Tage der offenen Tür

Leeres Neues Museum ist eine Attraktion

Drei große Museumstage in der Hauptstadt: Insgesamt haben am Wochenende 35.000 Berliner und Berlinbesucher das frisch restaurierte Neue Museum gesehen. Viele standen stundenlang Schlange, um den noch leeren Stüler-Bau zu begutachten. Jetzt wird er wieder geschlossen - bis Oktober.

„Und? Am Wochenende auch im Neuen Museum gewesen?“ Eine Frage, die an diesem Montag sicher viele Berliner hören werden. Immerhin waren es in den vergangenen drei Tagen rund 35.000 Menschen, darunter auch etliche Touristen, die den von David Chipperfield restaurierten Stüler-Bau erkunden wollten.

Wie groß das Interesse war, ließ sich am Sonntag erneut an der Länge der Schlange ablesen. Diese zog sich teilweise ganz am Alten Museum vorbei und wand sich weiter durch den Lustgarten. Dabei war das Wetter mit unangenehmem Nieselregen und Kälte ganz und gar nicht dafür gemacht, im Freien auszuharren. Trotzdem spannten die Besucher bereitwillig Schirme auf, plauderten – wenngleich auch mal mit verzogenem Gesicht –, lasen oder tranken Tee aus mitgebrachten Thermoskannen. Anderthalb Stunden – so lange standen die meisten an, bis sie sich endlich beim Rundgang aufwärmen konnten. So mancher Berlin-Besucher war extra wegen der Tage der offenen Tür an diesem Wochenende in die Stadt gekommen.

Gegner sammeln Stimmzettel

„Die Wartezeit habe ich gern in Kauf genommen“, sagte Christian Blöss. Der Kreuzberger zeigte sich sehr beeindruckt von dem, was ihn drinnen erwartete. „Das Museum war jahrzehntelang eine Ruine, ich finde, es darf Zeugnis davon ablegen. Die Kombination von alt und neu ist gelungen.“ Andere, die die Gestaltung des Museums gar nicht positiv bewerten mögen, sind die Mitglieder des Vereins Gesellschaft Historisches Berlin (GHB).

Standhaft harrten GHB-Vertreter drei Tage lang unweit der Schlange aus, um Prospekte und orangefarbene Zettel zu verteilen, mit denen die Besucher abstimmen konnten, ob sie für die „Wiederherstellung des Originals“ oder die „Konservierung der Schäden“ sind. „Wir hatten rund 10.000 Prospekte und Zettel gedruckt – jetzt haben wir nur noch etwa 600“, sagte Schatzmeister Joachim Hentschel am Nachmittag. Mit etwa 1000 Stimmzettelabgaben rechne man, bislang sei das Verhältnis noch ausgeglichen. „Von der Tendenz her finden fast alle das Treppenhaus furchtbar“, so Hentschel. Eine Feststellung, der viele, die gerade dort begeistert Fotos schossen, vermutlich vehement widersprechen würden. Aber viele Beobachter stellten fest, dass sich gerade an diesem Punkt die Geister scheiden.

„Alles lief glatt“

Die Veranstalter der Aktion „Ein erster Blick“, die 222 Tage vor der offiziellen Eröffnung des Baus stattfand, , zogen am Sonntag Abend ein rundum positives Fazit. „Heute waren noch einmal etwa 12.000 Menschen im Neuen Museum. Es gab keine Unfälle, alles lief glatt“, resümierte Christoffer Richartz, Leiter der Besucherdienste, kurz vor dem offiziellen Toresschluss um 18 Uhr. Dass die Wartezeiten am letzten Tag deutlich länger waren als am Sonnabend, habe vor allem daran gelegen, dass die Besucher sich so lange im Gebäude aufgehalten hätten.

Dort wird schon bald weitergearbeitet: Ab Anfang April wird das Museum eingeräumt. Bis Mitte Oktober sollen das Ägyptische Museum, das Museum für Vor- und Frühgeschichte sowie Teile der Antikensammlung einziehen.

In einem neuartigen Ausstellungskonzept werden dann die verschiedenen Sammlungen nicht streng voneinander getrennt präsentiert, sie sollen vielmehr gemeinsam einen Blick in die Ursprünge der Menschheitsgeschichte bieten. 222 Tage noch – dann wird das Neue Museum mit Sicherheit den nächsten Besucheransturm erleben.