Verkehrsbehinderungen

S-Bahn-Ausfälle wegen Personalmangel

Auch am Freitag hieß es für viele Fahrgäste der Berliner S-Bahn: Warm anziehen und sich in Geduld üben. Doch nicht die frostigen Temperaturen sollen schuld an den Störungen der vergangenen Tage sein, sondern der Mangel an Personal und Fahrzeugen. Da sind sich zumindest die SPD und der Fahrgastverband Igeb einig.

Bereits den vierten Tag in Folge kam es im 331 Kilometer langen Netz der S-Bahn zu Verspätungen und einzelnen Zugausfällen. Besonders traf es dieses Mal Fahrgäste im morgendlichen Berufsverkehr auf der Stadtbahn. Eine Signalstörung im Bahnhof Zoologischer Garten sorgte von 7.40Uhr bis gegen 9 Uhr für unpünktliche Züge.

Doch es gab auch positive Meldungen von der Bahn: Nach dreitägiger Unterbrechung wurde auch wieder die Linie S 85 bedient. Die rot-gelben Züge fuhren allerdings nur zwischen den Bahnhöfen Ostkreuz und Waidmannslust. Zwischen Grünau und Ostkreuz bleibt der Betrieb der Linie laut einer Bahnsprecherin „bis auf Weiteres“ eingestellt.

"Die Geduld der Berliner ist am Ende“, kommentiert Jens Wieseke, Sprecher des Fahrgastverbandes Igeb, das Geschehen der letzten Tage. Im sogenannten „Kummerkasten“ des Verbandes gebe es fast nur noch Beschwerden über die S-Bahn. Das zeige klar, dass das zweite große Verkehrsunternehmen in der Stadt, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), derzeit deutlich besser mit der Witterung zurechtkäme. „Auch wenn es zeitweise richtig kalt war – wir haben es mit einem normalen Winter zu tun, auf den man sich entsprechend vorbereiten kann“, so der Sprecher des Fahrgastverbandes.

Verantwortlich für die Probleme seien aber nicht die Mitarbeiter der S-Bahn. Die eigentlich Verantwortlichen für die Misere würden vielmehr im Bahn-Tower am Potsdamer Platz sitzen, so Wieseke. Sparvorgaben von dort sorgten dafür, dass die S-Bahn nicht mehr ausreichend über Betriebsmittel und Personal verfüge.

Sparvorgaben aus den Chef-Etagen

Auch für den verkehrspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Christian Gaebler, sind die harten Sparvorgaben aus den Chef-Etagen der Bahn Hauptursache für die vielen aktuellen Probleme im S-Bahn-Betrieb. Es gebe ganz offensichtlich zu wenige Fahrzeuge und nicht genügend Mitarbeiter, die diese warten und reparieren können.

Ehemalige S-Bahner verweisen auf die Stilllegung mehrerer Betriebswerkstätten (etwa in Friedrichsfelde, Oranienburg, Bernau und Erkner) und einen damit verbundenen massiven Personalabbau in den letzten Jahren. Gleichzeitig seien 2007 von der S-Bahn Berlin aber 34 Millionen Euro an den Mutterkonzern Deutsche Bahn AG überwiesen worden.

Der Vorwurf, die S-Bahn kaputt zu sparen, wird von der Bahn vehement zurückgewiesen. Die DBAG habe in den letzten Jahren rund eine Milliarde Euro in neue Fahrzeuge und die Infrastruktur der Berliner S-Bahn investiert, eine teilweise Refinanzierung sei da normal. Man bleibt im Unternehmen dabei: Die extreme Witterung sei Schuld an den aktuellen Störungen.

Die Senatsverkehrsverwaltung lehnt „Vorverurteilungen“ ab. Erst im März könne die Pünktlichkeit der S-Bahn im Januar analysiert werden. Dann soll auch über Strafen entschieden werden. Laut Verkehrsvertrag kann der Senat seine Zuweisungen von in diesem Jahr 232 Millionen Euro reduzieren, wenn bei der S-Bahn Züge ausfallen oder deren Pünktlichkeit unter 96 Prozent sinkt. Eine vorzeitige Auflösung des noch bis 2017 laufenden Verkehrsvertrages sei derzeit dagegen „keine Option“.