Bahnhof- und Theaterviertel

Karlshorst erhält neuen Ortsmittelpunkt

Karlshorst soll schöner werden - und zwar durch einen repräsentativen Platz rund um Bahnhof und Theater. Der Bezirk investiert fast 800.000 Euro, und auch die Wohnungsbaugesellschaft Howoge steckt viel Geld in das Viertel.

Das Herz von Karlshorst erhält einen urbanen Mittelpunkt. Damit wird das Zentrum des Lichtenberger Ortsteils mit einem repräsentativen Stadtplatz rund um den Bahnhof und das sanierte Theater aufgewertet. Auf der gegenüberliegenden Seite an der Treskowallee soll zugleich ein neues Kulturhaus entstehen. Baustadtrat Andreas Geisel (SPD): „An der Stolzenfelsstraße beginnen in der kommenden Woche die Arbeiten für einen Bahnhofsvorplatz.“ Seine Oberfläche wird wie echter Naturstein wirken, obwohl preisgünstige Pflastersteine mit sogenanntem Edelsplitt ausgewählt wurden. Der Bezirk investiert 800.000 Euro.

Die Neugestaltung des unmittelbar anschließenden Theatervorplatzes an der Ehrenfelsstraße wird im Zuge der Sanierung des Theaters Karlshorst von der Wohnungsbaugesellschaft Howoge finanziert. Sie ist Eigentümerin der seit 2007 leer stehenden Immobilie und wendet für die Modernisierung insgesamt 3,8 Millionen Euro auf. Die Sanierung der Fassade ist bereits abgeschlossen.

Für den künftigen Ankermieter, die Musikschule Lichtenberg, sind bereits 40 Räume in den oberen drei Stockwerken von Grund auf renoviert und mit Schallschutz versehen worden. Das Dach wurde angehoben, um größere Raumhöhen zu erreichen. Mit Beginn des neuen Schuljahres ziehen tausend Musikschüler aus den bisherigen Standorten Dolgenseestraße und Kulturhaus ein. Kulturstadträtin Katrin Framke (Linke): „Damit setzen wir ein Zeichen, dass Lichtenberg nicht wie andere Bezirke sein Musikschulangebot reduzieren wird.“

Howoge-Sprecherin Angela Reute: „Der denkmalgeschützte Theatersaal mit 650 Plätzen wird bis 2010 saniert.“ Er solle an einen privaten Betreiber vermietet werden. Geplant seien neben Theater-Aufführungen, darunter Musicals, auch Konzerte und Kino-Vorstellungen. Der Howoge war das Gebäude 1994 nach Abzug der russischen Streitkräfte übereignet worden. Die Sowjetarmee hatte es als „Haus der Offiziere“ für kulturelle Veranstaltungen genutzt, von den Karlshorstern „Russenoper“ genannt. Bis 2007 war dort ein Privattheater ansässig.

Wann das 112 Jahre alte Kulturhaus an der Treskowallee gegenüber abgerissen wird und durch einen Neubau ersetzt wird, ist derzeit unklar. Verhandlungen über den Verkauf der maroden Immobilie sind ins Stocken geraten. Der vom Bezirksamt favorisierte Investor, die Potsdamer Firma Lührs & Holst City Projekt GmbH, ist sich mit dem Berliner Liegenschaftsfonds noch nicht über den Preis einig. Dessen Sprecherin Irina Dähne sagt: „Wir müssen uns an den Verkehrswert der Immobilie halten.“ Mit diesen Zwängen habe der Kunde wohl Schwierigkeiten. Im Bezirksamt, das Teile des Neubaus als Kulturhaus weiterführen will, wird eine höhere Miete befürchtet, wenn das gesamte Projekt teurer wird. Die Stadträte Geisel und Framke wollen deshalb bis Mitte Sommer Klarheit. Eine neue Ausschreibung wird nicht mehr ausgeschlossen.