Preisverleihung

Die Goldene Kamera - Preisträger feiern im Privaten

Es gab keine rauschende Gala - aber strahlende Gewinner wie eh und je bei der Verleihung der Goldenen Kamera. Anja Kling und Christian Berkel wurden als beste Schauspieler national ausgezeichnet. Auch Hollywoodgrößen waren wieder unter den Preisträgern.

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Am Mittwoch wurde im Axel-Springer-Haus im Rahmen einer Pressekonferenz zum 44. Mal die Goldene Kamera verliehen. Der Film- und Fernsehpreis von Hörzu ehrt Schauspieler, Musiker und Journalisten.

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Dafür hat sie gern ihren geplanten Skiurlaub abgesagt: Schauspielerin Anja Kling (38) wurde am Mittwoch als „Beste Schauspielerin National“ mit der Goldenen Kamera der TV-Zeitschrift „Hörzu“ im Berliner Verlagshaus der Axel Springer AG geehrt. Damit konnte sich Kling bei der Jury gegen die ebenfalls nominierten Claudia Michelsen und Jördis Triebel durchsetzen. Bei den männlichen Darstellern gewann der Berliner Christian Berkel (51). Er setze sich gegen die TV-Kollegen Klaus J. Behrendt und Mehmet Kurtulus durch. Mittwochvormittag wurden die Preisträger der diesjährigen 44. Goldenen Kamera offiziell in Berlin bekannt gegeben. „Verstehen Sie Spaß?“-Moderator Frank Elstner führte durch die Veranstaltung. Er hat die Auszeichnung übrigens mehrfach bekommen, so in den 70er-Jahren für die Show „Montagsmaler" und später für „Wetten, dass?“.

Anja Kling, die bereits 1995 als beste Nachwuchsdarstellerin die „Lilli Palmer & Curd Jürgens Gedächtniskamera“ gewann (das Preisgeld wird von den Jürgens-Erben und Mercedes-Benz zur Verfügung gestellt), freut sich jetzt über ihre zweite Auszeichnung; sozusagen die Goldene Kamera für Große, für die etablierten Darsteller.

Jury-Mitglied Ben Becker habe „ganz doll mit den Armen gewunken“, als über ihre schauspielerische Leistung in „Wir sind das Volk“ gesprochen wurde. Ihre „realistische, bodenständige Art in Verbindung mit dem Glanz einer Hollywood-Prinzessin“ sei einfach schön. Becker in der auf einer Leinwand gezeigten, eingespielten Laudatio: „Das klingt ein bisschen kitschig, macht aber nichts, da ich es wirklich so empfinde. Wann immer man zuschaut – du faszinierst!“

Anja Kling reagierte gerührt: „Die Goldene Kamera ist nicht nur ein wichtiger Preis, sie ist vor allem auch die Anerkennung meiner Arbeit. Und schön ist die Auszeichnung auch noch.“ Gefeiert wurde bei Klings bei einem Mittagessen mit der ganzen Familie, „nur meine Schwester Gerit konnte leider nicht mit dabei sein, sie dreht momentan außerhalb von Berlin.“

Christian Berkel hatte die Jury durch seine Darstellung als „Helmut Schmidt“ in dem Entführungsdrama „Mogadischu“ tief beeindruckt. „Wer Helmut Schmidt kopiert, landet im Kabarett“, sagt Berkel über die Schwierigkeit dieser Rolle des Altkanzlers. Jury-Mitglied Markus Trebitsch: „Berkel steht für Kontinuität. Auch, was sein Publikum angeht. Immer häufiger für internationale Produktionen gebucht, ist Berkel keiner, der Oberwasser bekommt, seine Sachen packt und nach Amerika geht. Er weiß, wohin er gehört. Seine Einsätze als ‚Kriminalist’ im ZDF zeugen davon“, lobte Trebitsch.

In Dieter Wedels „Affäre Semmeling“ haben Kling und Berkel übrigens schon einmal zusammen vor der Kamera gestanden.

"Wir freuen uns die Platze"

ZDF-Moderatorin Maybrit Illner, die in der Kategorie „Beste Information“ mit ihrem Talk vor „Hart, aber fair“ (ARD) und „Menschen bei Maischberger“ (ZDF) das Rennen um die Goldene Kamera machte, sagte: „Wir freuen uns die Platze.“ Mit „wir“ ist ihr zwölfköpfiges Team gemeint. Der Preis sei für sie so etwas, „wie der dritte Michelin-Stern für einen Chefkoch.“

Jury-Mitglied Maria von Welser über Maybrit Illner: „Bevor sie sich mit Haut und Haar dem Polittalk im Fernsehen verschrieb, kickte die kleine Maybrit am liebsten Fußbälle gegen die Wand, stand später voller Leidenschaft mit dem Mikrofon auf dem Sportplatz. All dies könnte der Grund sein, warum die Talks bei Maybrit Illner stets so durch und durch zielorientiert und fair verlaufen. Jeder kommt zu Wort.“

Olli Dittrich, Sieger in der Kategorie „Beste Unterhaltung“, erzählte, dass er nicht immer so erfolgreich war. „Ich hatte auch viel Misserfolg. Das gehört dazu.“ Wer sich über seine Auszeichnung ebenfalls sehr freute: Jury-Mitglied Hugo Egon Balder: „Olli ist ein brillanter Comedian, das wussten wir gleich, als wir ihn 1993 ins Team von ,RTL Samstag Nacht’ holten.“

Verständnis für Gala-Absage

„Mogadischu“-Mitproduzent Nico Hofmann (hat gerade eine Grippe überstanden) ist stolz, dass das ARD-Drama um die Entführung der „Landshut“ als „Bester Fernsehfilm“ gewann. „Dieser Preis ist sehr wertvoll.“

Zwar gehören auch in diesem Jahr Hollywood-Stars zu den Gewinnern der Goldenen Kamera – wie Meryl Streep, Daniel Craig, Clint Eastwood und „Dr. House“-Darsteller Hugh Laurie – doch die Preisträger wurden lediglich in Einspielungen mit dem „Hörzu“-Chefredakteur Thomas Garms präsentiert, sie kamen nicht persönlich nach Berlin.

Die sonst übliche Gala wurde in diesem Jahr wegen der Finanzkrise aus Kostengründen abgesagt. Anja Kling: „Diese Entscheidung ist gut nachvollziehbar. Wenn dadurch auch nur ein Arbeitsplatz erhalten wird, ist sie um so wichtiger.“ Ähnlich äußerte sich Maybrit Illner.

Und Moderator Frank Elstner ist sogar froh darüber: „Ich gehe sehr ungern über den roten Teppich und muss nun auch keinen Smoking anziehen.“ Dann fügte er etwas ernster hinzu: „Wichtig ist nicht das Fest. Das Wichtige ist, dass die Richtigen ausgezeichnet werden.“