Bundespresseball

So feierte die Politprominenz in Berlin

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Anja Popovic und Barbara Jänichen

Rund 2800 Gäste aus Politik und Wirtschaft haben ausgelassen den Bundespresseball im Interconti gefeiert. Bundespräsident Köhler eröffnete den Ball mit einem Walzer, Wowereit achtete auf seine Linie und Landwirtschaftsministerin Aigner feierte ihr Balldebüt. Nur Angela Merkel fehlte.

2800 Gäste, die Dekoration in den Farben Lila und Gold, sieben Bundesminister und ein Ball, der im Dreiviertel-Takt startete. Ursula Gößling, Ehefrau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz Werner Gößling, hat im Hotel Intercontinental am Abend mit Bundespräsident Horst Köhler und einem Kaiserwalzer den 57. Bundespresseball eröffnet. Werner Gößling führte Eva Luise Köhler über das Parkett. Wie ist das, wenn einem alle beim Tanzen zusehen? „Den ersten Tanz kann ich ganz besonders genießen, weil man da noch so unheimlich viel Platz hat“, sagte Eva Luise Köhler.

Kein Ball ohne das Tuschel-Thema Kleider. Wieder einmal ein sehr tief ausgeschnittenes Exemplar (von Unrath & Strano) hatte Minu Barati, Filmproduzentin und Ehefrau von Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer, gewählt. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen trug ein grünes, schulterfreies Seidentaft-Kleid. „Ich habe es vor 25 Jahren gekauft, für den ersten Ball mit meinem heutigen Mann. Ich war damals wahnsinnig verliebt. Ich freue mich riesig, dass ich immer noch in das Kleid passe.“ Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt auf die Frage, ob ihr Kleid tanztauglich sei: „Ich hoffe doch, habe es aber noch nicht probiert. Ich tanze gern, gebe aber zu, dass es auf den Tänzer ankommt.“

Neu auf dem Gesellschaftsparkett in Berlin: Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die sich nicht entscheiden konnte, ob sie lieber zu Status Quo oder zu Helmut Zerlett tanzt: „Ich bin da sehr flexibel.“ Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast überraschte mit einem Jackett, das farblich zum lilafarbenen Teppich passte. Ein Zufall, verriet sie. Das Jackett habe sie nähen lassen, weil sie kein „Ballkleid-Typ“ sei. „Da ist mir die Farbe Lila angeboten worden.“ Worauf Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sich gestern Abend am meisten freute: „Dass mir heute nicht so viele Fragen gestellt werden.“

Köhler will sich das Feiern nicht nehmen lassen

Karin Stoiber, Ehefrau des ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, freute sich darüber, nicht mehr „First Lady“ von Bayern zu sein: „Endlich habe ich mehr private Zeit, auch für meine Enkelkinder. Ich kann meinen Tag gestalten, wie ich möchte. Das genieße ich sehr.“ Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier kam ins Interconti: „Ich habe mich loseisen können.“ Obwohl „man das, was passiert ist“, nicht ablegen könnte. „Die Krise an den Finanzmärkten, die Attentate in Bombay. Das hängt einem in den Kleidern.“ Bundespräsident Köhler zum Thema: Es gebe „schlimme Nachrichten. Aber dieser Abend ist auch eine Gelegenheit zum Feiern, und das lassen wir uns nicht nehmen“. An Köhlers Tisch saßen auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und sein Lebensgefährte Jörn Kubicki. Kubicki: „Am späten Abend freuen wir uns auf die Currywurst.“ Kleine Einschränkung von Wowereit: Er nehme wieder ein bisschen ab…

Ebenfalls in der Menge gesichtet: Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm, die Moderatoren Tom Buhrow und Judith Rakers, Ex-Grünen-Chef Reinhard Bütikofer, die Schauspielerinnen Anouschka Renzi und Maren Gilzer sowie SPD-Generalsekretär Hubertus Heil.

Musik zwischen Staatskapelle und Status Quo

Der Etat für den Bundespresseball betrug erneut etwa eine Million Euro und wurde ausschließlich durch Eintrittsgelder (Karten kosteten zwischen 350 und 590 Euro) und Sponsoring aufgebracht.

„Der zehnte Bundespresseball in Berlin steht unter dem Motto ‚Metropoly'“, sagte Organisationsleiter Alfred J. Gertler. „Wir haben dieses Motto zu Beginn des Jahres kreiert, und es ist aktueller denn je. Berlin ist Metropoly, ein Ort, an dem Gold und Glamour ebenso wie Hasenheide und Hartz IV dominieren. Eine Stadt, in der alles ausprobiert wird, in der man heute zum Top und morgen zum Flop werden kann.“ Zu den Musikern des Abends gehörten die Staatskapelle Berlin und Pamela Falcon. Die Rock-Urgesteine von Status Quo („Whatever you want“, „In the army now“) sollten nach Mitternacht auftreten.

Natürlich war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeladen. Aber Organisator Gertler musste wieder einmal verkünden: „Sie kommt leider nicht.“ Gründe habe die Kanzlerin nicht angegeben. Dafür sorgte Monika Grütters (CDU) für Blitzlichtgewitter. Sie kam erstmals mit ihrem neuen Lebensgefährten, Manager Marcel De Rycker zu einem Berliner Ball.