Kirchen in Brandenburg

Zuzug beschert Falkensee starke Kirchengemeinden

Seit der Wende hat sich die Einwohnerzahl von Falkensee verdoppelt. In der havelländischen Gemeinde herrscht seit mehr als einem Jahrzehnt ein bislang ungekannter Bauboom. Vom Zuzug, vor allem aus dem Westen, profitieren auch die Kirchen. Im traditionell unreligiösen Brandenburg müssen neue Gebetshäuser errichtet werden.

Foto: ZB / DPA

Wolfram Fromke erinnert sich noch gut an Wintersonntage, an denen er um vier Uhr früh aufstehen musste, um die Kirche für den Gottesdienst zu heizen. „Es war ein unzumutbarer Zustand“, erzählt der Pfarrer aus dem havelländischen Falkensee. Die 1951 aus hölzernen Barackenteilen errichtete Notkirche war nicht nur baufällig, sondern auch viel zu klein geworden: Nach der Wende stieg die Zahl der Gemeindeglieder von 900 auf heute 2600. Seit April nun hat die Heilig-Geist-Gemeinde mehr Platz, und der Pfarrer kann seine Gottesdienste in einer neuen, modernen Kirche mit viel Glas und hellem Holz halten.

Bei Bedarf ist es möglich, den Saal mit zwei Gemeinderäumen zu verbinden – mit Platz für bis zu 320 Menschen. Viel Überzeugungsarbeit sei nötig gewesen, bis gebaut werden konnte, berichtet Fromke rückblickend. „Seit 2000 haben wir intensiv um einen Neubau gekämpft. In der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) war damals aber alles auf Abbau eingestellt.“ Die Landeskirche unterstützte das rund 520.000 Euro teure Bauvorhaben schließlich dennoch mit 140.000 Euro. Weiteres Geld kam von den Nachbargemeinden und dem eigens gegründeten Kirchbauverein, der 80.000 Euro für das Projekt zusammentrug.

Der Kirchenneubau ist in Falkensee kein Einzelfall. Während Gemeinden in anderen Regionen Brandenburgs mit Mitgliederschwund und sanierungsbedürftigen Gotteshäusern kämpfen, erlebt die Stadt im Berliner „Speckgürtel“ seit Jahren einen beispiellosen Bauboom. Den hat sie vor allem dem Zuzug von Bürgern aus den alten Bundesländern und Berlin zu verdanken. „Die Einwohnerzahl stieg seit der Wende von rund 20 000 auf derzeit etwa 40.000. Davon profitieren auch die Kirchgemeinden“, sagt Bürgermeister Heiko Müller (SPD).

Jahrelanger Bauboom im Speckgürtel

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Falkensee war die erste, die nach der Wende ein neues Gemeindezentrum errichtete. 2000 ließen die Baptisten ihre alte Kapelle von 1923 abreißen und an deren Stelle ein neues Gebäude setzen: „Die Kapelle war uns einfach zu eng geworden“, erinnert sich Gerd Schmidtsdorf, der damalige Leiter der Gemeinde, die heute rund 160 Mitglieder hat, 40 mehr als 1990. Neben den bereits umgesetzten Bauvorhaben ist ein weiteres in Planung: das neue Zentrum der katholischen Gemeinde „Sankt Konrad“ soll 2010 eingeweiht werden.

Bislang existiert das Gebäude mit Gemeinderäumen und Pfarrwohnung, das durch ein Foyer mit der Kirche verbunden werden soll, nur auf dem Papier. Pfarrer Clemens Pullwitt rechnet aber im Frühjahr 2009 mit dem ersten Spatenstich. Auch seine Gemeinde ist mit heute 2400 Mitgliedern so groß und jung wie nie.

Die Bautätigkeit beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Kirchen und Gemeindezentren. Die evangelische Kirchengemeinde Falkensee- Falkenhagen eröffnete nach verschiedenen anderen Bauprojekten im Juni 2007 den Kindergarten „Zum guten Hirten“. „Die bisher einzige evangelische Kita war aus allen Nähten geplatzt“, erzählt Pfarrer Olaf Schmidt. Falkensees Bürgermeister Müller rechnet weiterhin mit bis zu 700 Neubürgern pro Jahr, bis sich die Einwohnerzahl auf etwa 50.000 eingependelt hat. Um ein baldiges Ende des Ansturms müssen sich die Kirchengemeinden also vorerst nicht sorgen.