Finanzkrise

Investor stoppt Großprojekt an der Museumsinsel

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Isabell Jürgens

Foto: Meermann Chamartín Gruppe

Die Finanzkrise greift auch in Berlin weiter um sich. Nun muss das zweite Großbauprojekt gestoppt werden. Die Chamartín-Meermann-Gruppe braucht einen neuen Geldgeber für ihr Bauvorhaben an der Museumsinsel. Eine krisengeschüttelte Bank hat sich aus der Finanzierung zurückgezogen.

Die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise machen auch vor den Projekten in Berlins bester Lage nicht halt. Die spanisch-deutsche Immobiliengruppe Chamartín-Meermann bestätigte gegenüber der Morgenpost Online, dass die Bauarbeiten auf dem Eckgrundstück Am Kupfergraben/Georgenstraße bis auf weiteres ruhen. „Wir haben einen Baustopp über das Projekt verhängt“, so der Leiter der Bauabteilung, Jörn Knöpper.

Die Immobiliengruppe plant vis-à-vis der Museumsinsel das „Pergamon-Palais“. Für mehr als 50 Millionen Euro sollte hier bis Ende 2009 ein Komplex aus vier Gebäudeteilen entstehen. Nach den Plänen des Berliner Architekturbüros Elisabeth Rüthnik sollten Penthouse-Wohnungen, Büros und Geschäften und Gastronomie sowie einer Tiefgarage entstehen. Der Projektentwickler hatte das Areal vom Berliner Liegenschaftsfonds erworben.

Begründet wird der plötzliche Rückzug mit der unsicheren Lage auf den internationalen Finanzmärkten und einer nicht eingehaltenen Finanzierungszusage einer Bank, die selbst im Zuge der Krise in Bedrängnis geraten sei.

„Die Arbeiten an der Sohle und der Gründung sind nahezu abgeschlossen“, so Knöpper zum derzeitigen Stand der Arbeiten. „Wir haben sofort auf die Situation an den Kapitalmärkten reagiert. Im Moment sprechen wir mit weiteren Banken über die Endfinanzierung.“

Banken verlangen hohe Sicherheiten

Doch die gestaltet sich angesichts der Krise deutlich schwieriger als noch vor einem Jahr. Die finanzierenden Banken verlangen mittlerweile deutlich höhere Sicherheiten. Nicht nur für die Chamartín-Meermann-Gruppe, sondern in der gesamten Branche gilt mittlerweile eine Eigenkapitalquote von 40 bis 50 Prozent (vorher: zwischen 20 und 25 Prozent) sowie Vorverkaufs- beziehungsweise Vorvermietungsquoten von 50 Prozent als Regel.

Trotz der Schwierigkeiten gehe man „verhalten optimistisch in das Jahresendgeschäft“, so Geschäftsführer Heinz H. Meermann. Man gehe davon aus, dass die Arbeiten kurzfristig wieder aufgenommen werden können. „Wir sind sicher, dass die Verzögerung im Projekt ,Pergamon Palais’ noch aufgeholt werden kann“, so Meermann weiter. Schließlich wolle man selbst 2010 das eigene Büro vom SpreeKarree in der Friedrichstraße an den Kupfergraben verlegen. Andere Projekte der Immobiliengruppe seien von der Finanzkrise nicht betroffen“, betonte Meermann. So sei etwa das Projekt Askanischer Platz 1 mit annähernd 14.000 Quadratmetern planmäßig in der Rohbauphase und werde im Sommer kommenden Jahres an die Mieter übergeben.

Die ganze Branche ist betroffen

Die Chamartín-Meermann-Gruppe ist nicht der erste Projektentwickler in Berlin, der angesichts der internationalen Finanzkrise Schwierigkeiten einräumt. Bereits im August hatte Orco den Bau von mehr als 150 Luxuswohnungen gestoppt. Das Projekt „Fehrbelliner Höfe“ in Mitte, das den Bau einer mondänen Loftlandschaft in den Räumen einer ehemaligen Lampenfabrik vorsah, wurde gestoppt. Als Begründung gab Orco-Deutschland-Chef Rainer Borman an, dass die Kosten für Fremdkapital, das Orco in zweistelliger Millionenhöhe für den Umbau der Höfe eingeplant hatte, rasant gestiegen sei. Mit dieser „Notbremsung“ habe man auch dafür Sorge tragen wollen, dass die anderen Berliner Projekte – dazu zählt in erster Linie das 250-Millionen-Euro-Vorhaben am Leipziger Platz – nicht gefährdet werden.

Seitdem wird in Branchenkreisen spekuliert, ob es dem deutschen Ableger des luxemburgischen Immobilienriesen Orco Property Group (Immobilienbestand 2,5 Milliarden Euro) gelingt, auf der 22.000 Quadratmeter große Brache am Leipziger Platz wie geplant im Frühjahr 2009 mit dem Bau zu beginnen. Bis Mitte 2012 soll dort ein Ensemble aus mehreren, von verschiedenen Architekten zu gestaltenden Gebäuden entstehen. „An diesem Zeitplan halten wir fest“ sagte Orco-Sprecherin Sabrina Eilers Morgenpost Online. Derzeit liefen noch Abstimmungsgespräche mit der Senatsverwaltung zum Bebauungsplan.