Kriminalität

Mann sticht in Friedenau wahllos auf Passanten ein

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Michael Behrendt, Axel Lier und Steffen Pletl

Vier Menschen wurden in der Friedenauer Rheinstraße von einem Unbekannten verletzt. Er lief die Straße entlang und stach wahllos auf Menschen ein. Auch dem 54-jährigen Heinrich H. rammte er etwas Spitzes in die Schulter. Morgenpost Online sprach mit dem Opfer.

Heinrich H. hatte damals fassungslos vor dem Fernseher gesessen, als die Bilder des erst 16 Jahre alten Amokläufers während der Eröffnung des Hauptbahnhofes gezeigt wurden. 41 Menschen war von dem jungen Mann mit einem Messer zum Teil schwer verletzt worden. „Hoffentlich stößt mir niemals so etwas zu“, dachte der 54-jährige Hauswart damals. „Hoffentlich bleibt mit so etwas erspart.“ Am Dienstagabend allerdings sollte Heinrich H. nun selbst zum Opfer werden – ein bislang unbekannter Mann hat ihn vor einem Buchladen an der Rheinstraße in Friedenau mit einem spitzen Gegenstand niedergestochen, insgesamt registrierte die Polizei vier Fälle zwischen 18.40 und 19 Uhr. Die Ermittler setzen bei der Suche nach dem Mann auf Hinweise aus der Bevölkerung.

„Ich hatte mich gegen 18.45 Uhr gerade auf dem Heimweg befunden und kurz an einem Buchladen gestoppt, um mir die Auslage anzuschauen“, berichtet der Hauswart. Plötzlich spürte er einen heftigen Schlag im Rücken, drehte sich um und sah einen Mann weglaufen. „Ich fasste mir ans Schulterblatt und hatte sofort Blut an den Fingern. Meine um die Ecke wohnende Schwester brachte mich ins Krankenhaus, wo eine Stichverletzung diagnostiziert wurde.“ Einen Tag später verspürt der 54-jährige immer noch starke Schmerzen und hat Probleme, sich zu bewegen. Zudem quälen ihn Ängste. „Ich fühle mich verfolgt. Ferner haben mir die Ärzte geraten, mich auf Hepatitis untersuchen zu lassen.“

Heinrich H. sollte nicht das einzige Opfer des Unbekannten an diesem Abend bleiben. Die Polizei konnte rekonstruieren, dass sich ein etwa 20 Jahre alte Mann von der Schloßstraße kommend auf der rechten Gehwegseite der Rheinstraße Richtung Innsbrucker Platz bewegt und wahllos auf Passanten eingestochen hatte. So erhielt eine 38-Jährige gegen 18.40 Uhr einen Stich in den Rücken sowie eine 41-Jährige gegen 19 Uhr einen in den Unterbauch. Alle Verletzungen konnten glücklicherweise ambulant behandelt werden. Später stellte sich heraus, dass noch eine weitere Passantin an einer Bushaltestelle Höhe der Hausnummer 68 angegriffen worden war, die sich bislang noch nicht bei der Polizei gemeldet hat.

Die Ermittler können weder eine Raubabsicht noch eine Vorbeziehung zwischen Opfern und Täter erkennen. Der schlanke Mann ist etwa 1,70 Meter groß und hat kurze, an den Seiten abrasierte Haare und war mit einer glänzenden Steppjacke mit dem Aufdruck „Dockers“ oder „Picaldi“ und schwarzer Jeans bekleidet. Hinweise nimmt die Polizei unter Tel. 4664-472510 entgegen.

Im Jahr 2006 hatte der alkoholisierte Jugendliche Mike P. während der Eröffnungsfeierlichkeiten des Hauptbahnhofes am 26. Mai 41 Menschen niedergestochen. Eines der Opfer war mit HIV infiziert. Lange Zeit bestand große Sorge, dass andere deshalb ebenfalls mit der unheilbaren Krankheit angesteckt wurden. Mitte März 2007 wurde Mike P. von der großen Strafkammer des Landgerichts zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft war zu Prozessbeginn – neben den Körperverletzungstaten – vom Vorwurf des 37-fachen heimtückischen Mordversuches ausgegangen. Der Richter sprach in seinem Urteil, dass es dem Jugendlichen auf die Demonstration von „Macht und Überlegenheit“ angekommen wäre.