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Sat.1 verlässt Berlin und zieht nach München

Der private Fernsehsender Sat.1 verlässt Berlin und zieht nach München. Der Umzug wurde den Mitarbeitern jetzt auf einer außerordentlichen Mitarbeiterversammlung bekannt gegeben. 350 Mitarbeiter sollen umziehen. Doch die wollen nicht - und protestierten.

Foto: picture-alliance / obs / obs

Der Fernsehsender Sat.1 verlässt nach mehr als neun Jahren Berlin und zieht nach München. Wie die ProSiebenSat.1 Media AG am Donnerstag mitteilte, will der Vorstand des Konzerns Sat.1, ProSieben und Kabel 1 bis Juni 2009 in einer neuen Struktur unter einem Dach in Unterföhring zusammenführen. In Unterföhring ist die Konzernzentrale von ProSiebenSat.1 angesiedelt. Insgesamt sollen 350 Mitarbeiter von Sat.1 nach München umziehen, sagte der Vorstandsvorsitzende Guillaume de Posch.

Die Betroffenen wollen die Entscheidung allerdings nicht einfach hinnehmen. „Unsere Anwälte werden prüfen, ob so ein Zwangsumzug überhaupt rechtlich zulässig ist“, sagte die Vorsitzende des Berliner Betriebsrats der Mediengruppe, Katrin Schulze. Nach der Mitarbeiterversammlung, auf der die Vorstände von ProSiebenSat.1 laut Berichten von Teilnehmern heftig ausgepfiffen wurden, protestierten in Berlin mehrere hundert Sat.1-Mitarbeiter. Sie riefen unter anderem „Wir sind Berlin!“ Sat.1 hatte sein Medienzentrum gegenüber des Außenministeriums am 30. August 1999 eröffnet.

Durch den Umzug werde „Raubbau an der Marke Sat.1“ getrieben, der Sender werde in der Münchner Konzernzentrale sein eigenständiges Profil einbüßen, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Uwe Theuerkauff in Berlin. „So etwas hasst die Werbeindustrie.“

„Die Stimmung in der Belegschaft ist auf Krawall gebürstet“, sagte Theuerkauff. Nach München sollen vor allem Mitarbeiter der Verwaltung, des Werbezeitenverkaufs und des Rechnungswesens ziehen. Es gebe große Zweifel, dass mit dem Umzug die wirtschaftlichen Probleme des Senders gelöst werden könnten. „Die Krise ist wegen schwerer Fehler des Managements hausgemacht“, sagte Theuerkauff.

Der Nachrichtensender N 24 und die Sat.1-Zentralredaktion, die in eine eigene GmbH umgewandelt werde, bleiben laut de Posch in Berlin. Torsten Rossmann wird als Vorsitzender der Geschäftsführung von N24 künftig die Gesamtverantwortung am Hauptstadtstandort übernehmen. Neuer Vorsitzender der Sat.1-Geschäftsführung wird ab 1. Januar Guido Bolten, der bislang Geschäftsführer von Kabel 1 war. Nachfolger Boltens wird mit Jahresbeginn Jürgen Hörner, bislang stellvertretender Geschäftsführer bei ProSieben. Mit 450 Mitarbeitern bleibe Berlin das journalistische Kompetenzzentrum der Gruppe, hieß es.

Die Zentralredaktion von Sat.1, die das „Frühstücksfernsehen“ und das „Sat.1-Magazin“ mit Beiträgen bestückt, soll in Berlin bleiben. Der Nachrichtenkanal der Gruppe, N 24, bleibt ebenfalls in Berlin. Der Sender war erst im Oktober dieses Jahres vom Gendarmenmarkt an den Potsdamer Platz gezogen und mit neuer Technik ausgestattet worden. „Zusammen machen N 24 und die Sat.1-Zentralredaktion Berlin zum wichtigsten Journalisten-Standort der Gruppe“, sagte Vorstandschef de Posch.

Zuletzt kam das Gerücht auf, die Gruppe wolle N24 verkaufen. Dies wurde aber von der Konzernführung dementiert. Nach dem Umbau wird ProSiebenSat.1 den Angaben zufolge noch 6000 Mitarbeiter beschäftigen, davon 3000 in Deutschland. Die ProSiebenSat.1 Media AG sei seit der Übernahme der SBS Broadcasting Group im Sommer 2007 die zweitgrößte europäische TV-Gruppe, sagte de Posch. „In einem schwierigen Marktumfeld haben wir einen Integrationsprozess gestartet, der die Marktposition der Gruppe entscheidend verbessert“, sagte er weiter. Der Konzern wolle die Weichen für die Zukunft stellen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat den Umzug kritisiert. Er bedauere es sehr, wenn wesentliche Teile des Unternehmens verlagert würden. Er erwarte zunächst, dass der Konzern seine Pläne detailliert vorlege. Die Landesregierung lehne die Entscheidung aus Standort- und sozialen Gründen ab, betonte Wowereit. Wenn mit dem Umzug viele Arbeitsplätze vernichtet würden, könne das nicht gebilligt werden.

Nach Darstellung Wowereits hat der Senat Gespräche mit der Geschäftsführung über die Pläne geführt. Die Einflussmöglichkeiten der Landesregierung seien aber gering und beschränkten sich auf Appelle. Es gebe keine Möglichkeit, den Umzug zu verhindern.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat den Umzug des Fernsehsenders Sat.1 von Berlin nach München begrüßt. Das schaffe Synergieeffekte und stärke die Handlungsfähigkeit des Medienunternehmens ProSiebenSat.1, sagte er am Donnerstag in München. Seehofer betonte: „Für unser duales Rundfunksystem ist es wichtig, dass die privaten Sender gut aufgestellt sind und wir in Deutschland mit ProSiebenSat.1 einen weiteren großen, auch international tätigen Medienkonzern haben.“