das auch bei der nächsten Aufsichtsratssitzung erörtert werden soll: „Die geforderten Modifikationen am Finanzplan sollen am 20. März thematisiert werden.“

Bezüglich des Bettenhochhauses in Mitte sagt die Charité-Sprecherin nur: „Es werden verschiedene Sanierungsvarianten geprüft.“ Die veranschlagten Sanierungskosten erschienen aber „für die benötigten Maßnahmen nicht auskömmlich.“

Finanzmittel reichen nicht

Eine halbe Milliarde Euro sollte ursprünglich die gesamte bauliche und technische Großoperation an der Universitätsklinik mit ihren Haupt-Standorten in Mitte, Wedding, Steglitz und Buch kosten, so sah es der Masterplan des ehemaligen Klinikum-Vorstandes vor. Rund 300 Millionen Euro wollte das Land Berlin zur Verfügung stellen.

Sollte allein die Sanierung des Bettenhochhauses nun weitaus teurer werden, reichen die Finanzmittel nicht für alle geplanten Bauprojekte der Uni-Klinik.

Das gesamte Strukturkonzept der Universitätsklinik basierte auf einem Betriebs- und Flächennutzungskonzept sowie auf einem Masterplan bis 2015. Inhalte waren einerseits ein extremer Schrumpfungsprozess. So sollte ein Drittel der Klinikfläche aufgegeben und verkauft werden. Andererseits sollte in Bausubstanz und Medizintechnik investiert werden. Herzstück der Sanierung: Das Bettenhochhaus. Es sollte total saniert, die Bettenzahl von 56 auf 48 je Geschoss reduziert und das Gebäude um sechs auf 27 Ebenen aufgestockt werden. Das Hochhaus sollte zum weithin sichtbaren hochschulmedizinischen Leuchtturm der Stadt werden. Die Operationssäle, intensivmedizinischen Bereiche und Bettenabteilungen am Campus Benjamin Franklin in Steglitz sollten ebenfalls auf den neuesten Stand gebracht werden.

Luftschlösser statt realistischer Planung

Der Aufsichtsrat befürchtet nun offenbar eine Kostenexplosion. Die Sorge scheint berechtigt. Auch die Kosten für ein anderes ehrgeiziges Charité-Bauprojekt sind schon aus dem Ruder gelaufen. Die neue Vorklinik und das Forschungszentrum werden wohl 86 Millionen Euro kosten, 30 Millionen Euro mehr als ursprünglich veranschlagt.

Dass die Not leidende Klinik mit ihrer investiven Zukunftsplanung nun wieder am Anfang steht, bewertet der wissenschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Sebastian Czaja, eher positiv. Der alte Charité-Vorstand – Detlev Ganten, Martin Paul und Behrend Behrends – habe „große Träume zu Papier gebracht.“ Nun habe die Realität die Charité eingeholt. Eine realistische Planung sei allemal besser, als Luftschlösser zu bauen.