Denkmalschutz

Experten bereiten Sanierung der Siegessäule vor

Der Berliner Siegessäule steht eine umfasende Schönheitskur bevor. Mit Hebekränen untersuchten Fachleute die Schäden an dem Denkmal. Im Herbst soll dann die Sanierung beginnen. Auch die Tunnel und Torhäuser werden in die Arbeiten mit einbezogen. Und die Goldelse bekommt neues Edelmetall.

Das berühmte Wahrzeichen der Stadt steht vor einer umfassenden Schönheitskur. In diesen Tagen nehmen Architekt Steffen Obermann und seine Mitarbeiter die Siegessäule am Großen Stern unter die Lupe, registrieren Schäden und Ablagerungen. Der gesamte Platz und seine Umgebung sind in die kommende Sanierung einbezogen.

„Wir sehen uns den Zustand der vier Torhäuser und der zwei Fußgängertunnel an, die Umfassungsmauer und die Denkmäler an der Nordseite des Platzes“, erläutert der Architekt. Eine Hubbühne, die bis 100 Meter reicht, bringt die Fachleute bis auf Augenhöhe mit der Goldelse. Die Siegessäule ist 1865 bis 1873 auf dem früheren Königsplatz errichtet und 1938/39 an den Großen Stern versetzt worden.

Große Schäden, die etwa die Standfestigkeit beeinträchtigen, hat das Bauwerk nicht. „Ziel der Sanierung ist, dass das Erscheinungsbild der Anlage besser wird“, sagt Obermann. „Denn bei Festen, Fanmeilen und Sportveranstaltungen steht die Siegessäule im Blickpunkt.“ Die Kosten für die Arbeiten sind auf insgesamt 3,5 Millionen Euro veranschlagt und werden zum größten Teil aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe zur Förderung der regionalen Wirtschaft bezahlt.

Goldelse bekommt neues Gold

Die Arbeiten sollen im Herbst 2009 beginnen und zwei Jahre dauern. Die Tunnel unter dem Platz, jetzt düster und ein wenig Angst einflößend, bekommen eine hellere Beleuchtung. Ihre Wände sollen freundlicher gestaltet werden.

Auf dem wuchtigen Unterbau der Siegessäule, der aus rotem Granit besteht, hat sich Kalk abgelagert. Er soll entfernt werden. Die Bronzereliefs an den vier Seiten des Sockels und das Mosaik in der Säulenhalle seien im Wesentlichen intakt, sagt Steffen Obermann. Der Sandsteinschaft der Säule soll behutsam gereinigt werden. Wann das Wahrzeichen eingerüstet wird, steht noch nicht genau fest. „Ende 2009 oder Anfang 2010“, vermutet der Architekt. Werden Werbeplakate aufgehängt? Oder wird vielleicht das Bild der Siegessäule auf dem Gerüst zu sehen sein? „Wir prüfen mehrere Möglichkeiten“, sagt ein Mitarbeiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Offensichtlich ist, dass die „Goldelse“ an vielen Stellen die Schicht des Edelmetalls verloren hat und nur noch die helle Grundierung zu sehen ist. Friedrich Drake hatte die Bronzeskulptur geschaffen. Sie stellt Viktoria mit Lorbeerkranz, adlergeschmücktem Helm und Feldzeichen mit Eisernem Kreuz dar. Die mehr als acht Meter hohe und 35 Tonnen schwere Figur soll neu vergoldet werden. Das wird dem Architekten zufolge hoch oben, an ihrem Standort geschehen. Auch die Kanonenrohre am Schaft der Säule, die aus drei Kriegen stammen, brauchen eine neue Goldschicht.

Im Inneren des Schaftes führt die Wendeltreppe mit 285 Stufen zur Plattform unter der Goldelse. Graffiti zieht sich bis ganz nach oben an den Wänden entlang. Es soll entfernt werden. Am Geländer ist die Farbe abgeplatzt, stattdessen macht sich Rost breit. Ein neuer Anstrich muss her. Viel zu tun ist auch auf dem Platz rings um die Säule. Gebrochene Stufen werden ersetzt, verrutschte Platten gerichtet. Heute sehen sich Architekt Steffen Obermann und ein Metallrestaurator die Denkmäler von Bismarck, Roon und Moltke am nördlichen Rand des Großen Sterns genauer an. „Die Patina soll weg, die Verwerfungen im Plattenbelag ringsum werden behoben.“

Verkehr fließt ungehindert von Bauarbeiten

In welcher zeitlichen Reihenfolge die Arbeiten ausgeführt werden, steht noch nicht fest. Fachleute aus bis zu 15 Gewerken werden voraussichtlich benötigt. Der Verkehr am Großen Stern werde nicht beeinträchtigt, sagt Steffen Obermann.

Er gehört dem Berliner Büro für Architektur, Denkmalpflege und Bauforschung an. Das Büro hatte 2004 bis 2006 die Restaurierung der Gebäudehülle des Französischen Doms am Gendarmenmarkt in Mitte geleitet. Dabei seien die vorgesehenen Kosten sogar unterschritten worden, sagt Obermann.