Personalwechsel

Meyer soll auf Berlins FDP-Chef Löning folgen

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Der Landesvorsitzende der Berliner FDP, Markus Löning, wird auf einem Parteitag im März nicht wieder für den Posten kandidieren. Das teilte er seinen Parteifreunden in einem Brief mit. Wie der 49-Jährige seine Entscheidung begründet, und wer Chancen auf die Nachfolge hat.

Die Berliner FDP steht vor einem Führungswechsel: Der Landesvorsitzende Markus Löning hat am Montag angekündigt, auf dem Parteitag Ende März nicht für eine neue Amtszeit zu kandidieren. „Jetzt ist es Zeit, mich neuen Herausforderungen zu stellen – beruflich und politisch“, schreibt er in einem Brief an seine Parteifreunde. Er werde weiter im FDP-Bundesvorstand bleiben und als Vizepräsident der Europäischen Liberalen tätig sein, kündigte er gegenüber Morgenpost Online an. Zudem will er eine Firma für Kommunikationsberatung gründen. Bis 2009 saß Löning für die Liberalen noch im Deutschen Bundestag.

Die FDP muss sich nun einen neuen Landeschef suchen und ist nach Informationen von Morgenpost Online auch schon fündig geworden: Christoph Meyer, der 34 Jahre alte Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, wird nach Einschätzung aus Parteikreisen auch den Landesvorsitz übernehmen. Nach den jahrelangen, kraftraubenden Kampfkandidaturen zwischen Löning und dem heutigen Bundestagsabgeordneten Martin Lindner sehnt sich die Partei nach Ruhe. Genau das hat Meyer gebracht. Die Zeit der Grabenkämpfe ist vorbei. Alles in einer Hand zu konzentrieren, habe auch den Vorteil, dass die Partei mit einem Gesicht verbunden werde, sagt ein Parteikenner. Einigen ist es aber merklich zu ruhig geworden. Meyer arbeite zwar hart und inhaltlich gut – aber zu sehr hinter den Kulissen. Er sei zu unauffällig.

Offenbar hat sich der Haushaltsexperte aber dem Wunsch einiger Parteifreunde gebeugt, die keine weiteren Kampfkandidaturen wollten. Seit Monaten war nämlich eigentlich Lars Lindemann, neuer FDP-Abgeordneter im Deutschen Bundestag, als Landeschef im Gespräch. Es drohte eine Gegenkandidatur von Lindner. Wenn Meyer jetzt als Parteichef antritt, werden die anderen beiden dafür verzichten. So lautet die Absprache.

Eine weitere Überlegung der Liberalen ist nun, dem zurückhaltenden Meyer ein scharfes Sprachrohr für FDP-Interessen in Form eines Generalsekretärs an die Seite zu stellen. Dafür müsste sich auf dem März-Parteitag allerdings eine Zwei-Drittel-Mehrheit aussprechen. Die Debatte innerhalb der Partei über diese Strategie ist dem Vernehmen nach allerdings noch nicht abgeschlossen.

Fraktionschef Meyer will bis Ende der Woche entscheiden, ob er für den Landesvorsitz kandidiert. „Ich werde diese Frage erst mit der Partei besprechen, bevor ich mich festlege“, sagte er am Dienstag

Im März 2009 hatte Löning einen Machtkampf gegen den damaligen Berliner FDP-Fraktionschef Martin Lindner verloren. 214 Delegierte einer Landeswahlversammlung stimmten damals für Lindner als Berliner Spitzenkandidaten der Liberalen auf der Bundestagsliste, nur 133 für Löning. Der Landesvorsitzende, seit 2002 im Bundestag, kehrte dorthin im Herbst 2009 nicht mehr zurück. Dennoch entschied sich Löning, im Amt zu bleiben. Dieses Votum, ihn nicht mehr für den Bundestag aufzustellen, habe er "selbstverständlich respektiert", schreibt Löning. Auf Nachfrage sagte er, bei seinem Rückzug spiele auch der Machtkampf vom vergangenen Jahr eine Rolle.

Die Kampfkandidatur Löning/Lindner war entgegen Absprachen innerhalb der Partei von Lindner provoziert worden. Ursprünglich sollte er für Platz drei kandidieren. Lindner hatte Löning bereits bei der Wahl des Parteichefs im April 2008 herausgefordert und war damals nur knapp gescheitert.

Der scheidende Vorsitzende zog in seinem Brief eine positive Bilanz seiner insgesamt 15-jährigen Zeit im Landesvorstand. „Wir sind wieder eine ernstzunehmende politische Kraft.“ Der Werbefachmann kündigte an, sich wieder selbstständig zu machen und eine Kommunikationsberatung zu gründen. „Es gibt noch andere Dinge im Leben“, sagte er.

( sz/ddp/sei )