Prozess

Mutter wegen Kindesmisshandlung verurteilt

Eine 22-jährige Berlinerin hat ihre viereinhalb Monate alte Tochter lebensgefährlich verletzt. Dafür wurde die Frau nun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Das vergleichsweise milde Urteil fällten die Richter, weil sie in der Frau eine eigentlich liebevolle, aber überforderte Mutter sahen.

Weil sie ihrem erst wenige Wochen alten Baby lebensgefährliche Verletzungen zugefügt hat, ist eine 22 Jahre alte Frau am Mittwoch vom Amtsgericht Tiergarten wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte die aus Polen stammende Frau, die nach der Tat viereinhalb Monate in Untersuchungshaft saß, ursprünglich wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen angeklagt. Den vergleichsweise glimpflichen Ausgang verdankt die Angeklagte Umständen, von denen sich einige vor allem für ihr Kind als überaus glücklich erwiesen haben.

Die Angeklagte Monika K. hat vor dem Jugendschöffengericht wie schon zuvor bei der Polizei gestanden, ihre im Juni geborene Tochter Viktoria mehrfach „heftig geschüttelt“ und ihr zudem einmal ins Gesicht geschlagen zu haben. Nach Anhörung mehrerer Zeugen und Sachverständigen wertete das Gericht dies als „Augenblicksversagen“ einer ansonsten liebevollen Mutter. Die Tat sei kein Ausdruck roher Gefühlskälte, sondern die Folge schlichter Überforderung der 22-Jährigen, erklärte die Vorsitzende Richterin in ihrer Urteilsbegründung.

Ungeachtet dessen hätten die Taten der Mutter verheerende Folgen für die kleine Viktoria haben können. Als Monika K. das Mädchen Ende August gemeinsam mit einer Familienhelferin in ein Krankenhaus brachte, diagnostizierten die Ärzte einen Rippenbruch, Kratzspuren im Gesicht und Symptome von schweren inneren Verletzungen und Hirnblutungen. Die Polizei wurde eingeschaltet, Monika K. festgenommen. Gleichzeitig entschlossen sich die Ärzte zu einer sofortigen Notoperation. Ohne die hätte das Kind die Verletzungen nicht überlebt, erklärte eine medizinische Sachverständige im Prozess.

Aber auch nach der Operation konnten die Ärzte keine Entwarnung geben. Lange Zeit mussten irreparable Spätfolgen der Verletzungen bis hin zur Erblindung befürchtet werden. Erst vor wenigen Wochen gaben die Mediziner Entwarnung. Der Zustand des Mädchens, das inzwischen in einer Pflegefamilie lebt, hat sich zum Glück erheblich gebessert.

Drama trotz intensiver Betreuung

Der Prozess gegen Monika K. zeigte nicht nur die klassischen Zustände und Situationen auf, unter denen es immer wieder zu solch unfassbaren Taten kommt. Er machte auch deutlich, dass selbst das engmaschigste Betreuungs- und Kontrollnetz der Behörden solche Vorfälle nicht verhindern kann.

Viktoria kam als sogenanntes Frühchen zur Welt, blieb wochenlang im Brutkasten. Beim Krankenhauspersonal kam schnell die Sorge auf, die Mutter könne mit der Betreuung des Säuglings überfordert sein. Das Jugendamt wurde eingeschaltet. Als Mutter und Kind schließlich das Krankenhaus verlassen konnten, war für eine umfassende Betreuung gesorgt.

Familienhelfer kümmerten sich täglich um Monika K. und ihre Tochter, es gab regelmäßige Termine zu Kontrolluntersuchungen beim Kinderarzt. Anfangs kamen die Sozialarbeiter gleich zweimal am Tag, häufig auch unangemeldet zu Kontrollen. Und immer bot sich ihnen in der Wohnung in Reinickendorf, in der Monika K. mit Tochter und Kindsvater lebte, das gleiche Bild: eine liebevolle Mutter und ein fürsorglicher Vater, die sich rührend um die Kleine kümmerten, immer eifrig bemüht, alles richtig zu machen.

„Ich hatte manchmal das Gefühle, dass da schon zu viel Harmonie war“, sagte ein Sozialarbeiter vor Gericht. Sein Gefühl trog ihn nicht. Später, als Viktoria bereits im Krankenhaus um ihr Leben kämpfte und Monika K. in Untersuchungshaft saß, kam heraus, dass die heile Welt nur Fassade war. Der Kindsvater war regelmäßig betrunken und schlug dann häufig auf seine Lebensgefährtin ein. Außerdem stand der kleinen Familie wegen Mietschulden die Zwangsräumung der Wohnung bevor.

Im Prozess beteuerte Monika K., sie bereue die Taten, liebe ihre Tochter und wolle sie unbedingt zurück. Sie könne zum Stand des Sorgerechtsverfahrens nichts sagen, entgegnete ihr die Richterin: „Aber ich wage nicht, Ihnen da sehr viel Hoffnung zu machen.“