Deutschlandpremiere

Hilde - Heike Makatsch überzeugt, der Film nicht

Deutschlandpremiere für "Hilde" in Essen - Freunde und Tochter von Hildegard Knef sind von der schauspielerischen Leistung von Hauptdarstellerin Heike Makatschs begeistert. Warum die Hommage an die Berliner Diva trotzdem enttäuscht.

Standing Ovations für Heike Makatsch. Die Zuschauer in der Lichtburg Essen, Deutschlands größtem Filmpalast, zeigten sich Mittwochabend zur Deutschlandpremiere des Films „Hilde“ begeistert von der schauspielerischen Darstellung der Makatsch als Hildegard Knef.

Auch Knef-Tochter Christina Gardiner, aus der Ehe der Filmdiva mit dem britischen Regisseur David Cameron, lobte die Berliner Schauspielerin und fand die Wahl von Dan Stevens, der Cameron spielt, ausnehmend gut getroffen. Er ähnele ihrem Vater sehr, wenn er auch nicht so gut aussehe, sagte die in den USA lebende 40-Jährige.

Zur Welturaufführung der filmischen Hommage an ihre Mutter, während der Berlinale im Friedrichstadtpalast, konnte Christina Gardiner nicht kommen. Jetzt ist sie für ein paar Tage in Deutschland. Am vergangenen Sonntag sah sie „Hilde“ (startet am 12. März bundesweit im Kino) erstmals – in Berlin, als Vorbereitung für ihren Besuch in der Talkshow von Reinhold Beckmann. Danach traf sich „Tinta“ mit dem Berliner Autor und Maler Axel Andree, über 23 Jahre lang einer der engsten Freunde und Berater der Knef, der einst auch zwei Bücher über und mit Hilde geschrieben hat und sie bis zu ihrem Tod im Februar 2002 durchs Lebens begleitete.

„Die Makatsch ist sehr gut. Aber mit einem künstlerisch guten, wissenden Regisseur hätte sie in der Rolle oscarreif werden können“, sagt Andree. „Bis in kleinste Bewegungen der Hand oder des Mundes stellt sie Hilde so fantastisch echt dar, dass ich mich manchmal kneifen musste und mich fragte: Ist es Hilde oder Heike?“

Doch glücklich ist Axel Andree mit dem Film über seine Freundin Knef überhaupt nicht. „Das Ergebnis wird Hilde nicht gerecht. Man muss ihr kein Denkmal setzen, das hat sie bereits selbst getan. Aber die Bedeutung dieser Frau, ihre Wirkung, ihre Einzigartigkeit hätte der Film transportieren müssen.“ Menschen, die Hilde Knef nicht mehr gekannt haben, besonders die jüngeren Generationen, würden sich am Ende des Films fragen: Was war denn bloß so besonders an dieser Frau? Warum widmet man der einen Film? „Es macht mich sehr traurig, dass nicht klar wird, warum Hilde so berühmt war, was sie im Innersten bewegte“, berichtet Andree weiter.

Der Streifen hake eine Lebenssituation nach der anderen ab, zum Teil chronologisch richtig, teilweise aber auch fehlerhaft. „So hat Hilde das Lied ‚Für mich soll's rote Rosen regnen' nicht 1966 geschrieben und gesungen, sondern erst zwei Jahre später.“ Überhaupt sei es ihm unverständlich, dass man dieses Lied im Film Heike Makatsch singen lässt. „Heike trifft beim Singen den Ton von Hilde nicht, das Jazzfeeling, diese Zärtlichkeit im Unterton – die kann sie nicht kopieren. Es klingt fremd.“

Außerdem dürfe genau dieser Titel von keinem anderen gesungen werden. „Es ist ein so persönliches Bekenntnis der Knef über ihr Leben. Darin erzählt sie, was sie wollte, was sie anstrebte, wer sie war. Wenigstens dieses Lied hätte man im Originalton verwenden müssen. Das hätte dem Film Würde gegeben.“

Knef-Witwer Paul von Schell, der bei der Entstehung des Films als Berater involviert war und dafür auch bezahlt wurde, ist mit dem Ergebnis zufrieden. Dass Makatsch beim Singen überhaupt nicht wie die Knef klingt, störe ihn nicht. Dafür gleiche ihre Stimme beim Sprechen der der Knef erschütternd genau.

Schell, der seit 1977 mit Hildegard Knef verheiratet war, ist wieder neu verliebt. Über die 45-jährige Gabriele Runge an der Seite des Witwers freuen sich auch Axel Andree und Knefs Tochter Christina. „Ich bin mir sicher, Hilde hat von der Wolke ein bisschen mitgeschoben, damit die beiden sich kennenlernen. Sie ist zauberhaft“, sagt Andree. „Und Christina hat gesagt, sieben Jahre Warten ist genug. Mama kommt nicht zurück.“

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