Schüler-Proteste

Staatsschutz ermittelt nach Randale an Humboldt-Uni

Etwa 1000 Personen waren am Mittwoch nach einer Schüler-Demonstration in das Gebäude der Berliner Humboldt-Uni gestürmt und hatten dort eine Ausstellung über Nazi-Unrecht teilweise zerstört. Offenbar gab es antisemitische Motive für die Beschädigung der Schautafeln.

Nach den gewaltsamen Schülerprotesten an der Humboldt-Universität ermittelt jetzt der polizeiliche Staatsschutz. Am Mittwoch waren während einer Demonstration für bessere Bildungsbedingungen etwa 1000 Teilnehmer in das Hauptgebäude der Universität eingedrungen. Dabei wurden unter anderem Schautafeln der Ausstellung „Verraten und Verkauft. Jüdische Unternehmen in Berlin 1933-1945“ zerstört.

Die Polizei schließt nicht aus, dass die Verwüstungen antisemitisch motiviert waren. Peter-Michael Haeberer, Chef des Landeskriminalamtes, glaubt nicht, dass die Demonstranten ihre Zerstörungen wahllos angerichtet haben: „Wer jetzt versucht, diesen Zwischenfall als allgemeinen Vandalismus zu deklarieren, bedient sich einer billigen Ausrede.“

„Selbst ein Legastheniker müsste anhand der Bilder erkennen, worum es bei dieser Ausstellung geht“, sagte Haeberer. „Wer jetzt versucht, diesen Zwischenfall als allgemeinen Vandalismus zu deklarieren, bedient sich einer billigen Ausrede.“ Der Veranstalter habe seinen Mob nicht im Griff gehabt und werde dieses Versäumnis bei künftigen Anmeldungen von Demonstrationen und Veranstaltungen gegen sich rechnen lassen müssen. Ob sich hier gezielt Antizionisten unter den Mob gemischt haben, konnte bisher nicht abschließend verifiziert werden. Die Ermittlungen dauerten an, so Berlins ranghöchster Kriminalbeamter. Zudem könne nicht von antizionistischem Verhalten gesprochen werden, dies sei schlicht antisemitisch gewesen.

Es habe eine Spur der Verwüstung von der Eingangstür zur Treppe gegeben. Auf dieser Strecke sei randaliert und zerstört worden. Dass in dieser Zerstörungswut wahllos alles kaputt gemacht worden sei, wollte Peter-Michael Haeberer am Donnerstag nicht unterschreiben. Wahrscheinlicher sei, dass die Personen gemerkt haben, was dort ausgestellt worden ist. Und das sei schlimm. „Es war eine Demonstration, bei der es um Bildung ging. Wenn die Täter eines bewiesen haben, dann die Tatsache, dass sie dringend Bildung brauchen.“

Auch der Präsident der Humboldt-Universität, Christoph Markschies, sieht in der Zerstörung einen antisemitischen Akt. Universitäts-Mitarbeiter hätten berichtet, dass die Randalierer antiisraelische Parolen riefen. Vor allem die Zerstörung der Ausstellung über das Unrecht der Nationalsozialisten gegenüber jüdischen Unternehmern sei ein unerträglicher Angriff auf die freiheitliche Ordnung dieses Landes, sagte er. Er geht davon aus, dass die Ausstellung nicht zufällig, sondern mutwillig zerstört worden sei. Die Hochschule werde aber nicht zulassen, dass sich Menschen in diesem Land wieder vor der Gewalt anderer Menschen fürchten müssten, hieß es am Donnerstag in einer Erklärung des Uni-Präsidenten. Den entstandenen Sachschaden beziffert die Universität auf mehr als 35.000 Euro.

Jüdische Gemeinde ist empört

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeind zu Berlin, Lala Süsskind, fordert eine zügige Bestrafung der Randalierer Das sei kein jugendlicher Leichtsinn gewesen. „Wenn die Jugendlichen gezielt auf die Ausstellung losgegangen sind, ist das ein widerwärtiger antisemitischer Vorgang“, sagte Lala Süsskind. Darüber hinaus sei jede Zerstörung fremden Eigentums nicht hinnehmbar.

Niklas Wuchenauer, Sprecher der Berliner Initiative „Bildungsblockaden einreißen“, die zu der Demonstration aufgerufen hatte, distanziert sich von den Zerstörungen. Es sei bedauerlich, dass die Taten von etwa 20 Personen, die gesamte Initiative diskreditieren. Schließlich seien bundesweit 100.000 Schüler friedlich für ein besseres Bildungssystem auf die Straße gegangen. Wuchenauer geht nicht davon aus, dass die Zerstörung gezielt ausgeführt wurde. „Die jungen Leute waren aufgebracht und sind in ihrer Wut zu weit gegangen“, sagt der 16-Jährige. Die Initiative habe der Humboldt-Universität angeboten, sich am Wiederaufbau der Ausstellung zu beteiligen.

Auch die Studentenvertreter der Humboldt-Universität distanzieren sich von den Ausschreitungen. „Obwohl der Referenten-Rat zu dieser Demonstration mit aufgerufen hat und bei allem Verständnis für die Forderungen der Schüler, Studenten und Auszubildenden – die Zerstörung der Ausstellung zu jüdischen Unternehmen ist nicht hinnehmbar“ sagt Studentenvertreter Johannes Roeder.

„Diese Ausschreitung muss Folgen haben“, fordert Monika Grütters, Mitglied des Bundestages für die CDU. Der rot-rote Berliner Senat sei aufgefordert, die Beteiligten über die Schulleitungen und Lehrer zur Rechenschaft zu ziehen. Derartige Entgleisungen dürften nicht im Schutze der Anonymität hingenommen werden.