Kriminalität

Berliner Polizist nach Messerattacke außer Lebensgefahr

Vermutlich wird der Polizist Patrick G. nie mehr ohne seine Schutzweste auf Streife gehen. Er wurde am Dienstag schwer von einem Autodieb mit einem Messer verletzt. In Lebensgefahr schwebt der 42 Jahre alte Polizist jedoch nicht mehr.

Foto: Sven Lambert / Lambert

Ein Polizist ist bei einem Einsatz in Charlottenburg angegriffen und schwer verletzt worden. Der 42-jährige Patrick G. erlitt mehrere Stichverletzungen am Oberkörper. Er musste im Krankenhaus notoperiert werden. Der Zustand des Kommissars ist seitdem stabil; Lebensgefahr besteht nicht. Der mutmaßliche Täter wurde gefasst. Die 5. Mordkommission ermittelt wegen versuchten Mordes. Am Mittwoch beantragte die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den Mann.

Die Polizei war von einer Zeugin gerufen worden. Ihr war zuvor aufgefallen, wie sich zwei Männer am Pritschenwagen einer Baufirma zu schaffen machten, der in einem Hinterhof abgestellt war. „Ich habe vom Fenster aus zwei Männer beobachten können, die auf den Wagen zugingen“, berichtete die Zeugin später am Tatort. Sie wohnt im Nachbarhaus. Bei den Männern soll es sich nach ihren Angaben um einen grauhaarigen, älteren Deutschen sowie einen gedrungenen, arabisch aussehenden Mann mit Pudelmütze gehandelt haben.

„Auf dem Hof stand der Pritschenwagen einer Installationsfirma, die Heizkörper montierte“, so die Zeugin weiter. Die beiden Männer sollen eine nicht verschlossene Tür des Transporters geöffnet und einen Fotoapparat gestohlen haben. „Als die Täter mitbekamen, dass sie beobachtet wurden, flüchteten sie in ein nahe gelegenes Wohnhaus“, sagte ein Polizeisprecher.

Die Zeugin, die anonym bleiben möchte, habe nach eigenen Angaben die Arbeiter angesprochen und gefragt, ob die Männer vielleicht Kollegen gewesen seien könnten. „Als sie verneinten, alarmierte ich die Polizei“, berichtete die Frau. Gleichzeitig verfolgten Bauarbeiter die Täter, bis diese in eine Wohnung in dem Haus Sophie-Charlotten-Straße 105 h verschwanden.

In der Nähe befand sich zu diesem Zeitpunkt eine Zivilstreife des Zentralen Verkehrskontrolldienstes. Die Beamten sind gewöhnlich auf der Suche nach gestohlenen Autos und betrunkenen Fahrzeugführern und kontrollieren Autofahrer auf gültige Papiere. Bei Notfällen, die Eile gebieten, kommen sie aber auch bei anderen Delikten zum Einsatz.

So fuhr auch Patrick G., ein ehemaliger Kriminalpolizist in der Direktion 2, mit seinem Kollegen zu dem Haus in der Sophie-Charlotten-Straße. Dort klingelte er gegen 11.35 Uhr an der Türe der Wohnung, in der die Gesuchten vermutet wurden. Weil aber niemand öffnete, drangen die Beamten mit Gewalt ein. Drinnen wurden sie von dem 30 Jahre alten Wohnungsbesitzer Hakan Ö. offenbar bereits erwartet. Er stach mit einem Messer mehrmals auf Patrick G. ein, der – entgegen seiner Gewohnheit – diesmal keine Schutzweste trug. Der Beamte brach zusammen.

Mit Unterstützung weiterer Kollegen sei es schließlich gelungen, den Angreifer festzunehmen, berichtete ein Polizeisprecher. Der Komplize, der an dem Diebstahl beteiligt gewesen sein soll, sei jedoch flüchtig.

Ob eine Schutzweste den Beamten vor den Verletzungen bewahrt hätte, ist nicht eindeutig, da gängige Ausführungen nicht vor Stichen in die Bauchgegend schützen. „Das Anlegen der Weste ist freiwillig“, sagte ein Polizeisprecher auf Nachfrage. Ein Beamter am Tatort in Charlottenburg sagte dazu: „Leider ist die Routine oft der Feind der Eigensicherung.“

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DpolG) fordert unterdessen höhere Strafen für Täter, die Polizisten angreifen. Jede Gewalttat gegen einen Beamten müsse eine Haftstrafe nach sich ziehen, sagte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt.

In den vergangenen fünf Jahren sei die Zahl der Angriffe bundesweit von 20.000 auf 27.000 jährlich gestiegen. Allein in Berlin würden täglich neun Polizisten attackiert und drei von ihnen dabei verletzt. Für den Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sei nur eine Strafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe vorgesehen. „Damit werden Angriffe auf Polizisten im Strafgesetz genauso behandelt wie Fischwilderei“, so Wendt.

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