Musik-Szene

Das wird 2009 der Sound von Berlin

Berlin ist nach wie vor die Musikhauptstadt Deutschlands. Neben etablierten Gruppen wie den Ärzten oder Wir sind Helden gibt es eine große unabhängige Szene, die den Sound der Stadt immer neu erfindet. Nach der Ära von Techno und Electro ist der Trend klar: Musik wird wieder handgemacht. Morgenpost Online verrät Ihnen, auf welche Bands Sie in diesem Jahr hören sollten.

Foto: bonaparte / Bonaparte

"In Berlin gibt es neben uns eigentlich keine Band, die elektronische Musik komplett live spielt", sagt Bassist Marcin Öz von der Band The Whitest Boy Alive. "Dabei ist die Stunde der Laptop-Acts doch echt vorbei." Vielen Clubgängern ist er noch aus "Cookies"-Zeiten als DJ Highfish in Erinnerung, doch seit 2003 spielt er in dem Quartett, das nun im Februar sein zweites Album "Rules" herausbringt.

The Whitest Boy Alive machen Songs zum Mitsummen und Tanzen: Pop-Perlen, die nach Electro klingen, jedoch gibt es bei der Band gar keine Laptops und DJ-Pulte, sondern nur handgespielte Musik.

Seit fast zwei Jahren hat sich die beliebte Gruppe jedoch auf keiner Berliner Bühne mehr gezeigt - an mangelnden Angeboten hat es nicht gelegen. "Wir haben einfach viel zu großen Respekt vor unserer Heimatstadt. Uns umschleicht immer das Gefühl, hier etwas ganz Besonderes abliefern zu müssen, und das macht uns irgendwie nervös", erzählt Marcin Öz. Doch mit der Herumdrückerei ist nun Schluss, denn im April werden The Whitest Boy Alive wieder zu sehen sein.

Berlin ist nach wie vor die Musikhauptstadt Deutschlands - vielleicht sogar der ganzen Welt. Künstler aus aller Herren Länder ziehen an die Spree, teils wegen der niedrigen Lebenshaltungskosten, die es ihnen ermöglichen, sich auf ihre Kunst zu konzentrieren, aber auch wegen des innovativen Nachtlebens, das sie inspiriert. Neben etablierten Gruppen wie den Ärzten oder Wir sind Helden gibt es eine große unabhängige Szene, die den Sound der Stadt immer neu erfindet und in die Welt hinausträgt. Dabei kann man für dieses Jahr zwei Trends herauslesen: Nach den Jahren von Techno und elektronischen Sounds, gibt es wieder mehr Musik mit klassischen Instrumenten wie Gitarre oder Schlagzeug, und die Bühnenshow kann gar nicht schrill genug sein.

Besonders verrückt geht es bei den Shootingstars Bonaparte zu. Die Bandmitglieder verkleiden sich als Harlekins, Catwoman oder Löwen und überraschen damit ihr Publikum. Bei ihren Auftritten fühlt man sich unweigerlich an die Rocky Horror Picture Show erinnert, jedoch ohne deren theatralisch, altbackenes Drumherum.

Man sollte Bonaparte jedoch nicht als "Spaß-Band" verunglimpfen, denn wie ihr bekanntestes Lied "Anti Anti" zeigt, ist ihr Avantgarde-Electro aufmüpfig und ein bisschen schockierend - ähnlich wie bei "Arbeit nervt" oder "Remmidemmi" von Deichkind.

Bonaparte ist das Projekt eines Schweizers, der sich ebenso medienscheu wie absonderlich gibt und namentlich nicht genannt werden möchte. Es fand im Jahr 2006 seinen Weg nach Berlin. Als Solo-Projekt mit Laptop und Gitarre gestartet, entwickelte sich die One-Man-Show schnell zur spielenden Truppe, die sich in puncto Mitgliederzahl variabel gibt - und manchmal mit mal mehr, mal weniger Tieren die Bühne betritt.

Die Band Klez.e setzt hingegen weniger auf Show, als auf anspruchsvolle Popmusik. "Gerade durch zugezogene ausländische Bands, wird der Sound in Berlin internationaler, denn es gibt einen lebendigeren Austausch", sagt der Berliner Tobias Siebert von der Band Klez.e. Auf ihre Musik hat sich dieser Einfluss bereits ausgewirkt: Mit für Berlin untypischen experimentellen Arrangements verleihen sie ihrer Musik eine gefühlvolle Tiefe, und die empathischen Texte stärken das Gesamtbild, um der Welt des Pops aufrecht entgegenzutreten. Nicht selten erinnert die Akribie der Band an die englische Vorzeigemusiker Radiohead. Denen ist es gelungen ist, mit musikalischem Anspruch ein breites Publikum zu erreichen.

In diese Gefilde möchte auch Tobias Siebert mit Klez.e vorstoßen. "Ich hoffe, dass wir es schaffen, dass unsere Art von Musik ebensolche Akzeptanz erhält", sagt er. Und die Reaktion auf ihr Ende Januar erscheinendes Werk "Vom Feuer der Gaben" wird zeigen, ob ihnen das gelingt.

Die Bands im Internet

Klez.e: Das Album "Vom Feuer der Gaben" erscheint am 30. Januar, www.klez-e.de

The Whitest Boy Alive: Ihr zweites Album "Rules" erscheint am 27. Februar, www.whitestboyalive.com

Bonaparte: "Too Much" ist bereits erschienen, www.myspace.com/findingbonaparte