Betriebsstörungen

Chaos bei der Berliner S-Bahn hat ein Nachspiel

Wegen der zahlreichen Ausfälle und Störungen muss sich der Geschäftsführer der S-Bahn nun vor dem Berliner Abgeordnetenhaus verantworten. Kritiker werfen der S-Bahn vor, nicht das extreme Wetter sei an den Problemen schuld, sondern deren Sparpolitik. Jetzt droht sogar die Kündigung des Verkehrsvertrags. Dann könnte das Land Berlin den Bahnverkehr neu ausschreiben.

Die zahlreichen Zugausfälle und Verspätungen bei der Berliner S-Bahn während des Kälteeinbruchs Anfang Januar haben an diesem Montag ein parlamentarisches Nachspiel. Der Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses hat S-Bahn-Geschäftsführer Tobias Heinemann zu einer Anhörung geladen. Die Abgeordneten wollen von dem Manager wissen, wie er Störungen dieses Ausmaßes künftig verhindern will.

Die Parlamentarier wollen sich auch darüber informieren, ob und in welchem Umfang der Senat eine Vertragsstrafe bei der Bahn durchsetzen sollte. Vereinzelt sind bereits Forderungen laut geworden, den bis Ende 2017 laufenden Verkehrsvertrag mit der S-Bahn vorzeitig zu kündigen und den Bahnverkehr neu auszuschreiben.

Derzeit überweist der Senat pro Jahr der S-Bahn einen Betriebszuschuss von rund 225 Millionen Euro. Bei ausgefallenen Fahrten oder mangelnder Pünktlichkeit hat die S-Bahn keinen Anspruch mehr auf die vollen Zuschüsse des Landes.

Die S-Bahn hatte sich wegen der tagelangen Betriebsstörungen teilweise scharfe Kritik anhören müssen. Die Grünen sahen den Grund für die „Chaostage“ nicht in arktischen Temperaturen, sondern in aufgebrauchten Reserven. Durch Sparpolitik für den Börsengang des Mutterkonzerns Deutsche Bahn sei die S-Bahn an ihre Substanz gegangen. Zurückgestellte Investitionen, Instandhaltungs- und Wartungsmängel machen den Betrieb aus Sicht der Grünen anfällig. Auch die verkehrspolitische Sprecherin der Linkspartei, Jutta Matuschek, vertrat die Einschätzung, die S-Bahn habe mehr Personal gespart und mehr Züge verschrotten lassen, als vertretbar sei. Der Frost habe die Situation nur zugespitzt.

Die Bahn hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und allein extreme Wetterbedingungen mit Temperaturen von um die minus 20 Grad für ihre Probleme verantwortlich gemacht. Aber bereits im vergangenen Herbst hatte die S-Bahn mit teils erheblicher Unpünktlichkeit zu kämpfen.

Heinemann räumte Ende 2008 ein, dass die Bahntochter den Verkehrsvertrag zeitweise nicht habe erfüllen können. Der Manager verwies auf ein Bündel von Gründen. Dazu hätten technische Ursachen wie etwa Weichendefekte und Bauarbeiten, aber auch Mängel in Betriebsabläufen gehört.

Als Problemfeld kam hinzu, dass bei allen Zügen der hauptsächlich gefahrenen Baureihe 481 die Achsen überprüft werden mussten. Die Achsen sind aus einem ähnlichen Stahl gefertigt wie die der ICE-Züge mit Neigetechnik, an denen feine Risse entdeckt worden waren. Heinemann entschuldigte sich damals für die Unpünktlichkeit und versprach: „Die Geschäftsführung will gegensteuern.“