Arbeitskampf

Warnstreiks legen Berlins Flughäfen komplett lahm

| Lesedauer: 4 Minuten
Das Video konnte nicht gefunden werden.

Streiks legen Berliner Flughäfen lahm

Wegen eines mehrstündigen Streiks des Bodenpersonals sind auf den beiden Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel dutzende Flüge ausgefallen oder verschoben worden.

Video: media
Beschreibung anzeigen

Nichts ging mehr auf den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld am Morgen. Die Feuerwehr streikte - ohne sie dürfen Flugzeuge nicht starten. Tausende Reisende saßen fest - ohne Entschädigung. In ganz Deutschland ist weiter mit Behinderungen im Flugverkehr zu rechnen. Gewerkschaft und Arbeitsgeber verhandeln nun wieder.

Ein Warnstreik des Bodenpersonals hat am Dienstagmorgen den Flugverkehr von und nach Berlin komplett lahmgelegt. Weil sich auch die Beschäftigten der Feuerwehr beteiligten, mussten auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld von 6 bis 9.30 Uhr alle Starts und Landungen ausgesetzt werden. Dadurch fielen 56 Flüge aus, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Betroffen waren Tausende Passagiere.

Laut Gewerkschaft beteiligten sich an dem Warnstreik unter anderem Mitarbeiter der Flughafenfeuerwehr und -verwaltung, Spezialgerätefahrer sowie Sicherheitspersonal. 150 Streikende waren es jeweils in Tegel und Schönefeld.

Fluggesellschaften wie die Lufthansa oder Air France hatten wegen des Tarifkonflikts bereits am Vortag Passagiere auf spätere Maschinen umgebucht oder Flüge zusammengelegt. Wenige Minuten vor Beginn der regulären Flugbetriebs um 6 Uhr seien noch fünf Flugzeuge mit einer Sondergenehmigung zu Drehkreuzen wie Frankfurt und Amsterdam gestartet, weil die Passagiere sonst ihre Anschlussflüge verpasst hätten. Ohne Feuerwehr darf nicht gestartet und gelandet werden.

Nach Angaben der Flughafengesellschaft ist davon auszugehen, dass es auch nach Ende des Streiks noch einige Zeit dauern wird, bis sich der Flugbetrieb normalisiert. Nach Wiederaufnahme des Flugbetriebs sollen am Vormittag zunächst eine Reihe von Maschinen starten, die schon seit dem frühen Morgen in Warteposition standen. Wegen des Rückstaus sei damit zu rechnen, dass sich der Flugbetrieb erst am Abend wieder normalisiere, sagte der Sprecher der Berliner Flughäfen, Ralf Kunkel. Der Warnstreik wirkt sich bundesweit aus, weil die ausgefallenen Maschinen zunächst auch als Rückflugkapazität an anderer Stelle fehlen.

Bei den ausgefallenen Flügen handelte es sich vor allem um innerdeutsche Reisen, aber auch innereuropäische. So wurden Flüge nach Stuttgart, München, Zweibrücken, Köln/Bonn, Frankfurt (Main), Karlsruhe, Münster/Osnabrück und Nürnberg sowie Paris, London, Mailand, Stockholm, Wien, Zürich und Brüssel gestrichen.

Ver.di-Verhandlungsführer Holger Rößler, sagte dem Sender N24 zu den Folgen für die Fluggäste: „Wir hätten es ebenfalls gerne anders. Wir machen es ja nicht aus Jux und Dollerei hier, sondern es ist wirklich bitterernst. Leider haben die Berliner Flughäfen uns trotz des letzten Warnstreiks kein verbessertes Angebot vorgelegt, deswegen mussten wir dem heute noch einmal Nachdruck verleihen.“

Es ist bereits der zweite Warnstreik in diesem Monat im Rahmen des Tarifkonflikts bei den Berliner Flughäfen. Am 12. Februar hatte es jeweils zweistündige Arbeitsniederlegungen in Tegel und Schönefeld gegeben. Damals waren aber nur 18 Flüge ausgefallen.

Die Gewerkschaft Ver.di will mit den Warnstreiks Druck für ihre Forderung von acht Prozent mehr Geld für die insgesamt 1500 Beschäftigten bei den Berliner Flughäfen machen. Die Flughafengesellschaft bietet ein Plus von 2,6 Prozent sowie 1250 Euro Einmalzahlung an. Am Dienstagnachmittag wird nun zum fünften Mal verhandelt. Kunkel sagte dem Nachrichtensender N24, Ver.di dürfe nicht stur an der Forderung nach acht Prozent mehr Lohn festhalten, sondern müsse sich bewegen. In einer Zeit, „in der die gesamte Weltwirtschaft abschmiert, da sind acht Prozent jenseits der Vorstellungen“.

Passagiere können für Ausfälle oder Verspätungen wegen des Warnstreiks nach Expertenangaben keine Entschädigungen beanspruchen. Die Fluggesellschaften seien von der Haftung befreit, wenn nicht ihre eigenen Mitarbeiter in den Ausstand träten, sagte die juristische Leiterin der Schlichtungsstelle Mobilität, Birgit Zandke-Schaffhäuser. Bei mehr als fünf Stunden Wartezeit oder Flug-Annullierung könnten Passagiere von der Reise zurücktreten und bekämen das Geld zurück. Wer dennoch fliegen wolle, müsse sich auf andere Verbindungen umbuchen lassen.

Infos zu aktuellen Starts und Landungen finden Sie auf der Internetseite der Berliner Flughäfen.

( dpa/sh )