Bürger gegen Nager

Berlins FDP streitet um Rattenjagd in Mitte

Wer wenig zum Leben hat, der könnte auch Ratten für einen Euro pro Stück jagen, findet der Berliner FDP-Politiker Henner Schmidt - was ihm Ärger eingebracht hat. Berlins FDP-Chef Martin Lindner findet die Idee "unglücklich", nun werden "Konsequenzen" gefordert. Die Liberalen befürchten einen Imageschaden.

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion in der Bezirksverordneten-Versammlung Mitte, Peter Lundkowski, hat seinen Parteikollegen Henner Schmidt zum Rücktritt aufgefordert. Der FDP-Vorsitzende des Bezirks Mitte und stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus Schmidt hatte am Montag vorgeschlagen, dass „Leute, die sonst Flaschen sammeln, für jede tote Ratte einen Euro bekommen könnten“.

Lundkowski befürchtet nun, dass sein Antrag in der Bezirksverordneten-Versammlung, der auch zur Bekämpfung der Rattenplage beitragen soll, mit Schmidts Aussagen in Verbindung gebracht werden könnte. „Diese Äußerungen erhärten das Klischee von der ,sozialen Kälte’ der FDP. Eigentlich ein Grund für Henner Schmidt, politische Konsequenzen zu ziehen“, sagte Lundkowski. Der Berliner FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Lindner hatte den Schmidt-Vorschlag als "äußerst unglücklich und ungeeignet" bewertet.

Nach seinen Vorstellungen sollen die Gesundheitsämter der Bezirke stärker mit der Senatsverwaltung, der Berliner Stadtreinigung und den Berliner Wasserbetrieben zusammenarbeiten. Außerdem soll eine Kampagne die Bevölkerung und gastronomischen Betriebe der Hauptstadt über Ratten aufklären.

„Die explosionsartige Zunahme der Ratten in Berlin macht deutlich, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen“, sagt Lundkowski. In Mitte sei besonders an der Leipziger Straße, im Kleinen Tiergarten, am Bundesratsufer und an der Klosterstraße eine Vermehrung der Ratten bemerkbar.

Bereits im Juli hatte sich die FDP mit der Rattenplage befasst und im Abgeordnetenhaus eine Anfrage gestellt. Diese ergab, dass im Bezirk Mitte die meisten Ratten leben. Eine „explosionsartige Vermehrung“ der Ratten in Berlin konnte allerdings nicht festgestellt werden. Die Gesundheitsämter rücken seit 2004 jährlich etwa 5000 Mal aus, um Ratten zu bekämpfen.