Berlins historische Mitte

Hier werden Satellitenschüsseln verboten

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher will den Wildwuchs in Berlins historischer Mitte begrenzen. Verspiegelte Fensterscheiben, Satellitenschüsseln oder grelle Farben sollen in dem Gebiet rund um Unter den Linden künftig verboten sein. Und noch eines ist klar. Das Areal wird viel größer als ursprünglich geplant.

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Verspiegelte Fensterscheiben, durchgehende Fensterbänder, Satellitenschüsseln an der Straßenseite, grelle Fassadenfarben sowie technische Aufbauten und ausufernde Staffelgeschosse auf den Dächern soll es künftig in Berlins historischer Mitte nicht mehr geben.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat jetzt erste Details der neuen "Verordnung über die äußere Gestaltung baulicher Anlagen im historischen Zentrum Berlins" veröffentlicht. Die Gestaltungsverordnung wird heute den Fachverbänden und -kammern zur Stellungnahme zugestellt und soll Ende Mai in Kraft treten.

"Die Verordnung soll das historische Erscheinungsbild der historischen Mitte Berlins bewahren und gleichzeitig eine behutsame bauliche Weiterentwicklung ermöglichen", so die Senatsbaudirektorin zu den Zielen. Bereits bestehende Gebäude, die diese Auflagen nicht erfüllten, sind nicht betroffen: Sie genießen Bestandsschutz. "Sollten jedoch an solchen Häusern bauliche Veränderungen vorgenommen werden, dann müssen die neuen Vorgaben eingehalten werden", erläutert Lüscher.

Bereits im Sommer 2008 hatte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) den Plan zu einer Gestaltungsverordnung im historischen Zentrum angekündigt. Gegenüber dem ersten Entwurf ist der Gestaltungsbereich jetzt noch einmal enorm erweitert worden. Das Areal umfasst nun die gesamte Straße Unter den Linden ab der Kreuzung Wilhelmstraße bis zur Karl-Liebknecht-Straße, geht weit über die Museumsinsel hinaus und beinhaltet auch die Gegend um den Monbijoupark im Norden. Auch das Areal der Humboldt-Universität und der Bereich Gendarmenmarkt fast bis zur Leipziger Straße im Süden sind erfasst. Ausgeklammert ist der Bereich um den Schlossplatz mit dem Humboldt-Forum, weil dort derzeit ein eigener Bebauungsplan erstellt wird.

Bei namhaften Architekten hatte die Absicht der Senatorin, mit einem strengen Regelwerk, das selbst den Dachneigungswinkel vorschreibt, unterdessen für Empörung gesorgt hatte, weil sie "verordnete Langeweile" befürchteten. Bei der Architektenkammer Berlin hieß es gestern: "Wir haben die Unterlagen noch nicht, werden sie genau prüfen", so Präsident Klaus Meier-Hartmann.

Der Vorsitzende des Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlin (AIV), Manfred Semmer, sagte in einer ersten Stellungnahme: "Wir begrüßen die neue Gestaltungsverordnung, damit eine solch unglückliche Bebauung wie am Spreedreieck zumindest in diesem Bereich nicht mehr möglich ist."

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