Kriminalität

Wirt muss Hakenkreuze auf eigene Kosten entfernen

Erst die Hakenkreuze, dann auch noch die Kosten für die Beseitigung: Der Wirt des Weißenseer Milchhäuschen ist dieser Tage gleich zweimal getroffen. Unbekannte hatten die verfassungsfeindlichen Symbole in die Fenster geritzt. Beseitigen muss er sie nun auf eigene Kosten.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Hakenkreuze am Milchhäuschen

Video: eigen
Beschreibung anzeigen

Elf von Unbekannten in Fensterscheiben geritzte Hakenkreuze haben einen Gaststättenbesitzer in Weißensee innerhalb von 24 Stunden gleich zweimal einen Schock versetzt. Der erste traf Oswald Wachenbrönner am Sonntagmorgen, als er die Beschädigungen an den Außenfenstern seines Cafe-Restaurants „Milchhäuschen“ am Weißen See bemerkte.

Der zweite Schock folgte Montagvormittag nach Gesprächen mit den Behörden und seiner Versicherung. Ergebnis der Gespräche: Wachenbrönner muss die Hakenkreuze „zeitnah“ entfernen. Und darf, da die Versicherung dafür nicht zahlt, die Kosten – geschätzte 10.000 Euro – selbst übernehmen.

Der 56-jährige Gastronom ist bereits zum zweiten Mal Opfer solcher Schmierereien. Vor sechs Wochen wurden ihm zwei Davidsterne in die Fensterscheiben geritzt. „Damals haben wir die beschädigten Stellen einfach überdeckt, damit war der Fall erledigt“, sagte Wachenbrönner. Doch diesmal sei das nicht möglich, da sämtliche Außenscheiben betroffen sind. „Die kann ich ja nicht alle überdecken, also bleibt mir nur, die Scheiben auszutauschen“, so der gebürtige Unterfranke, der das Lokal seit 1996 betreibt.

Warum seine Gaststätte zweimal innerhalb weniger Wochen Ziel eines mutmaßlich rechten Anschlags wurde, kann sich Wachenbrönner nicht erklären. Die Hintergründe der Taten und die Motive der Täter sind für ihn inzwischen ohnehin fast schon zweitrangig. Viel mehr Probleme bereitet ihm die Situation, dass er als Opfer auch noch zur Kasse gebeten wird.

Oswald Wachenbrönner ist dabei sehr wohl klar, dass das Verhalten sowohl der Behörden als auch der Versicherung rechtlich nicht zu beanstanden ist. Hakenkreuze müssen als verbotene Symbole schnellstmöglich entfernt werden.

Kann der Täter nicht ermittelt werden, trifft es eben den Eigentümer des betroffenen Gebäudes. Und auch die Versicherung ist juristisch auf der sicheren Seite. Sie zahlt, wenn eine Fensterscheibe völlig demoliert wird. Bleibt es nur bei Kratzern, zahlt sie nicht. Letzteres gilt als Vandalismus und damit als „unversicherbares Risiko“.

Der Polizei fehlt nach wie vor jede Spur von den Tätern.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.