"Willkommensfeier"

Party in Berlin für Ex-RAF-Terrorist Christian Klar

Christian Klar, früherer RAF-Terrorist, hat 26 Jahre im Gefängnis gesessen und bis heute keine Reue gezeigt. Nun ist er frei, und einige Menschen feiern dies – in Berlin. Am Montagabend fand in Friedrichshain eine "Willkommensparty" für Klar statt.

Foto: myspace.com/interabend

Die „Bild“ berichtet, rund 30 Personen zwischen 20 und 30 Jahren, die hälfte davon Frauen, hätten sich im „Schnarup-Thumby“ in der Schwarnweberstraße in den Räumen des „Gemeinnützigen Vereins Frustschutz“ getroffen, um die Party unter dem Motto „Willkommen Christian Klar“ zu feiern. Im „Schnarup-Thumby“ nahmen sie ein Banner mit der Aufschrift „Frieheit für Christian Klar“ von der Wand. „Wir feiern heute, dass es endlich abgehängt werden kann“, sagte einer der Anwesenden gegenüber „Bild“.

Christian Klar selbst war dem Zeitungsbericht zufolge nicht anwesend. Die „Partygäste“ hörten sich gemeinsam ein Interview von 2001 an, das Günter Gaus mit Klar in dessen Gefängniszelle geführt hatte, Fotos sollen dazu an die Wand projiziert worden sein.

„Bild“ zufolge verlief die Party äußerst ruhig, die Gäste kamen grüppchenweise, mussten klingeln um in den Raum zu gelangen. Drinnen lehnten sie an den Wänden oder saßen auf Betten, tranken Bier und aßen Gemüse und Körner, so der Bericht.

Doch dann ist es vorbei mit den kämpferischen Slogans wie Klars Ausspruch, dass Schuldbewusstsein und Reue „im politischen Raum keine Begriffe“ seien. Die Aufführung des neuen Films „Der Baader Meinhof-Komplex“ über die RAF wird sozusagen per „Volxentscheid“ niedergeschmettert. Dann rockt laut „Bild“ eine Punkband los. Kickern und Billard nebenan sind umsonst im Schnarup-Thumby. Die Kneipe ist seit Jahren Treffpunkt der linken Szene, Besucher wurden in der Vergangenheit bereits Opfer rechtsextremer Überfälle.

Christian Klar war am 19. Dezember aus der Haft entlassen worden. Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart hatte Ende November entschieden, dass Klar nach Ablauf seiner Mindesthaftzeit entlassen werden müsse. Die Richter sahen keine Rückfallgefahr mehr. Klar soll sich mittlerweile in Berlin aufhalten, wo ihm der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, ein Praktikum in der Theater-Technik angeboten hatte.

Klar galt als Kopf der zweiten Generation der RAF. Er wurde am 16. November 1982 festgenommen und saß seitdem im Gefängnis. Klar war 1985 unter anderem der Beteiligung an der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer für schuldig befunden worden. 1992 wurde er zu lebenslanger Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe verurteilt, die aus sechs lebenslangen Einzelfreiheitsstrafen und sogenannten zeitigen Freiheitsstrafen von 15, 14 und zwölf Jahren gebildet wurde.

(mit oht)