Kriminalität

Berliner Polizist vor Sparkasse niedergestochen

Im Berliner Bezirk Reinickendorf ist ein Polizist niedergestochen worden. Der Beamte außer Dienst wurde vor einer Sparkasse von mindestens einem Täter angegriffen und schwer verletzt. Dem Notarzt konnte er noch Informationen über die Täter geben.

Die Residenzstraße ist eine der wichtigsten Geschäftsstraßen in Reinickendorf. Sonntagnacht hat dort ein Gewalttäter kurz nach 4 Uhr vor der Sparkasse mit einem Messer auf den Polizisten Detlef P., der zuvor Geld abgehoben haben soll, eingestochen. Der Unbekannte traf den 47-Jährigen ins Herz.

Sekunden vorher hatte der Täter, der nach Informationen von Morgenpost Online von türkisch- oder arabischstämmigen Komplizen begleitet wurde, von dem Polizisten Geld verlangt. Der Polizeioberkommissar sackte schwer verletzt auf dem Gehweg zusammen. Er blutete stark, rote Flecken verteilten sich auf der gefrorenen Schneedecke vor der Sparkasse an der Residenzstraße 117. Die Angreifer suchten das Weite, ob sie überhaupt Beute machten, blieb zunächst unklar. Trotz akuter Lebensgefahr schaffte es Detlef P. noch, einen Notruf abzusetzen.

Der Polizeioberkommissar wurde in die Charité Campus Rudolf Virchow in Wedding eingeliefert und dort erstversorgt. Noch am Vormittag wurde der Patient verlegt. Ärzte des Deutschen Herzzentrums in Wedding kämpften um das Leben des Mannes. Lange war nicht klar, ob er seine schweren Verletzungen überlebt. Am Sonntagmittag befürchtete das OP-Team schon das Schlimmste: Auch der zweite Lungenflügel kollabierte. Doch die Spezialisten scheinen dem 47-Jährigen in einer mehrstündigen Operation das Leben gerettet zu haben. Wie Morgenpost Online erfuhr, durften am Nachmittag bereits Angehörige zu dem Polizeibeamten. Die Sprecherin des Herzzentrums, Barbara Nickolaus, erklärte: „Der Patient wird weiter auf der Intensivstation versorgt und ist noch nicht bei Bewusstsein.“ Die Operation sei zufriedenstellend verlaufen. Am Sonntagabend schwebte er nicht mehr in Lebensgefahr, war aber noch nicht ansprechbar.

Unterdessen laufen die Ermittlungen der 5. Mordkommission auf Hochtouren. Der 47-Jährige wohnt seit vielen Jahren nur wenige Querstraßen nördlich vom Ort des Raubüberfalls entfernt. Detlef P. ist geschieden und Vater von zwei Söhnen und einer Tochter, berichteten schockierte Nachbarn. Der Oberkommissar hatte bis 1978 die Thomas-Mann-Oberschule am Königshorster Weg im Märkischen Viertel besucht. In dem Stadtviertel wohnen die Eltern des Polizisten noch heute. Sie bangen wie auch Detlefs neun Jahre jüngere Schwester Daniela um das Leben des Polizeioberkommissars.

Ungutes Gefühl, am Automaten Geld zu holen

Der Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Klaus Eisenreich, sagte, er sei sehr erschüttert über den Vorfall. Er hoffe, dass der Kollege dies überlebe. „So zynisch es auch klingen mag: Taten wie diese haben wir vorausgesagt“, so Eisenreich weiter. Der Personalabbau bei der Polizei habe zur Folge, dass trotz des großen Engagements der Beamten nachts nicht mehr genug Streifenwagen unterwegs seien. Straftäter hätten dadurch eine gute Chance, unentdeckt zu bleiben.

Am Sonntagmittag war der SB-Bereich der Sparkassenfiliale an der Residenzstraße 117 schon wieder gut besucht. Viele Kunden gingen, ohne zuvor ihre EC-Karte durchziehen zu müssen, in den Vorraum des Geldinstituts, zogen Geld oder Kontoauszüge. Einige hatten bereits von dem Gewaltverbrechen an dem Polizisten gehört. Andere plagt ohnehin ein ungutes Gefühl, wenn sie Bargeld am Automaten abheben. Manuela Wesner, Bäckereiverkäuferin aus Reinickendorf, sagte: „Ich gehe nicht allein zur Bank, um Geld zu holen.“ Auch am Sonntag war ihr Partner Eberhard Jung mitgekommen, als sie in der Sparkasse Geld abhob. Sie habe immer so ein „ungutes Gefühl“ in solchen Situationen.

Sparkassenkunde Wolfgang Tyroller erinnerte sich, dass früher Sicherheitskräfte vor dem Geldinstitut standen, auch an den Wochenenden. Da habe er sich sicherer gefühlt. Sparkassen-Kundin Sabine Jedamski ist es sogar „ein bisschen unheimlich“, wenn sie an der Residenzstraße Geld abhebt. Sie wohnt in Reinickendorf, arbeitet aber in Prenzlauer Berg als Friseurin und geht lieber an ihrer Arbeitsstätte Geld abheben. Die Lage in dem Reinickendorfer Kiez nahe der U-Bahn-Station Franz-Neumann-Platz habe sich in den vergangenen zwei Jahren verschärft, sagte sie. Ein älteres Ehepaar hatte auch bereits von dem Gewaltverbrechen an Detlef P. erfahren. Es holte am Sonntag nur die Kontoauszüge ab. Bargeld hebt das Paar nur ab, wenn die Schalter geöffnet haben.

Der 15 Jahre alte Realschüler Ali El-Daher zeigte sich entsetzt über die Gewalttat. „Man sticht keinen Mann ab“, sagte der Jugendliche. Er sei in Berlin geboren, praktiziere Kampfsport und habe gelernt, außerhalb des Sportturniers keinen Menschen anzugreifen.

Zur Aufklärung des Falls bittet die Polizei um Mithilfe. Sie fragt, wer Verdächtiges in der Zeit zwischen 4.10 und 4.30 Uhr im Bereich der Residenzstraße beobachtet hat. Hinweise nehmen die 5. Mordkommission des Landeskriminalamts unter der Telefonnummer 4664/911502 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.