Anmeldung zur Einschulung

Welche Grundschule für ihr Kind die richtige ist

Bis zum 14. November läuft die Frist, dann müssen alle Berliner Eltern ihre schulpflichtigen Kinder zur Einschulung im kommenden Jahr angemeldet haben. Doch welche Schule soll es sein? Für Eltern eine schwierige Entscheidung. Morgenpost Online stellt verschiedene Schultypen vor.

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In diesen Tagen müssen die Eltern der Vorschulkinder eine schwierige Entscheidung treffen: Welche Schule ist die richtige für mein Kind? Bis zum 14. November noch dauert die Anmeldefrist. Im Allgemeinen gilt der Grundsatz: kurze Wege für kurze Beine. Die öffentlichen Grundschulen müssen vorrangig die Schüler aus ihrem Einzugsgebiet aufnehmen.

Anders ist es bei Schulen mit besonderer pädagogischer Prägung. Dazu gehören Ganztagsschulen in gebundener Form, Gemeinschaftsschulen, staatliche Europa-Schulen und Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt.

Gebundene Ganztagsschulen

Es gibt in Berlin 46 Grundschulen, an denen der Schultag verpflichtend bis 16 Uhr dauert. Unterricht und Freizeit wechseln sich ab.

Die Sonnenblumenschule in Baumschulenweg ist seit 2003 eine gebundene Ganztagsschule. Der Unterricht findet hier vor- und nachmittags statt. Pädagogen und Erzieher arbeiten dabei sehr eng zusammen. Das Besondere ist, dass die Schüler so oft es geht vor Ort lernen, also nach draußen gehen und genau betrachten, wie bestimmte Dinge funktionieren. Zwischendurch haben die Schüler viel Zeit, sich an frischer Luft zu bewegen.

Die aufwendig sanierte Schule bietet dazu viel Gelegenheit. Der Schulhof ist in verschiedene Zonen aufgeteilt, mit Wasser- und Ballspielplatz, Ruhezone, Gartenanlage und Klettergerüsten. Im Freizeitbereich gibt es jede Menge Räume, in denen die Kinder unterschiedlichen Arbeitsgemeinschaften nachgehen oder sich zurückziehen können. Theater- und Musikzimmer, Raum für bildende Kunst, Kuschelraum, Spielräume.

Um die 444 Kinder kümmern sich 44 Pädagogen, darunter 16 Erzieher und vier Lehramtsanwärter. Die AGs Schach, Fußball und Trompete werden von Experten geleitet, die seit Jahren mit der Schule zusammenarbeiten.

Europaschulen

An 18 Grundschulen gibt es Klassen, in denen in Deutsch und in einer Fremdsprache unterrichtet wird. Staatliche Europaschulen gibt es für Englisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch und Türkisch.

Die Finow-Grundschule in Schöneberg ist seit 1994 Europaschule für Deutsch und Italienisch. Allerdings nur teilweise. Es gibt sowohl zwei ganz normal Regelklassen für Kinder aus dem Einzugsgebiet als auch zwei Europaklassen für Kinder, die von Anfang an Italienisch und Deutsch lernen.

In den Europaklassen sollen mindestens 50 Prozent der Schüler Italienisch als Muttersprache haben. Die Muttersprachler müssen ihre Kenntnisse in einem Test unter Beweis stellen.

Die verbleibenden Plätze gehen an Kinder, die mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen sind. Voraussetzung ist hier allerdings, dass sie bereits mit Italienisch in Berührung gekommen sind und zumindest die Grundlagen verstehen können. Auch hierfür Verständnistests durchgeführt.

„Wir haben sehr gute Erfahrungen mit den Kindern, die bereits eine italienisch-deutsche Kita besucht haben“, sagt Schulleiter Tilo Vetter. Die italienischen Kinder werden von der ersten Klasse an in ihrer Muttersprache alphabetisiert, die deutschen Kinder lernen erst in der zweiten Klasse, auf Italienisch zu schreiben.

Gemeinschaftsschulen

Seit diesem Schuljahr gibt es elf Gemeinschaftsschulen im Schulversuch. Die Kinder lernen von der ersten bis zur zehnten oder zwölften Klasse zusammen. Es gibt kein Aussortieren nach der sechsten Klasse. Sechs weitere stehen auf der Bewerberliste für den Schulversuch ab kommendem Schuljahr.

Eine der ersten Pilotschulen ist die James-Krüss-Grundschule in Moabit. Äußerlich weist nichts darauf hin, dass das alte Backsteingebäude dabei ist, mit dem benachbarten 70er-Jahre-Neubau der Moses-Mendelsohn-Oberschule zusammenzuwachsen. Schon jetzt unterrichten Pädagogen aus der Oberschule an der Grundschule und umgekehrt. So wissen sie, was von den Kindern ab der siebenten Klasse erwartet wird. „Gemeinsames Ziel ist es, die Schüler zur Ausbildungsreife zu führen, und darauf sollen sie schon von Anfang an vorbereitet werden“, sagt Schulleiterin Uta Heyne. Schon in der Schulanfangsphase haben die Kinder Naturwissenschaften, nicht erst ab der fünften Klasse. Bereits im Grundschulalter arbeiten die Schüler in Projekten mit der Siemens AG zusammen.

Arbeitsmethoden, die in den ersten Klassen eingeführt werden, führen die Oberschullehrer fort. Die Wochenplanarbeit beispielsweise gehört dazu. Die individuellen Lernpläne dienen dazu, stärker auf die Fähigkeiten der einzelnen Schüler einzugehen. Vor allem für die Lehrer der Oberschule bedeuten diese Methoden Neuland.

Musikbetonte Schulen

An 15 Grundschulen können die Schüler ein Musikinstrument lernen und im Orchester spielen. Die musikbetonten Grundschulen hatten lange darum gekämpft, dass die Schulform auch nach Auslaufen des Modellversuchs ab kommendem Jahr bestehen bleibt. Mit Erfolg. Die Schulen erhalten weiter zusätzliche finanzielle Mittel.

An der Papageno-Grundschule an der Bergstraße in Mitte erhalten alle Kinder von der ersten Klasse an eine Musikstunde zusätzlich. Spätestens ab der zweiten Klasse lernen die Schüler ein Instrument, Querflöte, Geige oder Gitarre. „Die gemeinsamen Auftritte im Orchester stärken das Gemeinschaftsgefühl und das Selbstbewusstsein der Kinder“, sagt Schulleiterin Brigitte Stemmler. Der Umgang untereinander sei rücksichtsvoller. Diese Effekte würden sich auch positiv auf die anderen Unterrichtsfächer auswirken.

Die Schule ist sehr gefragt. Im vergangenen Jahr gab es schon aus dem Einzugsgebiet deutlich mehr Anmeldungen als Plätze.

Sonderschulen

Für Kinder mit Behinderungen, Lernschwierigkeiten oder Entwicklungsverzögerungen gibt es 87 Schulen mit speziellen Förderschwerpunkten. Die Schulen unterrichten in kleinen Gruppen und mit speziell ausgebildeten Pädagogen.

Eine dieser Sonderschulen ist die Carl-von-Linné-Schule in Lichtenberg, die im vergangenen Jahr überraschend den Deutschen Schulpreis der Bosch-Stiftung gewonnen hatte. Überraschend deshalb, weil Förderschulen eigentlich als Auslaufmodell gelten.

Behinderte Kinder sollen möglichst in der Regelschule integriert werden. Doch das klappt nicht immer. Die Schüler, die man an der Carl-von-Linné-Schule trifft, sind häufig hier, weil sie an anderen Schulen schlechte Erfahrungen gemacht haben. Sie erzählen von Mobbing oder von fehlender Förderung. Hier, an der Paul-Junius-Straße, arbeiten Ärzte, Therapeuten und Sonderpädagogen unter einem Dach. Jeder Schüler erhält seinen persönlichen Förderplan. Sie können alle Abschlüsse bis zum Abitur machen. Englisch gibt es von der ersten Klasse an, und in der hauseigenen Schwimmhalle haben alle Schüler Schwimmunterricht. Autistische Kinder entwickeln ihre Begabungen in der Literaturwerkstatt oder mit Kunsttherapeuten.