Sibirische Luft

Minus 20 Grad - Berlin vor kältester Nacht des Winters

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Foto: ddp / DDP

Die Berliner müssen sich jetzt ganz warm anziehen. In der kommenden Nacht fegen sibirische Winde über die Hauptstadt. Und es soll so kalt wie seit drei Jahren nicht mehr werden. Die Berliner Stadtreinigung wappnet sich bereits für den Kälterekord. Brandenburgs Sozialministerin fordert offene Türen für Obdachlose.

Der Hauptstadt steht die bisher kälteste Nacht dieses Winters bevor. Arktische Luft aus Westsibirien sorge für Tiefstwerte von bis zu minus 20 Grad Celsius, sagte Marcus Bolljahn vom privaten Wetterdienst MeteoGroup Deutschland. Es werde die kälteste Nacht seit drei Jahren, betonte der Wetterexperte.

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) ist für das Winterwetter gewappnet. Bei diesen Frostgraden werde zur Not an Kreuzungen und auf Hauptverkehrsstraßen Auftaumittel verwendet, sagte BSR-Sprecher Bernd Müller.

Bereits am Wochenende seien die „Männer in Orange“ rund um die Uhr im Einsatz gewesen. Rund 2000 Mitarbeiter seien mit 450 Fahrzeugen unterwegs. Immerhin seien 4000 Kilometer Hauptverkehrsstraßen vom Schnee zu befreien. Stellenweise waren in der Nacht zu Montag bis zu 20 Zentimeter Neuschnee gefallen. Derzeit würden noch Nebenstraßen geräumt.

Auch am Dienstag erwartet die Berliner nach Angaben des Meteorologen tagsüber eine „klirrende Kälte“ von bis zu minus acht Grad. Es bleibe jedoch sehr sonnig mit insgesamt sechs Sonnenstunden, fügte der Wetterexperte hinzu. In der Nacht werde es wieder sehr kalt, die Temperaturen sinken auf bis zu minus 18 Grad.

Am Mittwoch muss den Angaben zufolge mit erneuten Schneefällen und Straßenglätte gerechnet werden. Die Temperaturen würden im Dauerfrostbereich bleiben, jedoch auf minus zwei bis minus zehn Grad ansteigen, betonte der Experte. Ab Freitag sorge der Einfluss milderer Nordseeluft in der Region für einen Anstieg der Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Viele Obdachlose schlagen sich nach Berlin durch

Brandenburgs Sozialministerin Dagmar Ziegler (SPD) forderte angesichts der beginnenden Kältewelle mehr Aufmerksamkeit für Menschen in Notlagen. Vor allem Obdachlosen sollte geholfen werden, sagte sie. Obdachlosen könne schon durch die Öffnung öffentlich zugänglicher Räume geholfen werden, sagte die Ministerin. „Hier ist schnelle und unbürokratische Unterstützung gefragt.“

Ziegler wandte sich am Montag auch mit entsprechenden Schreiben an die Wohlfahrtsverbände. Zudem rief sie Verantwortliche in Städten und Gemeinden sowie Privatleute auf, mit wachem Blick eventuelle Notlagen von Mitbürgern zu erkennen und Hilfe anzubieten. Vielerorts gebe es Notunterkünfte, Tee- oder Wärmestuben, sagte sie. „Diese Angebote sollten jetzt unbedingt aufrechterhalten und verstärkt betrieben werden.“ Zahlen von Kältetoten vergangener Winter liegen nicht vor.

Ein Sprecher des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Brandenburg sagte, die Städte seien gefordert, da dies im Land ein kommunales Thema sei. Er denke allerdings, dass sich die meisten Obdachlosen nach Berlin durchschlagen. „Wir haben Wärmestuben, dorthin kommen viele Menschen, die in der Regel nicht obdachlos sind.“

Nach Angaben der Stadt Potsdam soll die Zahl der rund 100 Plätze für Obdachlose an den bevorstehenden kalten Tagen aufgestockt werden, sollte sie nicht reichen. Sollten auch die sogenannten Notplätze - sie befinden sich in einem Nebengebäude der Unterkunft – belegt sein, stelle die Arbeiterwohlfahrt bei Bedarf zusätzliche Plätze bereit, hieß es in einer früheren Mitteilung.

( ddp/dpa/apä/sh )