Tankstellen

Der Dieselpreis sinkt in Berlin unter einen Euro

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Daniel Wetzel

Foto: AP

Einmal getankt - 25 Euro gespart. Der Preis für Benzin ist im Vergleich zum Juli um 50 Cent je Liter gesunken. Das macht die Tankfüllung deutlich billiger als im Sommer. Auch Heizöl, Strom und Gas werden günstiger. Aber die Erdöl exportierenden Länder den Trend stoppen.

Der Preis für Dieselkraftstoff ist an einigen Tankstellen in Deutschland erstmals seit fast vier Jahren wieder auf unter einen Euro je Liter zurückgefallen. „Wir haben eine Handvoll Stationen, an denen Diesel 99,9 Cent je Liter kostet“, sagte ein Sprecher des Branchenführers Aral in Bochum. In Berlin und Hamburg waren es vor allem Jet-Tankstellen des Ölkonzerns ConocoPhillips sowie einige freie Tankstellen, die die magische Preismarke von einem Euro unterboten.

Im bundesweiten Durchschnitt sind jedoch gegenwärtig an Markentankstellen noch 1,06 Euro für einen Liter Diesel zu bezahlen. Benzin ist nochmals vier Cent teurer und kostet durchschnittlich 1,10 Euro je Liter. Das sind rund 50 Cent je Liter weniger als während der Höchstpreise Anfang Juli von 1,60 Euro je Liter. Der Autofahrer spart somit bei einer Tankfüllung von 50 Litern rund 25 Euro.

Sollten sich die Preise auf diesem Niveau stabilisieren, müssten private Haushalte und Unternehmen nach Berechnungen des Hamburger Energie-Informationsdienstes (EID) jährlich rund zehn bis 15 Milliarden Euro weniger für Energie aufwenden. Denn auch die Preise für Heizöl, Gas und Strom sinken bereits jetzt oder könnten das in Zukunft tun. In Berlin sind die Heizölpreise im Vergleich zur Vorwoche im Schnitt um 3,58 Euro je 100 Liter gesunken. Das eingesparte Geld stünde für den Konsum, für Investitionen oder zum Sparen zur Verfügung.

Der mögliche Tiefststand ist fast erreicht

Viel Luft nach unten ist nach den massiven Rückgängen der Benzinpreise nicht mehr. Allein 84 Cent des Benzinpreises bestehen aus Steuern, weitere zehn bis zwölf Cent nimmt die Mineralölwirtschaft für Verarbeitung, Transport, Vertrieb, Gewinn und andere Kosten. Der Preis für einen Liter Benzin ohne Steuern und Kosten ist damit auf einem sehr niedrigen Niveau angelangt und dürfte mittlerweile unter 20 Cent je Liter liegen. Auf dem Spitzenniveau waren es fast 55 Cent.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) will kommende Woche Gegenmaßnahmen beschließen. Die 13 Mitgliedsstaaten wollen sich auf eine drastische Kürzung der Fördermenge verständigen, um den Ölpreis zu stabilisieren und mittelfristig zu erhöhen.

Die Kraftstoffpreise folgen den internationalen Rohölnotierungen, die seit Juli dieses Jahres von 146 Dollar pro Barrel (159 Liter) dramatisch auf rund 40 Dollar gesunken sind. Auslöser für den Preisverfall am Ölmarkt ist der durch die Finanzmarktkrise ausgelöste Einbruch der Weltkonjunktur. Wegen der allgemein fallenden Nachfrage nach Gütern sinkt auch der Bedarf an Transportdienstleistungen. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) wird die globale Ölnachfrage erstmals seit 25 Jahren sogar rückläufig sein. Ende kommenden Jahres sei mit der konjunkturellen Erholung wieder mit einem Preisanstieg zu rechnen. Damit widerspricht die Agentur einer Prognose der US-Energie-Informationsbehörde (EIA), wonach die weltweite Nachfrage nach Öl sogar auch noch im Jahre 2009 nachlassen wird.