Juwelenraub

KaDeWe-Zwillinge zu schlicht für Einbruchsplanung

Die Ermittlungen im Fall des KaDeWe-Einbruchs in Berlin gestalten sich schwierig. Denn die gefundenen DNA-Spuren sind den beiden Verdächtigen nur schwer zuzuordnen: Hassan und Abbas O. sind eineiige Zwillinge, deren Erbgut fast identisch ist. Die Suche nach den eigentlichen Drahtziehern laufen auf Hochtouren.

Die Ankunft des zweiten „KaDeWe-Zwillings“ in Berlin lässt auf sich warten. Während Hassan O. bereits am Dienstagmittag per Gefangenentransporter in die Haftanstalt Moabit gebracht wurde, kann sich die Einlieferung seines Bruders Abbas nach Angaben eines Justizsprechers noch um einige Tage verzögern. Dabei warten Staatsanwaltschaft und Polizei in der Hauptstadt schon sehnsüchtig darauf, die mutmaßlichen KaDeWe-Einbrecher vom 25. Januar beide hier zu haben. Denn vor den Ermittlern liegt bei der Aufklärung des spektakulären Coups noch viel Arbeit.

Vor allen Dingen müssen sie die Frage klären, ob es sich bei den Brüdern um eineiige Zwillinge handelt. Sollte dies der Fall sein – und vieles spricht dafür – könnten die Ermittler ein Problem bekommen. Denn die Spur, die zu den Verdächtigen führte, war eine so genannte DNA-Spur, ein Schweißfleck in einem am Tatort von den Tätern zurückgelassenen Handschuh. Die müsste jetzt einem der beiden Brüder zugeordnet werden, bei eineiigen Zwillingen ein äußerst kompliziertes und aufwendiges Verfahren, da diese über nahezu identische Erbanlagen verfügen.

"Wir können nicht einfach sagen, einer der beiden war es, nach deutschem Recht muss jedem Täter seine Tatbeteiligung detailliert nachgewiesen werden“, erklärte ein Beamter. Das Problem dabei: Das Verfahren, mit dem die Erbanlagen eineiiger Zwillinge unterschieden werden können, ist nicht nur aufwendig, sondern relativ neu und gilt als noch nicht ausgereift. Und vor allem seien Teile dieses Verfahrens als Beweismittel vor deutschen Gerichten momentan noch nicht zugelassen“, erklärte Wissenschaftler des Rechtsmedizinischen Institutes der Charite.

Berichte, wonach eine Überführung und damit letztlich auch eine Verurteilung der beiden Tatverdächtigen an diesen Problemen scheitern könnte, bezeichnete der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald wiederholt als Spekulationen. Die Ermittler sind in der Tat durchaus zuversichtlich. Nach Informationen der Berliner Morgenpost, wurde bei der Durchsuchung der Wohnungen beider Brüder weiteres Beweismaterial sichergestellt. Was die Ermittler in einzelnen gegen Abbas und Hassan O. in der Hand haben, dazu wollte sich Grunwald nicht äußern, stellte allerdings fest: „Dem Ermittlungsrichter reichte es zum Erlass eines Haftbefehls“.

Beute bereits verloren?

Hassan und Abbas O. (beide 27) wurden in der vergangenen Woche in einem Lokal im niedersächsischen Rotenburg (Wümme) festgenommen. Hassan O. lebt dort mit seinen Eltern und weiteren Geschwistern. Sein Bruder Abbas wohnte zuletzt mit seiner Familie in Gifhorn, nahe Wolfsburg. Die beiden Libanesen, beide bereits polizeibekannt, wurden danach in die Haftanstalt Lüneburg gebracht und werden seither strikt voneinander getrennt, um jede Verwechselungsgefahr auszuschließen. Das galt und gilt auch für den Transport nach Berlin.

Die Vorsorgemaßnahme hat gute Gründe. Denn nach Erkenntnissen der Ermittler haben die Zwillinge in der Vergangenheit schon öfters die Rollen getauscht, unter anderem bei Behördenterminen. In einem Fall sollen sich die Zwillinge auch die gemeinnützige Arbeit, zu der einer der Brüder verurteilt worden war, geteilt haben.

Die Berliner Ermittler konzentrieren sich allerdings nicht nur auf die Zwillinge. Sie vermuten, dass die als nicht übermäßig intelligent eingeschätzten Brüder nur „ausführende Organe“ waren, wie es ein Ermittler beschrieb. „Das Ding im KaDeWe war eine Nummer zu groß, als dass das auf deren Mist gewachsen ist“, so der Beamte. Die Suche nach dem dritten und entscheidenden Mittäter, dem Kopf des ganzen Unternehmens läuft weiter auf Hochtouren.

Gesucht wird auch noch nach der Beute, Schmuck und Uhren im Wert von mehreren Millionen Euro. Ein Branchenkenner äußerte gestern gegenüber dieser Zeitung allerdings die Befürchtung, der aus den Vitrinen der Juwelier-Christ-Filiale im KaDeWe gestohlene Schmuck könne längst eingeschmolzen und damit unwiederbringlich verloren sein.