Wohnungsmarkt

Berliner Mieter müssen immer mehr zahlen

Die Berliner müssen immer mehr für ihre Wohnung zahlen. Zu spüren bekommen das vor allem jene, die häufig umziehen. Denn Neumieter zahlten 2007 etwa fünf Prozent mehr als noch 2006. Doch es geht auch anders.

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Berliner Mieter haben keine Scheu vor Veränderungen. Gut neun Prozent der 1,75 Millionen Haushalte in der Hauptstadt ziehen jedes Jahr um. Das sind immerhin knapp 158.000 Umzüge jährlich. Doch der Tapetenwechsel kommt die Mieter in den meisten Fällen teuer zu stehen – und das längst nicht nur, weil Transport- und Renovierungskosten anfallen.

Auf längere Sicht schlägt vielmehr zu Buche, dass die sogenannten Neuvertragsmieten von 2006 auf 2007 im Schnitt um fünf Prozent gestiegen sind. Nach Angaben des Marktmonitors 2008, den der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) jetzt vorgestellt hat, ist die Entwicklung sogar noch dramatischer, wenn man die verlangten Neumieten mit dem Mietspiegeldurchschnitt vergleicht, der die Bestandsmieten abbildet.

Den Angaben der Wohnmarkt-Studie zufolge beliefen sich die Nettokaltmieten 2006 bei Neuvermietungen im Berliner Durchschnitt auf 5,49 Euro je Quadratmeter. 2007 stieg dieser Wert auf 5,75 Euro. Gegenüber dem Mietspiegeldurchschnitt von 4,75 Euro fallen die Neuvermietungen damit um einen Euro, beziehungsweise 21,1 Prozent höher aus. „Die Vermieter nutzen die Gelegenheit zur Anpassung an aktuelle Markttrends“, kommentiert BBU-Chef Ludwig Burkardt die Entwicklung.

In begehrten Lagen sei die Abweichung zwischen den durchschnittlichen Bestandsmieten und den Neuvermietungen noch deutlicher. Dies betreffe vor allem die innerstädtischen, mittlerweile weitgehend sanierten Altbauquartiere in den Ortsteilen Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg und Mitte. „Hier liegen die Neumieten mit 6,62 Euro je Quadratmeter um 1,32 Euro über den Bestandsmieten“, sagt Burkardt. Das sind immerhin satte 25 Prozent. „In der Spitze können hier auch Quadratmeterpreise von über zehn Euro verlangt werden“, sagt Burkardt.

Viele Berliner kennen die Entwicklung aus eigener Erfahrung. So wie Svenja Jochens, die vor einem Jahr innerhalb Charlottenburgs vom Mierendorffplatz nach Westend gezogen ist. Die 23-Jährige und ihr Freund zahlen für die Zwei-Zimmer-Wohnung 530 Euro kalt. Die alte Wohnung am Mierendorffplatz hatte bei gleicher Größe dagegen nur 440 Euro gekostet. „In der alten Wohnung kam aber das Wasser durch die Decke“, begründet die junge Auszubildende, warum sie die Mehrkosten dennoch auf sich genommen haben. Zudem sei die Lage einfach schöner.

Die Lage war für Sebastian Meyer das Hauptargument für den Umzug von Britz nach Friedrichshain. „Ich studiere an der Humboldt-Universität, außerdem ist Friedrichshain einfach urbaner“, sagt der 26-Jährige. Während er für seine 40 Quadratmeter Wohnung in Britz 196 Euro kalt gezahlt hat, muss er nun für 39 Quadratmeter 250 Euro zahlen. „Doch das ist es mir wert.“

Wer bereit ist, auch außerhalb der stark nachgefragten Gegenden zu wohnen, kann jedoch immer noch preisgünstig wohnen. Der BBU-Unternehmenssprecher David Eberhardt ist gerade dabei, umzuziehen: Am Sonnabend ist die Schlüsselübergabe für eine Wohnung im Tempelhofer Stuck-Altbau an der Wenckebachstraße. „Dort zahle ich 4,80 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter“, sagt Eberhardt. Und damit deutlich weniger, als in Wilmersdorf nahe dem Rüdesheimer Platz. „Dort habe ich 6,70 Euro gezahlt“, so der Sprecher. Für Eberhardt hat sich der Umzug also gelohnt: „Allerdings habe ich auch lange nach dieser Wohnung gesucht“, gibt er zu.

Trotz der Mietsteigerungen stehen Berlins Mieter vergleichsweise noch gut da. „In Frankfurt am Main muss man derzeit 22 Prozent des verfügbaren Einkommens für Miete ausgeben, in München etwa 20 Prozent“, sagt BBU-Chef Burkhardt. In Berlin liege dieser Anteil bei 18,1 Prozent. Der Verband der Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen hat auch den Wohnmarkt in Brandenburg analysiert. Die im Verband organisierten 365 Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften verfügen mit 1,1 Millionen Wohneinheiten über 30 Prozent des Wohnungsbestandes in Brandenburg und 35 Prozent aller Wohnungen in Berlin. Wie auch in Berlin, entwickeln sich die Mieten in Brandenburg je nach Lage sehr unterschiedlich.

Besonders die Entwicklung in Potsdam entfernt sich immer mehr von der in den anderen Städten. Während dort zwischen drei und fünf Euro pro Quadratmeter und Monat verlangt werden, sind es in Potsdam fünf bis sechs Euro.