Studie

Die Eisbären sind bekannter als Bionade und Ryanair

Kein deutscher Sportverein abseits vom Fußball ist so bekannt wie der EHC Eisbären. Das ergab eine neue Studie. Fast zwei Drittel aller Deutschen zwischen 14 und 69 kennen den Eishockey-Verein aus Berlin. Da wundert es kaum noch, dass die Zuschauerzahlen in Rekordhöhen wachsen.

Der Kartenverkauf für das nächste Heimspiel des EHC Eisbären läuft gut. Am Sonntag, wenn die Berliner in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) den ERC Ingolstadt empfangen, werden sie wohl wieder von gut 14.000 Zuschauern angefeuert. Mit ein bisschen Glück können sie zwei Tage später gegen Düsseldorf im zwölften Liga-Heimspiel in der O2 World sogar ihre Zuschauerzahl der gesamten Vorsaison erreichen. Die 36 Partien, 28 in der Hauptrunde und acht im Play-off, sahen 168.680 Besucher. Nach jetzt zehn Spielen stehen die Eisbären bei 140.700 Zuschauern.

Kein anderer Klub in Deutschland außerhalb des Fußballs erreicht in den großen Ligen derartige Zuschauerzahlen. Das an sich ist schon ein bemerkenswerter Erfolg, für den EHC kommt es aber noch besser. Eine im November erschienene, groß angelegte Studie des Sportrechtevermarkters Sportfive zeigt, dass der Verein in Deutschland bei den 14- bis 69-Jährigen (54,91 Millionen) auf eine Bekanntheit von 61 Prozent kommt. Lediglich Fußballklubs besitzen einen höheren Bekanntheitsgrad.

„Dass wir so gut abschneiden, hätte ich nie gedacht“, sagt Eisbären-Manager Peter John Lee. Er ist mächtig stolz, schließlich macht die Untersuchung „Affinitäten 3. Status und Positionierung von Sport und Marken“ deutlich, dass die Berliner sich zu einem hochwertigen Markenprodukt entwickelt haben. Echt Bärenmarke eben. Ihre Bekanntheit erreicht Werte, die im Bereich der besten Fußballzweitliga-Klubs (Mainz 63 Prozent, Freiburg 65) liegen. Es können mehr Menschen mit dem EHC Eisbären etwas anfangen als mit dem In-Getränk Bionade (53) oder dem Billigflieger Ryanair (57).

In der Bundesliga zunächst ein Niemand

Wenn man sieht, wo die Eisbären herkommen, ist das erstaunlich. Trotz DDR-Tradition waren sie ein Niemand, als sie 1990 in die Bundesliga aufgenommen wurden. Lange genug firmierte der EHC als Synonym für Verlierer. Womöglich liegt dort sogar ein Grund für die gestiegene Wahrnehmung. Als einziger Klub aus dem Osten in der Eliteliga kultivierten die Berliner ihr Nischendasein. Die Eisbären entwickelten sich zum Kultverein, der später auch noch erfolgreich wurde und Ende der 90er auf europäischer Ebene eine gute Figur abgab. Lee: „Diese Zahlen jetzt sind auch eine Bestätigung dafür.“

Bekanntheit lässt sich derweil nicht nur mit positiven Nachrichten erreichen. Chronische finanzielle Schwierigkeiten begleiteten die Berliner über viele Jahre. Ein breites Publikum nahm Notiz vom EHC, als zwei Spieler 2003 in Schweden der Vergewaltigung verdächtigt wurden und in Untersuchungshaft saßen. Die Vorwürfe wurden letztlich entkräftet. Auch über den großen Wirbel um die im März verweigerte Dopingprobe von Florian Busch wurde der Begriff EHC Eisbären transportiert.

Die Hälfte des Nationalteams kommt aus Berlin

Mit ihren sportlichen Leistungen haben sich die Berliner fraglos ebenso großes Renommee erspielt. Sie dominierten in den vergangenen vier Jahren das deutsche Eishockey, gewannen drei Meisterschaften und einmal den Pokal. Dank seines einzigartigen Nachwuchsprojektes hat es der EHC geschafft, fast die Hälfte der Nationalmannschaft zu stellen. Wird das Nationalteam irgendwo erwähnt, fällt dadurch oft der Name der Eisbären. Zudem steht der EHC seit dem Einstieg der Anschutz-Gruppe 1999 auf einer soliden wirtschaftlichen Basis.

„Unser Ziel war es immer, einer der Top-Sportvereine in Deutschland zu werden und nicht nur einer der besten Eishockey-Vereine. Dabei sind wir auf einem guten Weg“, freut sich Lee. Potenzial für mehr ist noch vorhanden. Die Verpflanzung des einstigen Hohenschönhauser Klubs in die O2 World war ein bundesweit Aufsehen erregendes Projekt. Manchmal scheint es, als könne sich der Klub kaum retten vor Andrang. Allein dies hat die Eisbären für Sponsoren zuletzt zu einem überaus interessanten Partner gemacht. „Die Studie eröffnet wieder neue Chancen im Marketing“, sagt Lee. Wer damit für sich werben kann, dass kein Verein aus den großen Ligen abseits des Fußballs bekannter ist und man zudem die Halle fast immer voll hat, sollte kaum Schwierigkeiten damit haben, sich ordentlich zu vermarkten.

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