Nach Prügelattacke

Überfallener Lehrer hat in seiner Schule Angst

Der 58-jährige stellvertretende Schulleiter der Gottfried-Kinkel-Schule in Berlin-Spandau war am Dienstag in seinem Büro von einem Schüler und zwei Männern angegriffen und verprügelt worden. Zwei Tage später war der Pädagoge wieder in der Schule - und hat nach 35 Berufsjahren zum ersten Mal Angst.

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In der Spandauer Wilhelmstadt ist der stellvertretende Direktor der Gottfried-Kinkel-Oberschule geschlagen worden. Grund: Der Pädagoge hatte einen 14-Jährigen wegen Beleidigung für drei Tage vom Unterricht ausgeschlossen. Die Polizei ermittelt.

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Der nach Schülerangaben beliebte Pädagoge Horst F. unterrichtet an der Gottfried-Kinkel-Oberschule in Berlin-Spandau Mathe, Sport und Chemie. Am Dienstagvormittag hatten ihn ein Jugendlicher und zwei Männer in seinem Büro zusammengeschlagen. Mehrere Schüler waren dem Lehrer zu Hilfe geeilt, sie konnten die Schläger vertreiben. Der 58-Jährige musste sich in einem Krankenhaus behandeln lassen.

Nach Angaben der "Bild"-Zeitung war der Pädagoge, der seit 35 Jahren in dem Beruf arbeitet und auch stellvertretender Direktor an der Spandauer Schule ist, am Donnerstag, zwei Tage nach dem Überfall, wieder in seinem Büro. „Ich war in der Schule, es war anders“, sagte er. „Die Sicherheit war weg. Ich hatte Angst.“ Er wisse nicht, wie es nach dieser brutalen Attacke mit ihm weitergehen solle. Er habe eigentlich erst in zwei Jahren aufhören wollen.

Horst F. soll nach einer Herz-Operation zu 50 Prozent schwerbehindert sein. Bei dem Überfall bekam er wieder Herzprobleme, heißt es. „Das muss ich jetzt psychisch verarbeiten. So etwas steckt man nicht einfach so weg.“

Nach Angaben der "Bild"-Zeitung hat Horst F. die Prügel-Attacke seinen Vorgesetzten schriftlich erläutert. Darüber reden wolle er nicht mehr: „Ich habe Angst vor der Familie und einem Racheakt.“

Der stellvertretende Direktor hatte vor der Tat einen 14-jährigen Schüler für drei Tage von der Schulpflicht suspendiert. Der Schüler hatte eine Lehrerin beleidigt. Der Jugendliche rief daraufhin zwei Verwandte (18 und 19 Jahre alt) herbei, die den Pädagogen verprügelten. Die Kriminalpolizei ermittelt jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Hausfriedensbruchs. Die Tatverdächtigen wurden von der Polizei befragt, äußerten sich nach Angaben eines Polizeisprechers aber nicht zu dem Fall. Nach Feststellung der Personalien wurden sie entlassen.

Die Schulkonferenz soll Mitte Januar entscheiden, ob der Jugendliche die Schule weiter besuchen kann. So lange bleibt der 14-Jährige suspendiert. „Wir wollen, dass unser Sohn auf der Schule bleibt“, sagte der Vater der "Bild"-Zeitung. „Wir finden es nicht gut, dass er die Jungs gerufen hat. Doch er hat uns gesagt, dass der Lehrer ihn zuvor in den Hintern getreten hätte.“ Dieser Vorwurf soll jetzt geklärt werden.