Schöneberger Gasometer

Die Berliner Energie-Uni geht an den Start

Rund um den 100 Jahre alten Gasometer soll in den nächsten Jahren das zweitgrößte Bauvorhaben nach dem Flughafen Schönefeld wachsen. Das Euref-Institut soll dann zum Anziehungspunkt für Energieunternehmen, Forscher und innovative Gründer werden. Geleitet wird die Energie-Uni vom Ex-DDR-Regierungschef Lothar de Maizière.

Foto: EUREF / Euref

Das ambitionierte Projekt einer privaten Europäischen Energieuniversität in einem neuen, CO2-neutralen Stadtteil rund um den Schöneberger Gasometer kann nach einigen Wirren nun realisiert werden. Am Mittwoch präsentierten die Initiatoren um den Immobilienentwickler Reinhard Müller den ehemaligen DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière als Geschäftsführer der Gründungs-GmbH für die Hochschule.

Als wissenschaftliche Berater beim Aufbau des Lehrbetriebes ist das Wissenschaftszentrum Berlin im Boot. Das WZB soll das ursprüngliche Konzept der Zeit-Stiftung konkretisieren und umsetzen. Einen Entwurf für das Hochschulgebäude hat der renommierte Architekt Albert Speer gezeichnet.

Am Abend wurde das Euref-Institut feierlich im Rathaus Schöneberg gegründet. Euref steht für Europäisches Energie-Forum. So nennt der Entwickler Müller sein Projekt, das durch die Energie-Universität zum Anziehungspunkt für Energieunternehmen, Forscher und innovative Gründer avancieren soll. Gute Worte für das Vorhaben fanden unter anderem Bundesumweltminister Siegmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (beide SPD).

Rund um den 100 Jahre alten Gasometer soll in den nächsten Jahren das zweitgrößte Bauvorhaben nach dem Flughafen Schönefeld wachsen. Auf 65.000 Quadratmetern soll ein Komplex entstehen, der eineinhalb Mal so groß wie das Sony Center am Potsdamer Platz ist. Auf vier Baufeldern sind 15 Gebäude geplant, die nacheinander begonnen werden, wenn es Nutzer gibt.

Russland als Partner

Einer der ersten auf dem Gelände soll die Energie-Universität sein. „Ich habe einen Staat abgewickelt, jetzt will ich etwas aufbauen“, sagte de Maizière. Der CDU-Politiker war mit einer Delegation des Bundesaußenministers im Sommer in Russland und wurde mit dem großen Bedarf der russischen Energielieferanten nach deutschem Effizienz-Know-how konfrontiert. Steinmeier vereinbarte in Moskau mit dem russischen Präsidenten eine „Modernisierungspartnerschaft“, was neben einer parteipolitischen Nähe zum Immobilienentwickler Müller das Engagement des SPD-Kanzlerkandidaten für das Projekt erklärt: Die Energieuni soll nicht nur deutsche Absolventen in Postgraduierten Studiengängen auf die Praxis in Energiepolitik, -wirtschaft und -technik fit machen, sondern ausländischen Experten für Austausch und Weiterbildung offen stehen.

In den nächsten Monaten will de Maizière die angestrebten 200 Millionen Euro Stiftungskapital aus Quellen in Deutschland, Europa, Russland und Arabien einsammeln. Das Grundstück bekommt das Institut gratis von den Projektentwicklern. Im Herbst 2009 sollen erste Kurse in den Bestandsgebäuden auf dem Gelände beginnen. Die Hochschule und der Standort bedingten einander, sagte Architekt Albert Speer: „Deutschland ist in der Umwelttechnik Weltmeister, aber wenn Partner im Ausland fragen, wo man das studieren kann, haben wir nichts.“ Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum sagte, die vorhandenen Forschungsaktivitäten müssten vernetzt werden: „Wir gelten in Deutschland als gute Erfinder, aber als schwach in der Umsetzung“, so der Professor. Ein Quartier, das auf Erdwärme, Solartechnik, Biomasse, Blockheizkraftwerke und energieeffizientes Bauen gleichzeitig setze, werde ein Vorbild sein.

Hans Achim Grube, Vorstand beim Entwickler Konzeptplus, sagte, noch in diesem Jahr werde begonnen, auf dem Gelände den verseuchten Boden abzutragen und einen 7000 Quadratmeter großen Park anzulegen. 2009 werde Baubeginn für das erste Objekt sein, ein Hotel- und Kongresszentrum an der südlichen Spitze. Eine Hotelkette plane ein ökologisches Muster-Haus, ein „grünes Hotel“, wo sich der Energieverbrauch auf der Rechnung der Gäste niederschlage.

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