Interview

Adlon-Besitzer Jagdfeld rechnet mit Kempinski ab

| Lesedauer: 6 Minuten
Norbert Schwaldt

Anno August Jagdfeld hat mit seiner Fundus-Gruppe das Hotel Adlon aufgebaut und das Grand Hotel in Heiligendamm. Dort hat sich nun die Kempinski-Gruppe als Betreiber Knall auf Fall verabschiedet. Im Interview mit Morgenpost Online spricht Jagdfeld von Vertragsbruch, Image-Schädigung und ungenutztem Potenzial im Adlon.

Die Namen Kempinski und Jagdfeld haben einen guten Klang in Berlin und darüber hinaus. Jagdfelds Fundus-Gruppe hat das legendäre Hotel Adlon am Pariser Platz neu aufgebaut, die Kempinski AG betreibt es. Nun hat sich die Kempinski-Gruppe mit großem Knall aus dem Ostseebad Heiligendamm verabschiedet, einem anderen Jagdfeld-Projekt. Man kommuniziert über Anwälte. Über die Pläne für das Grand Hotel im Seebad und das Berliner Hotel Adlon spricht Morgenpost Online mit Unternehmer Anno August Jagdfeld, dessen Firma die Nobelherberge in Heiligendamm jetzt selbst betreiben will.

Morgenpost Online: Herr Jagdfeld, dass man sich nach einer turbulenten Ehe trennt, ist nicht ungewöhnlich. Jetzt sollen Gerichte angebliche Vertragsbrüche klären. Warum dieser schlechte Stil?

Anno August Jagdfeld: Das ist allein Sache der Kempinski-Gruppe. Die hat einseitig, ohne Fristen einzuhalten, den Betreibervertrag für das Grand Hotel in Heiligendamm gekündigt und nicht wir. Im Ergebnis begrüßen wir für die Eigentümer die Trennung von Kempinski. Ohne Kempinski kann es nur besser werden.

Morgenpost Online: Es ist ja kein Geheimnis, dass Heiligendamm bislang nur ein Zuschussgeschäft ist. Ist das allein die Schuld der Kempinski-Gruppe?

Anno August Jagdfeld: Jein, wir hätten viel eher die Reißleine ziehen sollen. Unsere Objektgesellschaft hat sechs Jahre darauf gewartet, dass Kempinski die Auslastung verbessert, und dass unsere Fondsanleger endlich mal eine Rendite sehen. Das Fass ist aber zum Überlaufen gekommen, als die Kempinski-Manager zuletzt behaupteten, sie seien doch erfolgreich und wollten das Hotel weiter „so erfolgreich“ führen. Das hatte mir dann doch die Sprache verschlagen. Wenn unsere Zimmer in Tchibo-Filialen verramscht werden, ist das eine massive Image-Schädigung. Kempinski hat gerade mal eine Auslastung von 40 Prozent mit Vollzahlern geschafft. Vergleichbare Häuser bringen es mühelos auf 75 bis 85 Prozent.

Morgenpost Online: Haben sie mal daran gedacht, Heiligendamm zu verkaufen?

Anno August Jagdfeld: Heiligendamm ist ein langfristiges Engagement. Ein Verkauf wäre zur Unzeit.

Morgenpost Online: Bisher hat Ihr Prestige-Projekt nur Verluste eingefahren. Wie wollen sie den Betrieb und die notwendigen Investitionen finanzieren?

Anno August Jagdfeld: Die Gesellschafter haben mit einer Zustimmung von 80 Prozent Anfang Dezember eine Kapitalerhöhung über 41 Millionen Euro beschlossen. Bis zum 15. Januar hatten die Altgesellschafter die Möglichkeit, diese neuen Anteile an dem Heiligendammfonds zu zeichnen. Sechs Millionen Euro sind bereits gezeichnet.

Morgenpost Online: Das reicht doch aber noch lange nicht aus.

Anno August Jagdfeld: Ich bin zuversichtlich, dass wir die restlichen 35 Millionen platzieren – von Vermögensverwaltungen, Versicherungen, Stiftungen und betuchten Anlegern im Rahmen eines Private Placements.

Morgenpost Online: Da müssen Sie aber schon etwas mehr bieten als Versprechungen.

Anno August Jagdfeld: Wir bieten immerhin eine bevorrechtigte Verzinsung von sieben Prozent auf das eingezahlte Kapital für 15 Jahre. Sollte diese Rendite in einem Jahr mal nicht erwirtschaftet werden, wird sie nachgezahlt. Die Mindestbeteiligung pro Anteil beträgt 250.000 Euro. Dazu gibt es auch noch zehn freie Übernachtungen pro Anteil im Jahr. Zinsen und Kapitalerhalt sind also garantiert. Und dann sind die Anteile bei Schenkungen und Vererbung auch noch steuerfrei nach dem neuen Erbschaftsteuergesetz.

Morgenpost Online: Und wofür wollen Sie das frische Kapital ausgeben?

Anno August Jagdfeld: Die Hälfte geht in die Tilgung aufgelaufener Schulden. Die anderen 20 Millionen Euro wollen wir für Investitionen nutzen.

Morgenpost Online: Etwa für ein Thalasso- und Aryuveda-Zentrum, das Kempinski gefordert hatte?

Anno August Jagdfeld: Allein dafür braucht man schon 40 Millionen Euro. Das kommt später.

Morgenpost Online: Wie wollen Sie Heiligendamm jetzt aber attraktiver machen, damit mehr Gäste kommen?

Anno August Jagdfeld: Wir haben die Defizite erkannt. Der Wellnessbereich soll verdoppelt werden. Zudem sollen zwei Außenschwimmbäder entstehen. Es wird ein Sportzentrum gebaut, Tennisplätze, ein Fußball- und Bolzplatz sowie ein Schaugarten. Wir schaffen zudem ein völlig neues Kulturmanagement. Das gehört nun mal zu einem Ferienhotel. Zu den vier bestehenden Restaurants kommen noch drei weitere hinzu und zwar ein asiatisches, eines für Organic Food und ein Kinderrestaurant.

Morgenpost Online: Und der Zaun, kommt der mal weg?

Anno August Jagdfeld: Nein, der ist für das Hotel lebensnotwendig. Als ein freier Zugang zum gesamten Gelände möglich war, kamen 4000 Tagestouristen. Deshalb sind viele Hotelgäste ausgeblieben.

Morgenpost Online: Und wie läuft es beim Berliner Adlon? Wie kommen Sie da mit Kempinski zurecht?

Anno August Jagdfeld: Die Ergebnisse sind besser in Berlin. Hier gibt es Verträge bis zum Jahr 2016. In Stadthotels hat Kempinski die bessere Expertise als in Ferienhotels. Kempinski betreibt nach dem Verlust des Managements in Bad Saarow, Binz und jetzt Heiligendamm keine Ferienhotels mehr in Deutschland.

Morgenpost Online: Wie ist denn die Auslastung im Adlon und wie die Ertragslage?

Anno August Jagdfeld: Die Auslastung liegt bei cirka 55 Prozent , und Kempinski verdient gerade die Miete von ungefähr zwölf Millionen Euro im Jahr. Leider nicht mehr. Einen Überschuss über die zwölf Millionen Euro hinaus teilen sich Mieter und Vermieter je zur Hälfte. Darauf warten wir seit zehn Jahren. Das Adlon hat ein deutlich größeres Potenzial.

Morgenpost Online: Nach dem Krach in Heiligendamm kann man sich nicht so richtig vorstellen, dass jetzt Frieden herrscht.

Anno August Jagdfeld: Schauen wir mal. Wir halten uns jedenfalls an die Verträge.