Planungen

Berliner Stadtschloss bekommt keine Parkplätze

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Isabell Jürgens

Der Italiener Franco Stella wird in Berlins Mitte das Stadtschloss mit barocken Fassaden und Kuppel errichten. Das steht bereits fest. Doch wie das Umfeld des prachtvollen Gebäudes aussehen und der Besucherverkehr gelenkt werden soll, ist noch völlig unklar. Nur ein paar wenige Vorstellungen gibt es bereits dazu.

Über die architektonische Gestalt des Humboldt-Forums gibt es seit der Präsentation des Siegerentwurfs von Franco Stella Ende November 2008 Klarheit. Auch die Bauzeit ist festgelegt: Das „größte kulturpolitische Bauprojekt seit der Wiedervereinigung“, wie es Kulturstaatssekretär André Schmitz am Montag formulierte, soll von 2010 bis 2013/2014 umgesetzt werden. Doch wie das Umfeld der an drei Außenseiten originalgetreu zu errichtenden Hohenzollernresidenz aussehen soll, ist genauso offen wie die Frage, wie die zu erwartenden Besucherströme von der Museumsinsel kommend über die Karl-Liebknecht-Straße zum Schlossplatz geleitet werden sollen.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher musste sich deshalb in der Anhörung zum Humboldt-Forum im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr des Vorwurfs der Regierungsopposition erwehren, mit dem Bebauungsplanverfahren zu spät begonnen zu haben. „Es wäre völlig unrealistisch, an dieser Stelle ein Planverfahren voranzutreiben, ohne das konkrete Projekt zu kennen“, verteidigte sich die Senatsbaudirektorin.

Jetzt liege der Siegerentwurf vor, nun werde man umgehend handeln. „Ein Verkehrsgutachten haben wir bereits in Auftrag gegeben“, so Lüscher. Erste Vorabsprachen zu dem Thema mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, den Busunternehmen und dem ADAC würden geführt. „Das Gutachten, das die Grundlage für die weitere Gestaltung der Freiräume bildet, werden wir noch im ersten Quartal 2009 vorstellen“, versprach Lüscher. In der Umgebung des künftigen Humboldt-Forums sollen Touristenbusse nach den Worten der Senatsbaudirektorin nur noch eingeschränkt halten dürfen. Es werde aber Möglichkeiten für Busse geben, dort Besucher ein- und aussteigen zu lassen. Ebenso sei eine Taxivorfahrt eingeplant.

Parkplätze „schwer vorstellbar“

„Parkplätze am Humboldt-Forum, das unmittelbar an das Unesco-Weltkulturerbe der Museumsinsel grenzt, sind dagegen schwer vorstellbar“, so Regula Lüscher weiter. Im kommenden Sommer soll der Wettbewerb zur Gestaltung des Umfelds des wieder aufgebauten Stadtschlosses ausgeschrieben werden. Dieser soll unter anderem die Beleuchtung des Schlossplatzes, die Gestaltung der Schlossterrassen und die Führung der Touristen zum Inhalt haben.

Der Geltungsbereich werde auch die sogenannte Schlossfreiheit mit dem Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm II. einbeziehen. Auf diesem Sockel soll das künftige Einheitsdenkmal stehen, für das der Bund als Bauherr zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November einen Gestaltungsentwurf präsentieren will. Ausgeklammert sei ausdrücklich die Gestaltung oder gar die umstrittene Bebauung des Marx-Engels-Forums auf der anderen Seite der Spree. „Die Einbeziehung dieser Fläche würde das Vorhaben massiv gefährden.“

Der von der stadtentwicklungspolitischen Sprecherin der Grünen, Franziska Eichstädt-Bohlig, geäußerte Vorwurf, „Berlin hinkt mit seinen Planungen wieder einmal dem Baugeschehen hinterher“, sei nicht berechtigt. „Das Planverfahren können wir in 18 bis 20 Monaten durch das Abgeordnetenhaus bringen“, so Lüscher. Parallel zum Baubeginn des Humboldt-Forums im Sommer 2010 könnte auch der Bebauungsplan vorliegen.

Angesichts der Tatsache, dass ein Verkehrskonzept noch nicht vorliege, mahnten CDU, FDP und auch die Linke eine Überprüfung des Bauvorhabens der Rathausbrücke an. „Wir brauchen eine neue stadtentwicklungspolitische Debatte um die Gestalt der Brücke“, sagte der Ausschussvorsitzende Thomas Flierl (Linke). Die Neubauplanungen auf Grundlage des Wettbewerbes vor zehn Jahren seien nicht mehr angemessen.

Ab Juli Info-Schau im Alten Museum

Auch zum Ausstellungskonzept für das künftige Humboldt-Forum mit seinem Spektrum von der „Kunst- und Wunderkammer“ des Großen Kurfürsten bis hin zur Wissenswelt des 21. Jahrhunderts gibt es noch viele offene Fragen. Diese will ab 9. Juli eine Informationsschau im Alten Museum auf der Museumsinsel beantworten, „damit die Berliner endlich wissen, was sie im Humboldt-Forum einmal erwartet“, so der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), Hermann Parzinger. Gemeinsam wollen die Zentral- und Landesbibliothek, die Humboldt-Universität und die SPK als künftige Nutzer ihre Pläne präsentieren.

Die drei Institutionen sollen nach den bisherigen Plänen jeweils selbst für ihren Bereich im Humboldt-Forum zuständig sein. Für den „Agora“ genannten repräsentativen Eingangsbereich, der mit einer Fläche von 10.000 Quadratmetern immerhin ein Viertel der gesamten Nutzfläche ausmache, solle es jedoch einen eigenen Intendanten geben.