Technische Probleme

Chaos bei der S-Bahn - trotz Vorwarnung

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Thomas Fülling

Wenn es sehr kalt wird, bekommt die S-Bahn Probleme, immer wieder - was den ganzen Fahrplan durcheinander bringen kann. Schwierigkeiten macht ein kleiner Schalter, der mitunter einfriert. Genau davor aber sei die Geschäftsführung gewarnt worden, heißt es bei S-Bahn-Mitarbeitern.

Die vielen Störungen zum Wintereinbruch bei der Berliner S-Bahn waren aus Sicht von S-Bahn-Mitarbeitern keine Fügung unglücklicher Umstände, sondern „Chaos mit Ansage“. Bereits Mitte Dezember haben nach Informationen von Morgenpost Online Mitarbeiter die Geschäftsführung des Unternehmens vor gravierenden Rückständen bei der Instandhaltung und der Wartung der Züge gewarnt.

Grund dafür, so ein Beschäftigter, der aus Furcht vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will, sei der erhebliche Personalabbau in den Betriebswerkstätten in den vergangenen Jahren. Die Mitarbeiterzahl habe sich von einst rund 900 auf inzwischen noch 480 fast halbiert. Gleichzeitig habe es aber von der Geschäftsführung viele zusätzliche Arbeitsaufträge an den Werkstattbereich gegeben, die nur auf Kosten der laufenden Instandhaltung der Züge abgearbeitet werden könnten.

Auf einer Betriebsversammlung am 11. Dezember, so der Mann gegenüber Morgenpost Online, sei etwa von Werkstattmitarbeitern ausdrücklich auf den unzureichenden Wartungszustand der Fahrsperren hingewiesen worden. Diese mechanische Einrichtung sorgt für eine automatische Bremsung, falls ein S-Bahn-Zugführer einmal ein Haltesignal übersieht und mit seinem Zug weiterfährt. Funktioniert diese Einrichtung nicht, darf der Zug nicht schneller als 40 Kilometer pro Stunde fahren. Üblich sind bei der S-Bahn jedoch Strecken-Geschwindigkeiten von 60 bis 80 Stundenkilometern. Muss aber nur ein Zug langsamer fahren, etwa weil die Fahrsperre nicht funktioniert, kann schnell der gesamte Fahrplan aus dem Lot geraten.

Ein kleiner Schalter an der Fahrsperre hat laut S-Bahn-Geschäftsführer Ulrich Thon Schuld an den vielen Problemen. Der elektrische Schalter sei an den extrem kalten Tagen oft vereist und festgefroren, schreibt Thon in der S-Bahn-Kundenzeitung „Punkt 3“. Doch dass der Schalter funktioniert, sei für den ordnungsgemäßen Betrieb eines Zuges erforderlich, so Thon weiter. Bereits im Winter 2005/06 seien diese Störungen aufgetreten, und es seien Maßnahmen eingeleitet worden, um eine Wiederholung auszuschließen. Nun kündigte der S-Bahn-Technikchef an, eine geänderte Konstruktion prüfen zu lassen.

Aus den Werkstätten der S-Bahn ist dagegen zu hören, dass die Fahrsperren einfach schlechter als zuvor gewartet werden: „Früher wurden die Fahrsperren aufwendig mit Graphitfett behandelt, damit sie nicht einfrieren. Dafür ist heute keine Zeit mehr.“ Ein weiteres Problem während der kalten Tage waren die Türen der S-Bahn-Wagen, die sich nicht öffnen ließen, weil sie eingefroren waren. Auch hierfür, heißt es bei Mitarbeitern der Werkstätten, sei Verschleiß aufgrund mangelnder Wartung der Hauptursache.