Interview

Wann Comedian Mario Barth keinen Spaß versteht

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Peter Beddies

Foto: Constantin

Er hat das Olympiastadion ausverkauft, er füllt im September gleich dreimal die 02 World und am Abend erlebte der erste Kinofilm "Männersache" des Komikers Mario Barth seine Premiere. Ob der Humor darin ein anderer ist als auf der Bühne und wann der Comedian nicht lustig sein kann, darüber sprach Barth mit Morgenpost Online.

Mario Barth ist ohne Frage der Komiker, oder wie man heute so gern sagt der Comedian, der Stunde. Er füllt ohne Schwierigkeiten das Olympia-Stadion. Und auch sonst sind seine Tourneen in Rekordzeit ausverkauft. Für CDs und DVDs gibt es regelmäßig Platin. Und nun kommt er gemeinsam mit Dieter Tappert ins Kino. „Männersache“ startet am Donnerstag und feierte am Abend in Berlin Premiere.

Morgenpost Online: Vor elf Jahren noch Komiker mit bescheidenem Erfolg. Heute empfangen Sie Ihre Gesprächspartner im Berliner Hotel „Ritz Carlton“.

Mario Barth: Das Hotel gehört ja nicht mir, das hat ja alles die Filmfirma organisiert.

Morgenpost Online: Da könnte man denken, dass die Phase des bodenständigen Künstlers vorbei ist und nun die Popstarphase beginnt.

Barth: Popstarphase heißt was genau?

Morgenpost Online: In Luxushotels abhängen und Goldketten tragen.

Barth: Entschuldigung aber ich trage normalerweise nur Silber. Schauen Sie mal die Kette hier. Aus Silber. Hat mir meine Freundin vor zehn Jahren geschenkt. Und erst in dieser Woche - zu unserem Jahrestag - gab es diesen Anhänger aus Weißgold.

Morgenpost Online: Ihre Karriere verlief atemberaubend: Haben Sie manchmal Probleme mitzukommen?

Barth: Nein, überhaupt nicht. Was heißt es denn, bodenständig zu sein? Man muss am Leben teilnehmen! Diese Megastars in den USA nehmen ja nicht mehr am Leben teil. Ich tue das jeden Tag. Am Leben teilnehmen heißt auch Anstehen und Warten bist Du rankommst an die Wursttheke.

Morgenpost Online: Und wenn die Fans hinter Ihnen herschleichen?

Barth: Dann tun die das halt! Und wenn sie es toll finden, dass Mario Barth Tomaten kauft, bitte. Und wenn sie sagen: „Jetzt kauft er auch noch Mozzarella – uh wie abgedreht“, dann ist das deren Sache.

Morgenpost Online: Keine Lust, denen manchmal zu sagen, dass Sie nicht immer lustig sein können?

Barth: Nein, nicht bei den Fans. Jetzt bei den Dreharbeiten wurde es manchmal zuviel. Wenn man den ganzen Tag dreht und abends und nachts sich noch die Vorschläge vom Regisseur Gernot Roll anschaut, also erst gegen Vier ins Bett kommt und am Morgen gegen Acht schon wieder beim Dreh sein muss, und wenn dann der erste Typ, den man trifft es unglaublich lustig findet, einem einen Witz zu erzählen, dann sagt man schon mal: „Sei so gut und gieß mir einen Kaffee ein und bitte such Dir jemanden, der sich darüber freut, dass Du einen Witz erzählst“.

Morgenpost Online: Filmemachen ist eine langwierige Angelegenheit. Stand-Up-Comedians sind für Spontaneität bekannt. Wie passt das zusammen?

Barth: Hervorragend. Das Projekt hat ja schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Dieter Tappert und ich kennen uns schon seit elf Jahren.

Morgenpost Online: Damals waren Sie beide noch nicht so erfolgreich.

Barth: Wir haben beide Radio-Comedy gemacht. Damals entstanden übrigens auch meine ersten Gags über Männer und Frauen. Man muss sich ja nur hinsetzen, still und leise in eine Ecke und einfach zuhören, was sich die Leute so erzählen. Fabelhaft!

Morgenpost Online: „Männersache“ soll mehr sein als nur eine Gag-Parade?

Barth: Uns ging es darum, eine Geschichte zu erzählen. Dieter und ich, wir haben uns hingesetzt und ein Drehbuch geschrieben. Das war natürlich alles viel zu lang und einige Dinge mussten noch umgeschrieben werden. Aber im Prinzip erzählen wir da unsere Geschichte.

Morgenpost Online: Wie tief sitzt der Stachel noch, dass am Anfang keiner gelacht hat über Ihre Scherze?

Barth: Solche Szenen, wie die zu Beginn des Films, wenn Paul da steht, nur wenige Leute im Raum sind und keiner lachen will, das hat es genau so gegeben. Aber nicht nur in meinem Leben. Das kennt jeder, der sich vor Leuten hinstellt und davon überzeugt ist, lustig sein zu müssen. Es dauert eine Weile, bis es klappt.

Morgenpost Online: Mit einem kurzen Umweg über Siemens, nicht den Zoohandel wie im Film gezeigt.

Barth: Es hat auch keiner gesagt, dass „Männersache“ eine Biografie ist. Wir wollten einen Film über zwei gute Freunde erzählen, von denen einer ins Comedy-Gewerbe will. Drum herum haben wir uns eine Geschichte ausgedacht, die locker an unser Leben angelehnt ist. Im Film ist Dieter auf dem Bau. Da fanden wir es nicht gut, dass auch ich noch was mit Bauen zu tun habe. Also bin ich im Zoohandel gelandet.

Morgenpost Online: Mussten Sie sich für den Film verändern, vielleicht weniger direkt sein als bei Bühnenauftritten?

Barth: Nein, gar nicht. Ich bin auch auf der Bühne nicht bösartig. Wir Berliner sind ja auch überhaupt nicht bösartig. Und das überträgt sich eben auch auf mein Publikum. Ob ich nun auf der Bühne stehe oder die Leute mich jetzt im Kino sehen, der Humor ist immer derselbe.

Morgenpost Online: Das sagen viele, aber einige Frauen werden das anders sehen.

Barth: Meinen Sie? Ich sage ja nicht, dass Frauen schlecht sind. Ich sage nur: Sie sind anders.

Morgenpost Online: Ein Gerücht sagt, Sie malen.

Barth: Stimmt!

Morgenpost Online: Dann stehen Sie allein vor der Staffelei und sind völlig still?

Barth: Ja, mit wem soll ich denn da reden? Das mache ich ja gerade, um einen Ausgleich zu haben. Ich male dann Pinguine auf dem Surfbrett zum Beispiel oder andere Sachen, die es normalerweise nicht gibt.