Erdbeben

Haitianer bangen gemeinsam in Berlin

Ihre früheren Wohnhäuser und die ihrer Familien sind zusammengestürzt wie Kartenhäuser, zu ihren Verwandten haben sie keinen Kontakt. Rund 400 Haitianer bangen in Deutschland um ihre Angehörigen und Freunde im Erdbebengebiet. In Berlin versammeln sie sich in der Botschaft.

Joss Batista (32) aus Haiti lebt in Berlin. Er weiß nicht, wie es seinen Verwandten geht. Sein Bruder, seine Tante, sein Onkel – er weiß nicht, ob sie noch leben oder beim Erdbeben in Haiti umgekommen sind. Er hofft auf Hilfe und Information in der Botschaft seines Landes in Berlin. Von dort aus konnte er zunächst seine Familie per Telefon nicht erreichen, weil das Telefonnetz zusammengebrochen ist. Handys haben seine Verwandten nicht.

Der Reiseverkehrskaufmann sitzt seit den frühen Morgenstunden in der Botschaft Haitis in der Uhlandstraße in Berlin-Charlottenburg und wartet auf Neuigkeiten. Zahlreiche Haitianer haben sich hier versammelt. Im Laufe des Tages werden nach Angaben eines Sprechers noch mehr Landsleute erwartet. Die Menschen versuchen, zu Verwandten in Haiti Kontakt aufzunehmen und leisten sich gegenseitig Beistand. In Deutschland leben laut Botschaft etwa 400 Haitianer, 20 davon in Berlin.

Botschaftsrat Patrick Saint-Hilaire ist zutiefst betroffen. „Der Bischof Serge Miot war ein guter Freund von mir. Ich kann nicht glauben, dass er tot ist“, sagt er traurig. Zur Regierung habe die Botschaft noch keinen Kontakt aufnehmen können. „Das Wichtigste ist, dass man die Menschen in Sicherheit bringt und sie medizinisch und mit Lebensmitteln versorgt.“ Botschafter Jean-Robert Saget soll am Nachmittag von einem Termin aus Frankfurt/Main nach Berlin zurückkommen. „Wir werden gemeinsam versuchen, unsere Partner und Nichtregierungsorganisationen zur Hilfe zu mobilisieren“, sagte Botschaftsrat Saint-Hilaire.

„Es ist die Hölle“, sagt Batista, der in der Nacht auf Mittwoch schon schlief, als ihn ein Bekannter anrief und von der Katastrophe berichtete. „Ich habe den Fernseher angemacht und konnte es nicht fassen.“ Am nächsten Tag ging Batista trotzdem gewohnt zur Arbeit: „Das Leben muss weitergehen.“ Er lebt seit acht Jahren in Deutschland und hat mit einer Afrikanerin ein einjähriges Kind. Früher lebte er in Port-au-Prince „Vielleicht ist mein ehemaliges Wohnhaus wie ein Kartenhäuschen zusammengeklappt, ich weiß es einfach nicht.“

atista plante schon vor dem Erdbeben, im Februar in sein Heimatland zu fliegen, das er seit vier Jahren nicht mehr besucht hat. Jetzt möchte er seine Pläne umso dringender verwirklichen. „Ich will unbedingt helfen.“ Dafür möchte Batista bis zu zwei Monate bleiben.