Nahverkehr

Fahrgastverband fordert Konsequenzen bei S-Bahn

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Nach dem Fehlstart der Berliner S-Bahn am Montag fordert der Fahrgastverband nun Sofortmaßnahmen: So sollten durch den Nord-Süd-Tunnel wieder S-Bahn-Ersatzzüge fahren und die BVG der S-Bahn von Osten nach Westen auf der Strecke der U 5 aushelfen. Ende des Monats will die S-Bahn den Zeitrahmen bis zum Normalbetrieb verkünden.

Der Fahrgastverband Igeb hat eine Reihe von Sofortmaßnahmen gegen das Chaos bei der Berliner S-Bahn gefordert. Igeb-Chef Christfried Tschepe zeigte sich „entsetzt“, dass statt der angekündigten Entlastung erneut zahlreiche Züge ausfielen. Nachbesserungen seien unter anderem beim gestarteten Ergänzungsverkehr mit Regionalzügen auf der Stadtbahn nötig. Das Angebot mit vier Zügen pro Stunde und Richtung sei zwar „erfreulich“, so Tschepe, der Fahrplan aber „unsinnig“, weil die Entlastungszüge meist wenige Minuten nach dem regulären Regionalexpress fahren.

Auch durch den Nord-Süd-Tunnel der Fernbahn sollten wieder S-Bahn-Ersatzzüge fahren, fordert der Fahrgastverband. Die sogenannte S 21 zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Südkreuz hatte sich bereits bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bewährt und war während der S-Bahn-Krise im Sommer reaktiviert worden.

Zudem, so Tschepe, könne die S-Bahn bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) zusätzliche Fahrten auf der Linie U 5 bestellen, um die Ausfälle im Ost-West-Verkehr auszugleichen. In Richtung Alexanderplatz sollten die Züge nach den Igeb-Vorschlägen tagsüber alle vier Minuten fahren. Derzeit gilt ein Fünf-Minuten-Takt. Für die Abendstunden schlägt der Fahrgastverband statt eines Zehn-Minuten-Takts einen Fünf-Minuten-Takt vor.

BVG-Sprecherin Petra Reetz betonte, dass das landeseigene Unternehmen bei Bedarf den Verkehr verstärken könne. Allerdings sei auch bei der U-Bahn die Zahl der Züge und Fahrer begrenzt. Und, so Reetz: „Zahlen müsste laut Verkehrsvertrag erst einmal das Land.“

Dass weitere Regionalzüge als Ersatz für die S-Bahn eingesetzt werden können, hält die Bahn für unwahrscheinlich. „Fahrzeuge sind leider nicht unendlich verfügbar“, sagte ein Sprecher. Bereits die seit dem Wochenstart fahrenden Ergänzungszüge seien aus dem gesamten Bundesgebiet ausgeliehen.

Die Bahn will Ende Januar ihren Fahrplan für die Rückkehr zum Normalbetrieb verkünden. Zu den Plänen gehört die Wiedereröffnung der S-Bahn-Werkstatt Friedrichsfelde – der Probebetrieb soll bereits im Januar starten – ebenso wie die Reaktivierung von 20 bereits ausgemusterten Zwei-Wagen-Einheiten aus DDR-Produktion.

Ankündigungen wie diese reichen den Verkehrsexperten von CDU und Grünen im Abgeordnetenhaus aber nicht aus. Wegen der anhaltenden Krise forderte Oliver Friederici (CDU) weitere Entschädigungen für die Fahrgäste. Stammkunden sollten einen weiteren Monat kostenlos fahren können, Einzelfahrscheine dauerhaft als Tagesticket gelten, so Friederici. Eine dauerhafte Fahrpreissenkung insbesondere für Abo-Kunden forderte auch Claudia Hämmerling (Grüne). Zudem müsse der Senat eine rasche Ausschreibung des S-Bahn-Netzes vorantreiben. „Mit der dauerhaften Vertragsbindung an die S-Bahn leistet der Senat Profitgier und Schlamperei bei der Bahn Vorschub“, so Hämmerling.

Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) will sich am Donnerstag zur Zukunft der S-Bahn äußern. Der Verkehrsvertrag mit der Deutschen Bahn läuft noch bis 2017, an eine vorzeitige Kündigung ist nicht gedacht. Für die Zeit danach werden intern zwei Modelle diskutiert. Das Land könnte das Netz in Teilstrecken oder komplett neu ausschreiben oder den Betrieb selbst übernehmen, etwa durch die landeseigene BVG. „Noch ist keine Entscheidung gefallen“, hieß es jetzt aus Senatskreisen.