Razzia

Berliner Polizei sucht in Spandau Cannabis-Plantage

Die Ermittler hatten in dem Gebäude am Zitadellenweg eine Groß-Cannabis-Plantage vermutet. Doch die Halle war leer. Immerhin wurden drei Männer und eine Frau festgenommen. Jetzt wird geprüft, warum keine Pflanzen gefunden wurden. Zunächst wurde vermutet, die Razzia sei verraten worden.

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Die Polizei hat eine Halle in Spandau gestürmt - dort vermuteten Ermittler eine Drogenplantage. Doch davon war nicht mehr viel übrig. Die Halle war geräumt, die Razzia wurde offenbar verraten.

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Beamte des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft haben am Donnerstag in den Morgenstunden in Haselhorst eine Drogenrazzia durchgeführt, weil sie dort eine Groß-Cannabis-Plantage vermuteten. Zwar wurden insgesamt vier Personen festgenommen und eine scharfe Schusswaffe sichergestellt, die erhoffte Beschlagnahmung der Pflanzen blieb allerdings aus – die Halle am Zitadellenweg war leer.

Einer der Ermittler sagte, es sei denkbar, dass die Täter die Pflanzen bereits geerntet hatten. Es wird zudem geprüft, ob sich die Bande eventuell beobachtet gefühlt und deswegen alle Drogenpflanzen abtransportiert hatte. Dass es möglicherweise vor der Razzia einen Hinweis an die Haupttäter gab, sei anhand der Situation am Tatort eher unwahrscheinlich, aber dennoch nicht ganz auszuschließen.

Weil die Täter als bewaffnet und gefährlich galten, hatten gegen 7.40 Uhr zahlreiche Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) das Gebäude gestürmt und dabei auch eine Tür aufgesprengt. Menschen kamen nicht zu Schaden, drei Deutsche im Alter von 31, 38 und 44 Jahren wurden im Gebäude, eine 32 Jahre alte Frau gleichzeitig in ihrer Privatwohnung festgenommen. Ein Großaufgebot von Bereitschaftspolizisten sicherte das Areal und die angrenzenden Straßen, zwei Bootsbesatzungen der Wasserschutzpolizei sicherten zudem die Ufer der angrenzenden Havel, um eine mögliche Flucht der Täter zu verhindern.

Drogen-Pflanzen verschwunden

Kurz darauf übernahmen die Beamten des Drogendezernats den Tatort und durchsuchten auch mit Hunden die knapp 300 Quadratmeter große Lagerhalle. Statt der erwarteten Cannabis-Plantage konnten die Ermittler lediglich verschiedene Utensilien für das Betreiben einer solchen Anlage sichern. So befanden sich in dem Raum zahlreiche Blumenkästen und Tische, Dünger und Gerätschaften zum Wässern beziehungsweise zum Belüften. Diese Gegenstände wurden unter anderem auf Fingerabdrücke untersucht. Einige dieser Dinge waren in Kartons zum Abtransport bereitgestellt. Wie lange das Fortschaffen der Drogen zurückliegt, ist noch unklar. „Es ist denkbar, dass die Täter ohnehin abernten wollten und die Pflanzen vor zwei Tagen noch dort gewesen sind“, so ein Beamter. An einen zunächst vermuteten Verrat aus den eigenen Reihen wollte der Ermittler nicht mehr glauben.

Fühlten Täter sich beobachtet?

„Alle eingesetzten Kräfte haben viel Energie und Aufwand in die Vorbereitungen dieser Polizeiaktion gesteckt. Wahrscheinlicher ist dann eher, dass irgendein Spaziergänger auf die Plantagen-Betreiber wie ein Zivilbeamter wirkte und sie deshalb in Panik gerieten.“ Gegen einen Verrat aus Polizeikreisen spreche auch der Umstand, dass die mutmaßlichen Haupttäter noch an der „Stelle ihres Wirkens“ angetroffen wurden.

Gegen die drei Männer und die Lebensgefährtin eines von ihnen wird nun wegen Betreibens einer Drogenplantage ermittelt. Die Polizei ist sich sicher, durch die Festnahmen in Kürze auch den Ort zu erfahren, an dem die Drogen nun aufbewahrt werden oder an wen sie verkauft wurden.

Ob seitens der Staatsanwaltschaft Haftbefehle beantragt werden sollen, war bislang noch unklar. Die Ermittlungen dauern an.