Urteil

Kripobeamter wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

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Michael Mielke

Ein Kriminaloberkommissar aus Berlin ist wegen sexuellen Missbrauchs eines Jungen und Besitzes von Kinderpornografie zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der seit Februar 2007 vom Dienst suspendierte Beamte hatte Sexfotos von einem Jungen gemacht. Es war nicht seine erste Verurteilung.

Ein Kriminaloberkommissar ist wegen sexuellen Missbrauchs eines Jungen und Besitzes von Kinderpornografie von einem Moabiter Schöffengericht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Der 57-jährige Klaus E. hatte am 17. Dezember 2006 in seiner Wohnung im Stadtteil Treptow einen elfjährigen Jungen in obszönen Posen fotografiert. Das Kind kam aus der Stricherszene und war für diese Dienste offenbar bezahlt worden. Außerdem waren bei dem Beamten bei seiner Einreise aus Bangkok im Flughafen Düsseldorf vier Pornofilme gefunden worden, die Sex mit kleinen Jungen zeigten. Bei einer anschließenden Haussuchung entdeckten Kriminalbeamte zudem rund 100 weitere einschlägige Videos und etwa 50 Bilddateien.

Ware für Sextouristen

Vor Gericht hatte der Beamte über seinen Verteidiger ein pauschales, auf Details verzichtendes Geständnis abgelegt. Er gab an, geschieden zu sein und zwei erwachsene Kinder zu haben. Der Richter sagte bei seiner Urteilsbegründung, die Taten des Angeklagten gehörten „zu dem Schlimmsten, was man Kinder antun“ könne. In Thailand seien aufgrund der Nachfrage pädophiler Kreise „regelrechte industrielle Strukturen“ zur sexuellen Ausbeutung von Kindern entstanden. Sie seien „zur Ware für Sextouristen“ geworden. „Dazu haben auch Sie beigetragen“, sagte er in Richtung des Kriminalbeamten. Da helfe auch die Erklärung des Angeklagten nicht, dass er selber darunter leide. „Eine bestimmte Veranlagung zu haben, ist das eine“, sagte der Richter, „sie auszuleben ist etwas anderes.“

Erschwerend kommt nach Meinung des Schöffengerichts hinzu, dass Klaus E., die Kinderpornos aus Thailand einzuführen versuchte, obwohl er gewusst habe, dass zu dieser Zeit schon ein Verfahren gegen ihn lief. In einem ersten Prozess im Februar dieses Jahres hatte ihn ein Moabiter Amtsrichter wegen des Besitzes erheblicher Mengen von Kinderpornografie zu einer Geldstrafe von 7200 Euro verurteilt. Die Höchststrafe für den Besitz von Kinderpornografie beträgt zwei Jahre.

Strafmildernd, so der Richter, habe Klaus E.s Geständnis gewertet müssen. Auch sei der Angeklagte bereit, sich einer Sexualtherapie zu unterziehen. Das Gericht hat dafür eine Mindestzeit von zwei Jahren festgelegt. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre. „Es darf nicht wieder zu einer solchen Tat kommen“, sagte der Richter, „ansonsten zerstören Sie sich und andere.“

Urteil im üblichen Rahmen

Der Sprecher des Berliner Landgerichtes, Tobias Kaehne, erklärte auf Anfrage, dass dieses Urteil sich „im üblichen Rahmen“ befinde und „nicht besonders mild“ sei. Immerhin sei der angeklagte Beamte zur Tatzeit nicht einschlägig vorbestraft gewesen.

Klaus E. ist seit dem Beginn der Ermittlungen vom Dienst suspendiert. Er bezieht aber weiterhin ein reduziertes Gehalt von rund 1800 Euro netto.

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, sind damit zwingend auch ein Disziplinarverfahren und seine Entfernung aus dem Beamtenverhältnis verbunden. Allerdings kann er dies noch hinauszögern, indem er beim Kammergericht gegen das Urteil Berufung einlegt.