Angriff an Spandauer Schule

Jugendliche Schläger wollen sich bei Lehrer entschuldigen

Die Jugendlichen, die einen Spandauer Lehrer zusammengeschlagen haben, bereuen ihre Tat. Sie wollen sich mit dem Pädagogen versöhnen. Die drei steigen nun in das Projekt "Stark ohne Gewalt" ein, bei dem Polizisten zusammen mit Jugendlichen im Kiez "Streife" gehen.

Foto: Steffen Pletl / Pletl

Die Familien der in einen Gewaltvorfall verwickelten Spandauer Jugendlichen von der Gottfried-Kinkel-Oberschule haben ein Zeichen der Versöhnung gesetzt. In einem Gespräch mit Morgenpost Online sagten die Väter, sie und ihre Söhne bedauern das Ereignis. Die jungen Männer seien bisher auch polizeilich nicht in Erscheinung getreten. Die drei Jugendlichen wollen sich demnächst beim betroffenen Lehrer Horst F. entschuldigen.

"Wir leben schon lange in Spandau und wollen auch Spandauer bleiben“, sagte der Vater der beiden jungen Männer, die F. geschlagen hatten. „Ich möchte, dass wir das Problem friedlich lösen.“ Der Anti-Gewalt-Experte der Berliner SPD, Raed Saleh, hat sich nun eingeschaltet und will zwischen den Jugendlichen und dem Lehrer sowie der Realschule vermitteln. Alle drei jungen Spandauer steigen nun in das Saleh-Projekt „Stark ohne Gewalt“ ein.

Saleh: Verantwortungsbewusste Familie

Der SPD-Abgeordnete Saleh sagte am Sonntag: „Die Tat ist nicht zu entschuldigen. Aber es ist wichtig, jetzt einen Dialog zu führen im Interesse der jungen Menschen und im Interesse der Kinkel-Oberschule. Ich habe den Eindruck, die Familie geht engagiert und verantwortungsbewusst mit dem Vorfall um.“ Die Familie türkischer Herkunft, seit 35 Jahren in Berlin ansässig, sei um Aufklärung und Verständigung in dem Fall bemüht. „Sie ist in Spandau auch ehrenamtlich in Vereinen tätig“, stellte Saleh heraus.

Die tätliche Auseinandersetzung hatte sich am vergangenen Dienstag ereignet. Der Konrektor Horst F. suspendierte den 14-jährigen Schüler für drei Tage, weil er eine Lehrerin beleidigt haben soll. Daraufhin benachrichtigte der Siebtklässler zwei Cousins. Die 17 und 19 Jahre alten jungen Männer suchten die Schule auf, es kam zu einem Handgemenge, bei dem der Lehrer verletzt wurde. Zu dem Fall wollten sich die Familie und die 14, 17 und 19 Jahre alten Jugendlichen am Sonntag nicht konkret äußern.

Jugendliche bereuen die Tat

Horst F. ist bis Anfang Januar krank geschrieben. In einem Brief an ihn hatten ein Anwalt des Schülers und der beiden älteren Verwandten bereits mitgeteilt, dass die Jugendlichen die Tat bereuen und sich entschuldigen. Die Polizei hat ein Täter-Opfer-Gespräch vorgeschlagen, das der Konrektor auch annehmen will. Dazu sind auch die Jugendlichen bereit. Das haben die beiden Väter am Freitag auch in einem Gespräch mit der Direktorin der Gottfried-Kinkel-Oberschule deutlich gemacht.

Jens Stiller, Sprecher der Senatsschulverwaltung, sagte am Sonntag, er habe den Eindruck, eine Verständigung sei möglich. Das Gespräch mit der Schulleiterin sei positiv gewesen, die Väter hätten „nicht auf den Putz gehauen“, sondern hätten einsichtig und versöhnend gewirkt. Der 14-jährige Siebtklässler sei nun bis zur Klassenkonferenz am 6. Januar suspendiert. Dort kann er von der Schule verwiesen werden, vielleicht gebe es aber auch noch eine andere Möglichkeit. „Es spricht aber einiges dafür, dass die Situation nicht weiter eskaliert.“ An der Klassenkonferenz nehmen Lehrer, Elternvertreter und die Eltern des betroffenen Schülers teil.

So lange wird die Polizei in dem Fall aber noch ermitteln. Inzwischen liegen offenbar mehrere Strafanzeigen vor. Nach Informationen von Morgenpost Online gibt es nicht nur Ermittlungen gegen die beiden 17 und 19 Jahre alten jungen Männer wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruchs, sondern auch gegen den Lehrer der Kinkel-Oberschule. Gegen F. liegt der Polizei ebenfalls eine Strafanzeige wegen Körperverletzung vor.

Der SPD-Abgeordnete Saleh hofft derweil auch auf eine außergerichtliche Lösung. „Wenn ein Dialog in diesem Fall möglich ist, werden wir das nutzen.“ Klar sei aber auch: „Gewalt ist zu verurteilen.“ Er habe aber den Eindruck gewonnen, dass es sich um eine Mittelstandsfamilie handle, die den Vorfall sehr ernst nehme. Das zeige auch das spontane Engagement der Jugendlichen in seinem Projekt „Stark ohne Gewalt“.

Bewährtes Projekt Stark ohne Gewalt

Die Jugendlichen dieses Projekts sind zwischen 18 und 26 Jahren. Seit zwei Jahren laufen sie Streife, meist im Kiez in der Spandauer Neustadt. Dabei begleiten Jugendliche Polizisten bei einem Rundgang, reden mit jungen Migranten und machen auch vor Jugendgangs keinen Halt. Das wurde jüngst auf Busstreifen erweitert. Polizeidirektor Frank Brinker hat das Vorhaben mit gegründet: „Natürlich ist das Ziel auch die Reduzierung von Straftaten.“ Der Erfolg sei mit den Streifen beim Frühlings- und Oktoberfest 2007 und 2008 zu spüren gewesen. Dort ist die Zahl der Straftaten von 20 auf null gesunken.