Denkmalschutz-Streit

Tegeler soll Strafe für Freiheitsstatue zahlen

Ein Tegeler Hotelbesitzer hat großen Ärger, weil er eine kleine Freiheitsstatue in seinen Garten gestellt hat. Diese sei "denkmalunverträglich" meint das Bezirksamt, und müsse weg. Sollte der Besitzer die Statue wie geplant bis März stehen lassen, könnte ihn das eine halbe Million Euro kosten.

In New York werden Ankömmlinge seit mehr als 100 Jahren von der Freiheitsstatue begrüßt. Seit wenigen Wochen steht ihre kleine Schwester in Tegel und heißt die Gäste des Apartmenthauses an der Karolinenstraße willkommen – bislang.

Im Dezember 2008 ließ Hotelbesitzer Gerhard Boltz eine etwa sechs Meter hohe Nachbildung der Lady Liberty aufstellen. Denn er ist ein Fan von Barack Obama. Die Skulptur soll die Gäste der Feier begrüßen, die Boltz zu Ehren der Amtseinführung von Amerikas erstem schwarzen Präsidenten veranstaltet. Zum Fest seien Vertreter mehrerer amerikanischer Unternehmen und Diplomaten der US-Botschaft eingeladen, sagt er.

Doch ob sie dann die kleine Freiheitsstatue noch vorfinden werden, ist fraglich. Denn das Bezirksamt Reinickendorf will, dass die Dame verschwindet. Die Behörde hatte den Hotelbesitzer in einem Schreiben aufgefordert, die Statue bis zum 31. Dezember 2008 zu entfernen. Boltz ist dem nicht nachgekommen. Das Bezirksamt wirft ihm vor, gegen das Denkmalschutzgesetz zu verstoßen. Denn auf dem Grundstück von Boltz befindet sich neben dem Hotel eine der ältesten Gaststätten von Berlin, die „Alte Waldschänke“. Das Fachwerkhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert. Es steht unter Denkmalschutz. Ebenso die Gaststätte „Alter Fritz“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die Skulptur beeinträchtige das Erscheinungsbild dieses Ensembles wesentlich, meinen die Denkmalschützer des Bezirksamtes Reinickendorf. Die Nachbildung der Freiheitsstatue sei denkmalunverträglich.

Das Amt hat angekündigt, die Statue und eine nicht genehmigte Werbetafel auf Kosten von Gerhard Boltz entfernen zu lassen, falls er der Anordnung nicht fristgemäß nachkommt. Dafür veranschlagt die Behörde etwa 2500 Euro. Doch obwohl die Frist verstrichen ist, steht Miss Liberty immer noch an der Karolinenstraße in Tegel. In dem Schreiben an den Hotelbesitzer teilte das Amt mit, dass für die Ordnungswidrigkeit eine Geldbuße von bis zu 500.000 Euro festgesetzt werden könne. Reinickendorfs Baustadtrat Frank Balzer (CDU) war am vergangenen Freitag nicht für eine Nachfrage erreichbar.

Hotelbesitzer Gerhard Boltz ist aufgebracht über die Vorwürfe der Behörde. „Überall in der Welt stehen Buddy-Bären aus Berlin, und in Berlin darf keine Nachbildung der Freiheitsstatue stehen“, schimpft er. Er ist oft in den USA, denn seine Tochter lebt in Los Angeles. Freunde in den USA hatten ihm von der Nachbildung der Freiheitsstatue berichtet. „Ich wusste sofort, dass ich sie haben will“, erzählt der 57-Jährige. „Sie ist eine Sehenswürdigkeit.“

Wenn es nach ihm geht, bleibt Miss Liberty noch bis Februar oder März stehen. Denn Boltz wartet auf den Antrittsbesuch der neuen amerikanischen Außenministerin in der deutschen Hauptstadt. Er will alles daran setzen, dass Hillary Clinton dann auch Gast in seiner Waldschänke sein wird. Und dass sie die kleine Freiheitsstatue als Symbol der Freundschaft zu den USA zu sehen bekommt. „Wir haben Amerika viel zu verdanken“, sagt er.

„Was danach mit der Skulptur passiert, weiß ich noch nicht.“ Denkbar wäre, dass sie versteigert wird und der Erlös einer Kindereinrichtung zugute kommt.